Christoph Rottwilm

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit dem Aus für die Berliner Brechstange

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute: Die Verfassungsrichter lüften den Mietendeckel von Berlin, der Siemens-Chef setzt seine Sprecherin an die Luft und Elektrotaxis steigen auf in luftige Höhen.

Marktregulierung mit der Brechstange, das hatte sich die rot-rot-grüne Regierung von Berlin so schön gedacht. Aber damit ist seit heute Schluss: Das Bundesverfassungsgericht erklärte den Anfang 2020 in der Hauptstadt eingeführten Mietendeckel, durch den die Mieten von 1,5 Millionen Berliner Wohnungen auf dem Niveau von Mitte 2019 eingefroren worden waren, für rechtswidrig. Viele Juristen hatten von Beginn an daran gezweifelt, dass der Berliner Sonderweg über die bereits 2015 bundesweit eingeführte Mietpreisbremse hinaus rechtmäßig sein könnte – jetzt wurden sie von höchster Stelle bestätigt.

Das Urteil von Karlsruhe hat einige Folgen. Mietervertreter sowie der Berliner Senat betonten, jetzt müsse der Staat erst recht zusätzliche Verbesserungen am Mietrecht vornehmen, um die Menschen vor allzu rigidem Vorgehen von Investoren oder Immobilienkonzernen zu schützen. Unternehmen wie Vonovia oder Deutsche Wohnen ihrerseits können sich freuen, sie gehören zu den Profiteuren des Karlsruher Richterspruchs, was sich auch an einem spontanen Anstieg ihrer Aktienkurse erkennen lässt. Für die beiden Dax-Konzerne hat das Urteil zudem besondere Bedeutung: Vonovia pirscht sich seit einiger Zeit zwecks möglicher Übernahme heran – der Deckel galt bislang als Dealbreaker.

Wir haben zu dem Thema für Sie im Angebot: Alle Details zum Urteil sowie Reaktionen darauf; einen Überblick über die größten Profiteure, sprich die größten Wohnungseigentümer von Berlin; und zudem als Hintergrundstück aus unserem Archiv: Wie Vonovia den zweiten Übernahmeversuch von Deutsche Wohnen startet .

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Abgang der Twitter-Queen: Clarissa Haller ist nicht mehr Kommunikationschefin von Siemens

Abgang der Twitter-Queen: Clarissa Haller ist nicht mehr Kommunikationschefin von Siemens

Foto:

Thomas Hiermayer / imago/DeFodi

  • Nachdem Roland Busch im Februar bei Siemens den Vorstandsvorsitz übernommen hat, feuerte er vor wenigen Tagen Knall auf Fall Clarissa Haller, die Kommunikationschefin des Konzerns. Nicht nur am Wittelsbacher Platz oder in den angrenzenden Homeoffices war man (teils freudig) überrascht von dieser Personalie. Auch in der PR-Welt genoss Haller vor allem wegen ihres Eigenvermarktungstalents in den sozialen Medien den Ruf einer Vordenkerin. Die Hintergründe hat meine Kollegin Angela Maier recherchiert: Abrupter Abschied der Twitter-Queen von Siemens .

  • Wer sich in letzter Zeit schon über das Comeback der Wirtschaft nach dem Corona-Crash gefreut hat, war womöglich vorschnell: Die dritte Welle der Pandemie wirkt sich erheblich auf die Konjunktur aus, die führenden Forschungsinstitute haben ihre Prognose für das Wachstum im laufenden Jahr daher jetzt gesenkt. Erst 2022 soll es nach Ansicht der Experten wieder stärker aufwärts gehen.

  • Im Rennen um die Corona-Impfstoffe ist Curevac bislang abgeschlagen, Firmen wie Biontech/Pfizer, Moderna oder – wenn auch umstritten – Astrazeneca waren deutlich schneller. Doch plötzlich taucht Curevac wieder als Hoffnungsträger auf, Politiker fordern eine schnelle Notfallzulassung. Die Biotech-Firma selbst rechnet mit dem Go der Behörden für ihren Impfstoff im zweiten Quartal. Das Corona-Vakzin des US-Konzerns Johnson & Johnson unterdessen sorgt in verschiedenen Ländern weltweit für ein regelrechtes Durcheinander.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Am Anfang wollte die Steuerbeamtin P. die Millionen, die die Hamburger Warburg Bank dem Fiskus der Hansestadt mit Cum-Ex-Geschäften vorenthalten hatte, zurückholen. Dann kam die Wende, an deren Ende sich P. mit den höchsten Steuerbeamten des Landes anlegte, um die potenziellen Steuersünder zu schützen. Das ist nur die Kurzform eines spannenden Plots, den Sie in Teil zwei unserer Serie über das Cum-Ex-Drama der Warburg Bank lesen können: Warum Hamburg auf 47 Millionen Euro Steuern verzichtete .

  • Nicht zuletzt dank Megatrends wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit wächst das Geschäft mit Windkraftwerken weltweit rasant. Konzerne wie Siemens Gamesa mischen dabei kräftig mit , wobei vor allem Offshore, also auf hoher See, Milliardenumsätze winken. Doch Vorsicht: Die Risiken des Geschäfts sind nicht zu unterschätzen.

Meine Empfehlung für den Abend:

Pionier: Robo-Auto-Entwickler Sebastian Thrun will jetzt Flugautos bauen

Pionier: Robo-Auto-Entwickler Sebastian Thrun will jetzt Flugautos bauen

Foto:

Udacity / REUTERS

  • Ein bisschen was zum Träumen: Sebastian Thrun ist bekanntlich ein Pionier des autonomen Fahrens. Als "unser Mann im Silicon Valley" hat der Deutsche im Auftrag von Google Autos und geheime Projekte entwickelt, erfolgreich Firmen gegründet und lehrt an der US-Uni in Stanford. Geld zu besorgen war für ihn nie ein Problem, und jetzt braucht er erneut einiges davon: Thrun konstruiert neuerdings mit eigenem Start-up elektrische Luftfahrzeuge, vulgo: Flugtaxis. Ist das nicht Utopie? Wie weit ist der Visionär mit der Umsetzung? Kurzum: Wann werden Flugautos tatsächlich Teil unseres Alltags sein? Diese Fragen hat mein Kollege Michael Kröher im Interview gestellt. Hier finden Sie Thruns Antworten .

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm