Oliver Hollenstein

Der Dienstag im Überblick Russland, das Öl und das Geld

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit den Auswirkungen eines Energieembargos auf Deutschland, der Frage, was Vermögensverwalter jetzt machen, und einem Blick auf die Stars der Dealmaker-Szene.

Jeden Tag überweist Europa derzeit mehr als 600 Millionen Euro für Öl und Gas nach Russland – und hält auch damit die russische Kriegsmaschinerie am Laufen, die in der Ukraine eine immer größere humanitäre Katastrophe anrichtet. Eine Blockade der Energielieferungen würde Russlands Präsident Wladimir Putin hart treffen, doch klar ist: Besonders für Deutschland wäre die Belastung ebenfalls groß. Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat gestern verkündet, dass er keine Möglichkeit sieht, auf Energie aus Russland zu verzichten. Doch bleibt es dabei? Die Vereinigten Staaten kündigten heute an, die Energieimporte aus Russland zu stoppen. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina schreibt zudem in einer aktuellen Analyse, die Auswirkungen eines kurzfristigen Embargos für Gas aus Russland seien "handhabbar".

Noch gut gefüllt: Rohre der Gaspipeline Nord Stream 1

Noch gut gefüllt: Rohre der Gaspipeline Nord Stream 1

Foto: Stefan Sauer / dpa

Was Vermögensverwalter jetzt empfehlen

Der Absturz der Börsen war gestern bereits das große Thema bei uns, heute stabilisierte sich der deutsche Leitindex Dax leicht, stieg sogar zwischenzeitlich wieder über die Marke von 13.000 Punkten. Doch die Schwankungen sind groß – und eine nachhaltige Erholung auf das alte Niveau erwarten die meisten Marktbeobachter nicht. Was nun? Diese Frage war gestern Nachmittag auch Thema in einem Saal des Hotels "Vier Jahreszeiten" an der Hamburger Binnenalster. Unter Kristallkronleuchtern versammelten sich dort fünf Dutzend Herren in gedrückter Stimmung zu einem Drei-Gänge-Menü. Auf der Bühne diskutierten Vertreter der größten unabhängigen Vermögensverwalter Deutschlands. Unser Kollege Mark Böschen war dabei – und hat für Sie zusammengefasst, wie die Geldverwalter nun auf Krieg, Inflation und Kursrutsch reagieren wollen. 

Debatte in Hamburg: Fondsmanager im Hotel "Vier Jahreszeiten"

Debatte in Hamburg: Fondsmanager im Hotel "Vier Jahreszeiten"

Diese Gefahren bringt der Krieg für die Bankenbranche

Ein besonderes Augenmerk gilt in jeder Krise der international vernetzten Bankenwelt – immer im Hinterkopf der Dominoeffekt, den Politik und Notenbanken in der Finanzkrise 2008/2009 mit großer Mühe verhinderten. Auch der Ukrainekrieg trifft die Banken schwer. Der europäische Bankenindex EuroStoxx Banks stürzte um bis zu 40 Prozent ab. Große Einbrüche erlebten auch die Deutsche Bank und die Commerzbank, die in den Monaten zuvor zu regelrechten Anlegerlieblingen avanciert waren. Unser Kollege Christoph Rottwilm hat sich daher die Frage gestellt, wie stark die europäischen Banken durch den Krieg in der Ukraine belastet werden. Ergebnis: Die deutschen Banken haben ihr Engagement in Russland schon in den vergangenen Jahren reduziert. Anders sieht es bei einigen Instituten in Österreich, Italien und Frankreich aus, die ihre Geschäfte in Russland zuletzt ausgebaut haben. Am stärksten engagiert ist die österreichische Raiffeisen Bank, die in Russland 4,3 Millionen Kunden und 9300 Mitarbeiter hat, in der Ukraine 2,9 Millionen Kunden und 6600 Mitarbeiter. Doch die Bank gibt Entwarnung: Das Institut werde diese Krise überstehen.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Nord Stream 2 wird für Uniper zum finanziellen Desaster: Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper vollzieht angesichts der russischen Invasion in der Ukraine in seinem Russland-Geschäft eine Kehrtwende. Uniper werde keine neuen Investitionen in Russland tätigen, teilte das Unternehmen mit. Seine Darlehen zur Finanzierung der Pipeline Nord Stream 2 in Höhe von rund einer Milliarde Euro schreibt der Konzern komplett ab.

  • Volocopter will mit neuem Chef doch noch an die Börse: Das unter Druck geratene Flugtaxi-Startup Volocopter verpflichtet den erfahrenen Airbus-Manager Dirk Hoke als neuen Chef. Der frühere Chef der Rüstungs- und Raumfahrt-Sparte von Airbus werde im September den Führungsposten vom langjährigen Firmenchef Florian Reuter übernehmen, kündigte das Unternehmen am Dienstag an. Hoke soll den teuren Zulassungsprozess steuern – und die Firma nach dem geplatzten Börsengang nun 2024 an den Kapitalmarkt bringen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die Corona-Pandemie hat die Menschen in Deutschland psychisch stark belastet und dabei am meisten arbeitenden Müttern zugesetzt. Das ist das Ergebnis einer europaweiten Studie, die der Versicherungskonzern Axa 2021 zum zweiten Mal seit Ausbruch der Pandemie durchgeführt hat. 57 Prozent der befragten Deutschen gaben an, derzeit nicht glücklich zu sein. Nur in Großbritannien und Italien sind die Menschen noch unglücklicher als hierzulande. Besonders auffällig: Arbeitende Mütter in Deutschland hat die Pandemie am stärksten mental belastet, stärker noch als in allen anderen Ländern Europas und als alle anderen befragten Gruppen. Unsere Kolleginnen vom Harvard Business manager haben in ihrem Podcast Team A mit Thilo Schumacher, dem Vorstandsvorsitzender der Axa, über die Studie und die Folgerungen daraus gesprochen. Hören Sie doch einmal rein! 

Meine Empfehlung für den Abend:

Dealmaker Nummer eins: Sullivan-&-Cromwell-Anwalt Carsten Berrar

Dealmaker Nummer eins: Sullivan-&-Cromwell-Anwalt Carsten Berrar

Foto:

Marc Krause für manager magazin

  • Wie die größten Dealmaker den Markt aufmischen: Es ist ein nur kleiner Kreis von Topanwälten, der in Deutschland immer wieder die großen Übernahmeschlachten und M&A-Deals sortiert. Zwei Männer haben dabei in den vergangenen Jahren besonders stark an Einfluss gewonnen: Carsten Berrar und Rick van Aerssen. Die neuen Topanwälte treten unprätentiös auf. Doch vom zurückhaltenden Gestus sollte man sich nicht täuschen lassen. "Der Einfluss dieser Anwälte hat dramatisch zugenommen", sagt ein Berater. Wenn in Verhandlungen neue Organisationen gebaut werden, über Karrieren und ganze Geschäftszweige entschieden wird, sind es Anwälte wie Berrar und van Aerssen, die weit mehr als nur zu Rechtsdingen beraten und ein paar Paragrafen oder höchstrichterliche Urteile rezitieren. Sie sind oftmals die Architekten der neuen Unternehmen – oder zumindest zentrale Berater der Bauherren. Unsere Kollegen Jonas Rest, Angela Maier und Eva Buchhorn haben sich die neue Deal-Elite angeschaut. 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!

Ihr Oliver Hollenstein