Christoph Rottwilm

Der Donnerstag im Überblick Sanktionen, Emotionen und Zittern um viele Millionen

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Oligarchen-Geld im Kühlfach, einem Autospross in Schwierigkeiten und Gesprächsbedarf im Team.

Während in der Ukraine Tag für Tag unschuldige Menschen sterben, hofft der Westen weiter darauf, den russischen Präsidenten Wladimir Putin mit massivem wirtschaftlichem Druck zum Einlenken zu bewegen. Beinahe im Tagesrhythmus werden neue Sanktionen gegen Russland und seine führenden Protagonisten verhängt. Großbritannien etwa nahm heute erneut die Oligarchen im Umfeld Putins ins Visier. Superreiche russische Unternehmer wie Roman Abramowitsch, Noch-Eigner des Profiklubs FC Chelsea, konnten sich jahrelang ein schönes Leben in der britischen Hauptstadt machen, die deshalb bereits den Spottnamen "Londongrad" erhielt. Doch nun wird es dort für sie ungemütlich: Großbritannien fror in seinem jüngsten Schritt die Vermögen von sieben russischen Geschäftsleuten ein – darunter neben Abramowitsch auch Aluminium-Milliardär Oleg Deripaska sowie Gazprom-Chef Alexej Miller.

Doch was bringen eigentlich all die Sanktionen? Diese Frage wird zwei Wochen nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine und angesichts täglich neuer Berichte über russische Gräueltaten immer drängender. Das Vorgehen gegen die Putin-Getreuen ist nur ein kleiner Teil der umfangreichen Maßnahmen, die der Westen gegen Russland ergriffen hat. Der Rauswurf mehrerer russischer Banken aus dem Zahlungssystem Swift, das Einfrieren russischer Devisenreserven, zuletzt der Beschluss eines Öl- und Gas-Embargos durch die USA sind weitere. Aber wie sehr gerät Russland und seine Wirtschaft dadurch tatsächlich unter Druck? Ist es realistisch, zu hoffen, dass Putin auf diese Weise von seinem Irrsinn abgebracht werden kann? Mit drängenden Fragen rund um die Sanktionen und ihre Wirkung hat sich mein Kollege Christian Schütte beschäftigt – hier finden Sie seine Antworten .

Kein Zugriff auf Devisenreserven: Auch Russlands Notenbank-Chefin Elvira Nabiullina bekommt die Sanktionen des Westens zu spüren

Kein Zugriff auf Devisenreserven: Auch Russlands Notenbank-Chefin Elvira Nabiullina bekommt die Sanktionen des Westens zu spüren

Foto: via www.imago-images.de / imago images/SNA

Mehr zum Krieg in der Ukraine:

Die Wirtschaftsnews:

  • EZB tastet Zins weiter nicht an: Auch die Volkswirte der Europäischen Zentralbank erwarten angesichts des Ukraine-Krieges eine höhere Inflation. Den Leitzins lassen die Währungshüter dennoch weiterhin unverändert, wie sie heute entschieden.

  • Rekordgewinn für BMW: Dem Autobauer aus München gelang im vergangenen Jahr ein kräftiger Gewinnsprung auf Rekordniveau. Auch die Aktionäre sollen davon profitieren - BMW will die Dividende erhöhen.

  • Milliardendeal für Bayer: Die Leverkusener haben ihre Sparte für Schädlingsbekämpfung außerhalb der Landwirtschaft - vulgo: Environmental Science - verkauft. Den Zuschlag erhielt der Finanzinvestor Cinven, der für den Unternehmensteil 2,4 Milliarden Euro auf den Tisch legt.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Autospross in Nöten: Piëch – der Name hat Klang in der Autobranche, untrennbar verbunden mit den Marken Porsche und Volkswagen, bei denen die Autodynastie seit jeher großen Einfluss hat. Anton Piëch, Sohn des legendären VW-Granden Ferdinand Piëch und Urenkel des Dynastiegründers Ferdinand Porsche, gründete 2017 seine eigene Autofirma: Piëch Automotive. Das Projekt startete verheißungsvoll, mit zahlreichen Autopromis wie Ex-VW-Chef Matthias Müller im Management. Doch inzwischen überwiegen bei Piëch Automotive die Schwierigkeiten, und viele der Starmanager suchen bereits das Weite, berichten meine Kollegen Margret Hucko und Lukas Heiny .

Zunehmend einsam: Start-up-Gründer Toni Piëch kommen die Starmanager abhanden

Zunehmend einsam: Start-up-Gründer Toni Piëch kommen die Starmanager abhanden

Foto:

Uli Deck / picture alliance/dpa

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Die Abendempfehlung ist heute weniger eine Empfehlung zum Lesen als vielmehr eine Empfehlung zum Reden. Und zwar über Gefühle. Das mag für viele im beruflichen Umfeld ungewohnt sein, doch es hat Vorteile. Studien, über die der Harvard Business manager berichtet , haben ergeben, dass es das Vertrauen innerhalb von Teams fördert, wenn sich Mitarbeiter auch über ihre Emotionen austauschen – insbesondere über negative Emotionen. Davon dürften nicht nur viele Berufstätige gerade im Moment eine Menge mit sich herumschleppen. Daher der Tipp: Reden Sie drüber.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm