Christoph Rottwilm

Der Dienstag im Überblick Geldwäscher und Regenmacher

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einer Milliarde gegen Geldwäsche, einem neuen Job für einen Regenmacher und frischer Liquidität von Peter Thiel für Sebastian Kurz.

Wer glaubt, Geldwäsche und kriminelle Finanzströme seien vor allem ein Problem am Markt für Kryptowährungen, der irrt sich: Die traditionelle Bankbranche hat damit ebenfalls ihre liebe Not. Allen voran: Deutschlands Branchenprimus, die Deutsche Bank. Seit vielen Jahren schafft es das Institut nicht, funktionierende Geldwäschekontrollen zu installieren. Reihenweise mussten Führungskräfte die Bank verlassen, weil sie mit der Aufgabe überfordert waren; von Sylvie Matherat, bis 2019 Compliance-Vorständin der Deutschen Bank, über Risikovorstand Stuart Lewis, der seinen Posten im Frühjahr 2021 räumen musste, bis zu Stephan Wilken, Geldwäschebeauftragter, der im vergangenen Jahr durch Joe Salama ersetzt wurde.

Selbst ein Sonderaufpasser der Finanzaufsicht Bafin konnte die Deutsche Bank nicht wach rütteln. Sein Mandat musste im vergangenen Jahr bis 2024 verlängert und erweitert werden.

Innerhalb der Bank ist inzwischen Rechtsvorstand Stefan Simon für die Geldwäschebekämpfung verantwortlich. Er scheine die Signale verstanden zu haben, berichtete unsere Bankenexpertin Katharina Slodczyk schon vor Monaten aus dem Inneren des Instituts . Simon wollte seinerzeit grundlegende Veränderungen auf den Weg bringen und dem Geldwäschebeauftragten Salama mehr Durchschlagskraft verschaffen.

Aber: Die Geldwäschebekämpfung der Deutschen Bank funktioniert bis heute nicht. Um dem jahrelangen Horrormanagement ein Ende zu setzen, greift die Bank deshalb jetzt tief in die Tasche. Das Institut gibt dieses Jahr erstmals mehr als eine Milliarde Euro für den Kampf gegen Finanzkriminalität aus, berichtet Kollegin Slodczyk . Ein so gewaltiger Kostenblock bereitet Finanzvorstand James von Moltke wohl wenig Freude – er muss deshalb sein konzernweites Kostenziel für dieses Jahr revidieren.

Kampf gegen Geldwäsche: Deutsche-Bank-Rechtsvorstand Stefan Simon bekommt ein Riesenbudget

Kampf gegen Geldwäsche: Deutsche-Bank-Rechtsvorstand Stefan Simon bekommt ein Riesenbudget

Foto: Nathan Zentveld

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Krypto-Plan gescheitert: Mark Zuckerberg wollte einmal die größte und bedeutendste Kryptowährung der Welt erschaffen. 2019 stellte der Facebook-Chef sein Projekt vor: Geplant war ein globales Digitalgeld namens "Libra", abgesichert durch einen Korb aus diversen Währungen. Zweieinhalb Jahre später ist von diesem Vorhaben nicht mehr viel übrig: Der Widerstand von Regulierungsbehörden und Regierungen war wohl zu groß, Zuckerbergs "Libra", das inzwischen den Namen "Diem" trägt, wird für übersichtliche 182 Millionen Dollar verkauft.

  • Robuster Arbeitsmarkt: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Januar zwar gestiegen, aber bei Weitem nicht so stark wie sonst üblich. Und das trotz der vierten Welle der Corona-Pandemie. Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, meint: "Der Arbeitsmarkt ist gut in das Jahr 2022 gestartet."

  • Großauftrag für Siemens: 30 neue ICE-Züge hat die Deutsche Bahn bereits im vergangenen Jahr bei Siemens bestellt. Jetzt ergänzt die Bahn diese Order um weitere 43 Züge des neuesten Typs ICE3. Die zusätzliche Bestellung hat ein Volumen von 1,5 Milliarden Euro, der letzte der insgesamt 73 Züge soll 2029 ausgeliefert sein.

  • Einigung bei Airbus: Der Flugzeugbauer will einen Großteil seiner Fertigung in einer neuen Tochtergesellschaft bündeln. An dem Plan hatte die IG Metall etwas auszusetzen, seit Monaten stritten die beiden Parteien darüber. Jetzt haben sie sich geeinigt. Das wichtigste Ergebnis für die Airbus-Mitarbeiter: Betriebsbedingte Kündigungen sollen bis 2030 ausgeschlossen sein.

  • Deal geplatzt: Der taiwanesische Chipzulieferer Gobal Wafers wollte seinen Münchener Konkurrenten Siltronic übernehmen, doch daraus wird nun nichts. Grund: Für den 4,35-Milliarden-Euro-Deal wäre nach dem Außenwirtschaftsgesetz eine Genehmigung des Bundeswirtschaftsministeriums erforderlich gewesen – und die blieb aus. Siltronic ist damit die bislang mit Abstand größte potenzielle Übernahme, die am Außenwirtschaftsgesetz gescheitert ist.

Die Personalie des Tages:

Künftig bei Deloitte: "Regenmacher" Bernhard Lorentz

Künftig bei Deloitte: "Regenmacher" Bernhard Lorentz

Foto: Jürgen Heinrich / imago images
  • Bernhard Lorentz gilt als einer der gefragtesten Berater Deutschlands. Er verfügt über beste Kontakte in Unternehmensspitzen und Toppolitik gleichermaßen. Bis 2021 war er für die Consultingfirma EY ein sogenannter "Regenmacher": Immer wieder stach er Konkurrenten wie PwC oder McKinsey bei Ausschreibungen aus, gewann verschiedene Bundesministerien als Kunden und konnte den EY-Umsatz im Geschäft mit Ministerien und Behörden vervielfachen. Auf solche Erfolge hofft künftig die Unternehmensberatung Deloitte: Sie holt Lorentz als Managing Partner für das Thema Klimaneutralität und Teil des globalen Führungsteams an Bord, berichtet unser Kollege Christoph Neßhöver .

Das Comeback des Tages:

  • Warren Buffett ist auch so eine Art "Regenmacher" für viele Investoren: Seit Jahrzehnten investiert er erfolgreich die Gelder der Beteiligungsholding Berkshire Hathaway und sorgt für dicke Renditen bei den Anlegern. Zuletzt war Buffett allerdings ein wenig ins Hintertreffen geraten: Seine notorische Abneigung gegen junge Wachstums- und Tech-Unternehmen ließ seine Performance eine Zeit lang hinter jene des neuen Anlagestars Cathie Wood und deren Firma Ark Invest zurückfallen. Doch jetzt ist Buffett wieder da: An der Börse haben die von ihm bevorzugten etablierten Unternehmen – sogenannte Value-Titel – zuletzt besser abgeschnitten. Der Altmeister hat sich wieder an "Queen Cathie" vorbeigeschoben.

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Heute mal wieder etwas aus der beliebten Rubrik "Was macht eigentlich?". Was also macht eigentlich der kürzlich zurückgetretene österreichische Ex-Kanzler Sebastian Kurz? Er wechselte in die USA, ins Reich des Tech-Investors und Trump-Unterstützers Peter Thiel, so viel ist bekannt. Aber was genau macht er da? Die kurze Antwort lautet: nicht viel. Kollege Mark Böschen hat sich im Umfeld von Kurz umgehört. Dabei fand er heraus, dass die Anstellung offenbar ein reiner Freundschaftsdienst von Thiel ist, der viel von Kurz halte und dessen Sturz ein wenig habe abfedern wollen. Gehaltsaufbesserung inklusive, versteht sich. Viel zu tun hat Kurz aber vorerst nicht. Lesen Sie selbst .

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm