Christoph Rottwilm

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit dem Mann, der Autos das Sehen lehrt

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Studienabbrecher an der Nasdaq, einem Ex-Minister vor Gericht und einem Dänen in Schottland.

Wie sich die Reisebranche, die durch die Krise ja besonders gebeutelt ist, nach der Pandemie entwickeln dürfte, konnten Sie kürzlich bereits in einer umfangreichen Analyse bei uns lesen . Der Tenor: Vom Reisebüro über Kreuzfahrtreeder und Pauschalanbieter bis zum weltweit tätigen Buchungsportal – sie alle werden sich umstellen müssen. Digitaler wird das Geschäft ohnehin schon, das ist klar. Es dürfte sich aber auch stärker in Richtung Individualität entwickeln. Und vermutlich werden Kunden von der Branche in Zukunft auch mehr Flexibilität erwarten.

Ganz ähnlich sieht es Sören Hartmann (57), Chef der Rewe-Tochter DER Touristik, die er in den vergangenen Jahren kaum bemerkt zum mit 8,4 Millionen Gästen und 6,5 Milliarden Euro Umsatz zweitgrößten Player Europas gemacht hat. "Nur wer in die Digitalisierung investiert, kann morgen noch bestehen", sagt Hartmann im Interview mit meinem Kollegen Michael Machatschke. Okay, das überrascht jetzt nicht so sehr. Dass der Reiseprofi für das traditionelle Reisebüro dennoch eine vitale Zukunft sieht, vielleicht schon eher. Weshalb Hartmann das erwartet? Das können Sie hier im kompletten Interview nachlesen .

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Foto: Nasdaq Inc.
  • Man könnte fast sagen: Endlich guckt Elon Musk mal in die Röhre. Der erfolgsverwöhnte Tesla-Chef hält nichts von den Lidar-Sensoren, mit denen die Firma Luminar des Stanford-Abbrechers Austin Russell Autos beim autonomen Fahren hilft. Investoren an der Wall Street halten offenbar umso mehr von dem Produkt, das auch Partner wie Volvo oder Daimler schätzen: Sie trieben den Aktienkurs von Luminar unmittelbar nach dem Börsengang an der Nasdaq in die Höhe - und machten Firmengründer Russell mit 25 Jahren zu einem der jüngsten Milliardäre der Welt.

  • Neues vom Führungskampf bei Volkswagen: Konzernchef Herbert Diess verliert im Ringen um die Macht im Konzern mit Kommunikationschef Peik von Bestenbostel einen Verbündeten. Dessen Stelle übernimmt ab 1. Januar Nicole Mommsen, früher bei Goldman Sachs - und laut Diess die "ideale Besetzung". Wer sich bei der Gelegenheit zudem ein Bild davon machen möchte, was der Disput im Management für den Volkswagen-Konzern insgesamt bedeutet, der oder dem sei die neueste Folge unseres Podcasts "Das Thema - Deutschlands ehrlichster Wirtschaftspodcast" ans Herz gelegt. Unsere Chefredakteure Sven Clausen und Martin Noé diskutieren darin mit Michael Freitag, der seit über einem Jahrzehnt zur Autobranche recherchiert: Führungschaos bei VW - verspielt der Autogigant seine Zukunft?

  • Paukenschlag in der Kinobranche: Hollywood-Riese Warner Bros will im kommenden Jahr sämtliche neuen Filme zeitgleich zum Kinostart auch im Onlinestreaming zeigen. Die Maßnahme, die zunächst mit der Corona-Krise begründet wird, dürfte so manchen Kinobesitzer noch sorgenvoller in die Zukunft blicken lassen, als ohnehin schon.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Im Streit um die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 korrigiert der US-Kongress ein wenig seinen Kurs: Einem neuen Gesetzentwurf zufolge sollen mögliche Sanktionen nun nicht Regierungen oder Behörden in Europa treffen - beteiligte Unternehmen dafür jedoch umso mehr.

  • Der Norweger Jon Nicolaisen, der lange die Anlagestrategie des weltgrößten Staatsfonds prägte, ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Der stellvertretende Zentralbankgouverneur hatte von den Behörden keine erneute Sicherheitsfreigabe erhalten – weil er mit einer chinesischen Frau verheiratet ist.

Das Beste aus dem neuen "Economist":

  • Auch in dieser Woche möchten wir Ihnen im Rahmen unserer Kooperation mit dem "Economist" wieder etwas Besonderes anbieten. In ihrer Titelgeschichte beschäftigen sich die Kollegen mit dem Abschied der Weltwirtschaft von der Kohle: Nachdem seit Jahren bereits der Kohleverbrauch rund um den Globus stagnierte, gehen nun endlich auch die Kraftwerkskapazitäten zurück. "Coal' Endgame", heißt das in britischer Zurückhaltung. Was Klimaschützer freut, hat erhebliche Auswirkungen auf ganze Volkswirtschaften. Lesen Sie die ganze Analyse: Das Ende der globalen Kohle-Ära .

Meine Empfehlung für den Abend:

Povlsen-Anwesen "Glenfeshie" in Schottland: Mehr Landbesitz als die Queen

Povlsen-Anwesen "Glenfeshie" in Schottland: Mehr Landbesitz als die Queen

Foto: PR
  • Nochmal zurück zum Thema Reisen: Wenn Superreiche Urlaub machen, dann sind die Umstände mit "individuell" in der Regel nur unzureichend beschrieben. "Exklusiv" oder "elitär" trifft es meist genauer. Anders Holch Povlsen (48) zum Beispiel, Großaktionär bei den Onlinemodehändlern Zalando und About You, lockt die betuchte Kundschaft nach Schottland. Der Däne hat sich ein Refugium zusammengekauft, das seinesgleichen sucht. Povlsen, Europas scheuer Online-Modekönig, besitzt dort inzwischen mehr Land als die Queen. Kollegin Viola Keeve berichtet .  

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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