Lukas Schürmann

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit einem Gedicht, das Milliarden Dollar Börsenwert vernichtet

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Thyssenkrupp, Peter Thiel und einem Lyrikfreund aus China.

"Bevor die Asche kalt war, begann schon der Aufstand in der Shandong-Provinz."

Wir starten lyrisch - denn ein Gedicht hat in den vergangenen Tagen in China etliche Milliarden Dollar an Börsenwert vernichtet. Oben zitieren wir aus dem etwa eintausend Jahre alten Werk, das Wang Xing, Chef von Chinas führendem Essenslieferdienst Meituan, Ende vergangener Woche in einem sozialen Netzwerk teilte. Darin kritisiert Poet Zhang Jie das Verbrennen von Büchern durch chinesische Kaiser.

Ob Wang damit eine Spitze gegen Chinas Führung setzen wollte oder aber lediglich einen besonders lyrischen Tag erwischt hatte, können wir Ihnen nicht sagen. Sicher ist allerdings: Der Post hat Meituans Investoren enorm verunsichert - und dem Konzern einen massiven Kurseinbruch beschert. So groß ist offenbar die Angst, dass die Aktion in Peking als Affront gewertet wird, zumal die Regierung ohnehin bereits gegen Meituan ermittelt. So wirft die Affäre denn auch ein Schlaglicht auf Chinas Umgang mit seinen Großkonzernen.

Liefergefährt von Meituan

Liefergefährt von Meituan

Foto: VCG / VCG via Getty Images

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages

  • Die Lufthansa steht bereits mit etwa 8 Milliarden Euro beim deutschen Staat und weiteren europäischen Ländern in der Kreide. Nun erwägt die Airline nochmals neue Staatshilfen - und eine milliardenschwere Kapitalerhöhung, um die Schulden bald zurückzahlen zu können.

  • Rückschlag für Mark Zuckerberg: Vor wenigen Wochen hatte der Facebook-Chef eine spezielle Kinderversion seiner Foto-App Instagram angekündigt. Nun regt sich in den USA massiver Widerstand. Gleich 44 Generalstaatsanwälte sehen "unzählige Gründe" für die Schädlichkeit eines solchen Angebots.

  • Am Mittwoch lädt der wertvollste Dax-Konzern zur Hauptversammlung, schon heute haben SAPs Aktionäre Dampf abgelassen. Sie stören sich am Aktienkurs, an teuren Personalwechseln - und am Alter des Aufsichtsratsvorsitzenden.

  • Ebenfalls am Mittwoch wollte eigentlich der Online-Autohändler Mein Auto an die Börse gehen. Eigentlich - denn den IPO haben die Oberhachinger jetzt kurzfristig um unbestimmte Zeit verschoben. Man hoffe auf ein besseres Marktumfeld.

  • Thyssenkrupp hat heute nach einem besser als erwartet ausgefallen Quartal seine Prognose erhöht - und beim schon länger diskutierten Verkauf seiner Stahlsparte um Geduld gebeten. Sie als unsere treuen Leserinnen und Leser wissen: Im laufenden Jahr wäre ohnehin nicht mit einem Verkauf zu rechnen gewesen, das mögliche Spin-off ist einfach zu komplex. Ob der Aktualität möchte ich Ihnen erneut die große Analyse meines Kollegen Thomas Werres  ans Herz legen, die die Hintergründe des erhofften Befreiungsschlags beleuchtet.

Die Köpfe des Tages

Inszenierte sich als Retter von Europas Stahlindustrie: Sanjeev Gupta

Inszenierte sich als Retter von Europas Stahlindustrie: Sanjeev Gupta

Foto: Nic Walker/Fairfax/Headpress/lai
  • Apropos Thyssenkrupp: Im Ringen um einen Stahl-Verkauf wäre die deutsche Industrieikone beinahe einem Hasardeur aufgesessen. Monatelang hatten die Deutschen mit Sanjeev Gupta verhandelt, einem britisch-indischen Unternehmer, der sich als Retter der europäischen Stahlindustrie inszenierte, dessen Eroberungsversuch aber schon von Beginn an skurrile Züge trug. Weil Gupta den Essenern in zentralen Punkten nicht entgegenkam, beendeten die die Gespräche – zurecht, wie sich nun zeigt. Wie Gupta Thyssenkrupp über den Tisch ziehen wollte - und warum er heute verzweifelt nach neuen Geldgebern sucht. 

  • Neue Geldgeber hat Peter Thiel bereits gefunden - in seinem Freundes- und Bekanntenkreis. Gemeinsam mit anderen prominenten Investoren steckt der Paypal-Gründer 10 Milliarden Dollar in eine Börse für Kryptowährungen. Der Name passt zur Krypto-Goldgräberstimmung dieser Tage: "Bullish Global".

Unsere Empfehlung für den Abend:

  • Und wo wir gerade bei Bullen sind: Der konservative Öl- und Rinderzüchterstaat Texas hat sich zum Sehnsuchtsort der digitalen Elite entwickelt. Apple, Tesla oder Oracle investieren Milliarden. Mein Kollege Philipp Alvares hat den Lone Star State jüngst besucht - und erklärt, warum die Konzerne dort etwas vorfinden, was in Kalifornien verloren ging. Zu Gast bei den Silicon Cowboys. 

Machen Sie etwas aus Ihrem Abend!

Herzlich, Ihr Lukas Schürmann