Lukas Schürmann

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit dem neuen Government Sachs

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Joe Bidens Blackrock-Connection, unzufriedenen VW-Managern und einem verschwunden geglaubten Milliardär.

Joe Bidens heutige Vereidigung als Präsident der Vereinigten Staaten ist auch ein Sieg für Larry Fink. Nicht nur, weil der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock ein großer Unterstützer von Bidens Demokratischer Partei ist: Künftig werden zudem einige Blackrock-Alumni maßgeblich den wirtschaftlichen Kurs der größten Volkswirtschaft der Welt mitgestalten.

Bidens Blackrock-Connection, die mein Kollege Christian Schütte im Detail nachzeichnet, bricht mit dem Kurs von verschiedenen seiner Amtsvorgänger. Donald Trump, aber auch Bill Clinton und George W. Bush setzten im Gegensatz zu POTUS Nummer 46 auf Mitarbeiter der Investmentbank Goldman Sachs, was der regierungsnahen Bank denn auch den Spitznamen "Government Sachs" einbrachte. Und nun? Black House? Whiterock? Für die neue Situation in Washington ist uns leider noch kein guter Neologismus eingefallen. Sollten Sie einen haben, mailen Sie ihn uns gern!

Gibt künftig den Wirtschaftskurs der USA vor: Blackrock-Alumnus Brian Deese (rechts), hier 2015 im Gespräch mit seinem künftigen Chef

Gibt künftig den Wirtschaftskurs der USA vor: Blackrock-Alumnus Brian Deese (rechts), hier 2015 im Gespräch mit seinem künftigen Chef

Foto: ZUMA Wire / imago images

Das war noch in Washington los

  • Im Gegensatz zu ihrem Vize Wally Adeyemo hat Joe Bidens designierte Finanzministerin Janet Yellen keinen Blackrock-Hintergrund. Wie ihr Chef will sie einige Entscheidungen Donald Trumps teilweise anpassen - und hat deshalb die Unternehmen und Reichen der USA nun schon mal auf Steuererhöhungen vorbereitet. Wie Biden und Yellen Amerikas Wirtschaft umbauen wollen, lesen Sie hier . Danach dürfte Ihnen klar sein: Yellen ist das ökonomische Mastermind der Regierung und an der Wall Street als gute Fee der Superrallye der 2010er Jahre in Erinnerung.

  • Apropos Trump: Der ist nun wirklich weg. Zum Abschluss hat er sich allerdings noch einmal in gewohnter Manier selbst gefeiert.

  • An den Weltbörsen ist der Wachwechsel gut angekommen. In Frankfurt und an der Wall Street stiegen die Kurse teils kräftig, MDax und SDax erreichten neue Bestmarken.

Die Wirtschaftsnews des Tages

  • Mit dem Joint Venture Ionity wollen Daimler, Volkswagen und BMW seit 2017 ein gemeinsames Ladesäulennetz für Elektroautos bauen. Zufrieden sind die Beteiligten, allen voran Volkswagen, damit allerdings nicht, wie mein Kollege Michael Freitag exklusiv berichtet. Die Ionity-Eigner sind bei Großinvestoren auf Geldsuche. Und die VW-Premium-Töchter Audi und Porsche arbeiten sogar an einem eigenen Netz .

  • Besser als beim heimischen Ladesäulenausbau läuft es für Volkswagen in China. Die Wirtschaft dort läuft wieder rund, entsprechend erwartet China-Statthalter Stephan Wöllenstein beträchtliches Wachstum: "Es gibt gute Gründe, dass sich die Volkswagen-Gruppe besser entwickeln kann als der Gesamtmarkt."

  • Douglas wächst online stärker als erwartet: Etwa ein Drittel des Jahresumsatzes, also rund eine Milliarde Euro, kamen über die digitalen Kanäle. Im stationären Handel will Chefin Tina Müller indes weitere Läden dichtmachen: 50 in Deutschland, 500 in Europa, wie meine Kollegin Angela Maier recherchiert hat. 2022 könnte es an die Börse gehen. 

  • Gute Unternehmenszahlen aus den USA: Der Videostreaming-Anbieter Netflix und die Großbank Morgan Stanley haben jeweils Rekorde vermeldet. Netflix kommt erstmals auf mehr als 200 Millionen Nutzer, Morgan Stanley wies den höchsten Jahresgewinn der Unternehmensgeschichte aus. Was beide eint: Sie zählen - aus unterschiedlichen Gründen - zu den Gewinnern der Corona-Pandemie.

Die Personalien des Tages

  • Er ist wieder da: Nachdem er im Oktober Chinas Führung in einer Rede scharf kritisiert hatte, war Alibaba-Gründer Jack Ma monatelang nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten. Spekulationen um seinen Verbleib und sein Wohlergehen machten die Runde. Nun hat sich Ma in einer Videobotschaft zurückgemeldet.

  • Und er ist weg: Thomas Blades, bislang Chef beim Chaoskonzern Bilfinger, hat am Dienstagabend mit sofortiger Wirkung sein Mandat als Vorstandsvorsitzender niedergelegt. Blades hatte Bilfinger seit 2016 massiv umgebaut; nun übernimmt interimsweise CFO Christina Johansson.

Meine Empfehlung für den Abend:

Gestatten: Tschikko! Cover-Held beim Harvard Business manager

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Foto: Julia Marie Werner
  • Schon mal in Ihrer Karriere folgende Sätze gehört? "Ihnen fehlen einfach wichtige Führungsqualitäten" oder "Sie brauchen mehr natürliche Autorität". Oft kommen sie von genervten Führungskräften. Was genau diese damit meinen, können sie aber häufig gar nicht sagen. Tatsächlich geht es dabei oft um Führungsstil. Bei jedem Austausch mit anderen übermitteln wir "soziale Marker" – Signale über unsere Durchsetzungsstärke und unseren Status. Je einheitlicher wir unsere Signale einsetzen, desto ausgeprägter ist unser Stil. In diesem Artikel, der gleichzeitig die Titelgeschichte des aktuellen Harvard Business managers ist , erhalten Sie einen praktischen Leitfaden, wie Sie einen dynamischen und effektiven Führungsstil entwickeln. Sie lernen, welche Lautstärke und welches Tempo sich für Ihre Sprechweise eignen und warum es nicht immer eine gute Idee ist, sich in einem Meeting Notizen zu machen.

Machen Sie etwas aus Ihrem Abend!

Herzlich, Ihr Lukas Schürmann

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