Christoph Rottwilm

Der Tag im Überblick Skill statt Drill

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit moderner Kindererziehung, anziehenden Einfuhrpreisen und einem Wiedereinzug ins Büro voller Überraschungen.

Die Sommerferien sind vielerorts schon beendet, in etlichen Bundesländern startet kommende Woche die Schule – ein guter Anlass, sich einmal anzuschauen, wie Deutschlands Wirtschaftselite es heutzutage mit der Erziehung und Bildung ihres Nachwuchses hält. Die Frage ließ sich früher recht standardisiert beantworten: Jahrzehntelang verbrachten die Manager- und Unternehmersprösslinge ihre Schulzeit in Kaderschmieden und Internaten und die Freizeit in Tennis- oder Hockeyclubs sowie an Klavier und Geige. Bloß keinen Leerlauf, keinen Raum für Muße oder gar Langeweile, lieber noch Chinesisch lernen, das war die Devise.

Meine Kolleginnen Sonja Banze und Gisela Maria Freisinger haben mit Müttern und Vätern aus Deutschlands junger Elite gesprochen, mit Unternehmern, Managerinnen, Wagniskapitalgebern und Start-up-Gründerinnen. Ergebnis: Auf Drill setzt offenbar nur noch wenige, eher schon auf Skill. Kooperationsfähigkeit, Kreativität, emotionale und soziale Kompetenz – das sind die Fähigkeiten, die Deutschlands junge Wirtschaftsavantgarde ihren Töchtern und Söhnen beibringen will, viel dringender offenbar als die zweite oder dritte Fremdsprache oder möglichst frühe Kenntnisse im Programmieren. Auch Eliteschulen sind nach Ansicht moderner Führungskräfte nicht mehr der richtige Ort für die Vorbereitung aufs Leben – eher das Gymnasium um die Ecke. Nachzulesen in diesem Report voller Fälle aus dem prallen Leben, der gleichzeitig die Titelgeschichte des aktuellen manager magazins ist: Wie die junge Unternehmerelite ihre Kinder erzieht 

Eigene Wege gehen: Flixbus-Mitgründer Daniel Krauss will seinen Sohn Henry nicht auf eine Eliteschule schicken

Eigene Wege gehen: Flixbus-Mitgründer Daniel Krauss will seinen Sohn Henry nicht auf eine Eliteschule schicken

Foto:

Sebastian Lock für manager magazin

Deutschlands Tech-Stars zum Zuhören:

  • Wir haben eine neue Podcast-Reihe, die einige der spannendsten Köpfe der jungen deutschen Wirtschaft in den Mittelpunkt rückt. Meine Kollegin Christina Kyriasoglou und Kollege Mark Böschen sprechen mit ausgewählten Entscheidern der deutschen Digitalelite. Los geht es heute mit Christian Hardenberg, Technologiechef von Delivery Hero, der uns erklärt, wie der Dax-Lieferdienst zum "Amazon in schnell" werden will - und warum er noch immer so viel Geld verbrennt. Weitere Podcasts gibt es in den kommenden Wochen beispielsweise mit Bastian Nominacher vom Software-Start-up Celonis oder Julian Teicke, Gründer und Chef des Berliner Insurtechs Wefox. Hören Sie rein: Deutschlands digitale Hoffnungsträger

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Die Cum-ex-Affäre - eine schier unendliche Geschichte, und unermüdlich recherchiert und erzählt von meinen Kollegen Oliver Hollenstein und Oliver Schröm. Die beiden sind jetzt auf ein Papier gestoßen, das im Hamburger Rathaus momentan für ziemliche Aufregung sorgt. Denn es wirft ein neues Licht auf die Frage, ob die Politik in der Affäre womöglich Einfluss auf die Finanzverwaltung genommen hat - und es bringt damit nicht nur Hamburgs früheren Finanzsenator und heutigen Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher in Bedrängnis, sondern auch den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz: Peter Tschentscher und die gefährlichen Vermerke 

  • Apropos Cum-ex, da gibt es auch noch den Steueranwalt Hanno Berger, einen der geistigen Väter und Strippenzieher des milliardenschweren Schwindels. Berger hatte sich in die Schweiz abgesetzt und war dort verhaftet worden. Jetzt wollen die Eidgenossen den 70-Jährigen nach Deutschland ausliefern.

  • Brauchen wir eine staatliche Förderung für Lastenfahrräder? Auf den Gedanken wäre - außerhalb der Fahrradbranche - wohl kaum jemand gekommen, hätten nicht die Grünen diesen kontroversen Vorschlag im Bundestagswahlkampf gemacht. Seither ist eine heiße Debatte entbrannt. Um die Frage beantworten zu können, muss man allerdings den Markt für Lastenräder zunächst mal kennen, sowie all jene, die dort bereits agieren oder dies demnächst noch tun wollen. Mein Kollege Arvid Kaiser stellt ihnen die Branche vor.

Diese Woche im "Economist":

  • Apple ist das wertvollste Unternehmen der Welt, und das vergangene Jahrzehnt verlief überaus erfolgreich. Zum zehnjährigen Jubiläum als CEO steht Tim Cook nun vor drei großen Herausforderungen - die Kollegen vom "Economist" stellen sie Ihnen vor. 

  • Ein Ausflug in die Agrarwirtschaft: Seit Jahrhunderten wuchs dort die Produktivität, doch nun wird sie durch die Klimaerwärmung gebremst. Während die wohlhabenden Gesellschaften sogar profitieren könnten, dürften ärmere, exportabhängige Länder leiden. Was also tun? Auch darauf finden Sie eine Antwort im neuen "Economist". 

Meine Empfehlung für den Abend:

Hallo, ich bin neu hier - hallo, ich auch: Die Rückkehr ins Büro bringt manche Überraschung mit sich

Hallo, ich bin neu hier - hallo, ich auch: Die Rückkehr ins Büro bringt manche Überraschung mit sich

Foto: pixelfit / Getty Images
  • Wenn viele Beschäftigte jetzt nach zum Großteil mehr als einem Jahr Corona-bedingten Homeoffices wieder ins Büro zurückkehren, erleben sie womöglich ein paar Überraschungen: Wo ist mein Schreibtisch hin? Wo mein Stuhl? Und wer sind eigentlich all diese Leute, die ich noch nie zuvor gesehen habe? Die Corona-Krise war lang, es gab zwischenzeitig viele Veränderungen, auch Personalabgänge und Neueinstellungen. Da fühlt sich manch einer bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz vielleicht wie ein Neuling, selbst, wenn er oder sie bereits seit Jahren bei der Firma beschäftigt ist. Die Situation stellt auch Anforderungen an Führungskräfte, und Liz Fosslien, Buchautorin und Teamexpertin, hat für den Harvard Business manager analysiert, welche das sind. Ein Stück, in dem sich viele wiederfinden werden: Zusammenarbeit neu lernen - warum wir nach Corona alle ein Onboarding brauchen 

  • Mehr Geld, ein großes Eckbüro, Dienstwagen, schmucker Titel – das war einmal. Viele Nachwuchskräfte lassen sich damit schon lange nicht mehr anlocken. Die Kollegen vom Harvard Business manager laden zum digitalen Austausch ein: Was macht eine erfolgreiche Karriere heute aus? Und wie finde ich meinen persönlichen Weg? Die Veranstaltung findet am Dienstag, 31. August, online statt, hier können Sie sich kostenlos anmelden.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.