Corinna Scheying

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit einem Risikofall im Leitindex

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Geldverbrenner Delivery Hero, dem Abschied von Karstadt und Kaufhof sowie dem Duell um die Führung von RTL und Gruner + Jahr.

Im Markt der Lieferdienste kämpfen einige der wildesten Digitalunternehmen der Welt um Anteile. Mittendrin mischt ein Dax-Unternehmen mit, das so gar nicht dem treudeutschen Geschäftsmodell des langsamen Aufstiegs und redlichen Nährens entspricht. Delivery Hero funktioniert noch immer nach den Regeln eines Start-ups, wird gefüttert mit Risikokapital, wächst rasant und verbrennt Milliarden. Die Firma hat nicht nur noch nie Geld verdient – sie hat nicht einmal die Absicht, dies zu ändern.

Ihr CEO Niklas Östberg verdiente im vergangenen Jahr trotzdem rund 37 Millionen Euro mehr als der Schnitt seiner Chefkollegen im Dax. Seine Investoren schien das bisher weniger zu stören, für die meisten von ihnen zählt vor allem, dass er den Umsatz jedes Jahr fast verdoppelte. Ob es überhaupt jemals eine realistische Chance auf Gewinne gibt oder sich Delivery Hero mit dem Angriff in immer mehr Ländern verzettelt, ist ungewiss. Jonas Rest hat in Innere des Raubtierkonzerns geblickt: Delivery Hero – der größte Risikofall im Dax .

Will Wachstum um jeden Preis: Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg

Will Wachstum um jeden Preis: Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg

Foto: Andreas Pein / laif

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Die traditionsreichen Namen Karstadt und Kaufhof dürften bald Geschichte sein. Deutschlands größter Warenhauskonzern, der im Januar 2020 zu Galeria Karstadt Kaufhof verschmolzen war, plant den Neustart unter der gemeinsamen Marke Galeria. Der neue Chef Miguell Müllenbach will den Konzern strategisch "komplett neu aufstellen". Rund 600 Millionen Euro soll der Wandel kosten, viel davon soll in die Modernisierung und den teilweisen Komplettumbau der Warenhäuser fließen.

  • Die Fusion der beiden Dax-Konzerne Vonovia und Deutsche Wohnen zu Europas größtem Immobilienkonzernen ist endgültig gescheitert. Vonovia-Chef Rolf Buch macht dafür Hedgefonds und passive Investoren verantwortlich – will aber die Hoffnung auf ein "Happy End" noch nicht gänzlich aufgeben.

  • Holz, Stahl, Glas – die Knappheit dieser Rohstoffe macht den Hausbau derzeit um über 30 Prozent teurer, schätzt Peter Adrian, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Bei welchen Materialien Endverbraucher den Preisanstieg besonders spüren und welche Entwicklung zu erwarten ist, zeigen wir im Überblick.

  • Am späten Abend wird Tesla seine Zahlen für das zweite Quartal veröffentlichen und damit den Berichtsreigen der großen US-Firmen starten. Analysten rechnen mit einem Umsatzrekord. Was nicht bedeutet, dass bei Tesla alles rund läuft. Ein paar kritische Nachfragen dürften Firmenchef Elon Musk wohl erwarten. Das sind die vier wichtigsten Fragen zu den Quartalszahlen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Träumt vom Karrieresprung: G+J-Chef Stephan Schäfer

Träumt vom Karrieresprung: G+J-Chef Stephan Schäfer

Foto:

Marina Rosa Weigl / MG RTL D

  • Im Medienreich Bertelsmann bahnt sich eine Fusion an. Der TV-Sender RTL soll sich den Traditionsverlag Gruner + Jahr einverleiben, der bekanntlich auch an unserem Verlag beteiligt ist. Noch ist offen, wer das neue Konstrukt zusammenführen soll. G+J-Chef Stephan Schäfer würde gern neuer Anführer werden - aber ein anderer auch. 

  • Endlich wieder reisen, shoppen, ausgehen – die Menschen genießen den Wegfall vieler Corona-Beschränkungen. Kommt jetzt der große Freizeit- und Konsumrausch oder bleiben die Deutschen vorsichtig? Darüber haben wir mit Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt gesprochen. Er erklärt, wie die Pandemie unser Freizeitverhalten verändert und welche Branchen sich Sorgen machen müssen.

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Unternehmen stehen immer wieder vor Reputationsrisiken, wenn schlechte oder gar ausbeuterische Arbeitsbedingungen in ihrer Lieferkette ans Licht kommen. Daher geben viele Unternehmen ihren Zulieferern einen Verhaltenskodex mit sozialen Mindeststandards vor. Hilft das wirklich, unethische Lieferanten zu erkennen? Wie Sie herausfinden, welche Partner Sie meiden, halten oder fallen lassen sollten, erfahren Sie in diesem Leitfaden. 

Herzlich, Ihre Corinna Scheying

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