Lukas Heiny

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit Großwild in Berlin

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dabei: die Schlacht der Lieferdienste, die grassierende Inflationsangst, lauter überraschende Kehrtwenden und eine Legende, die bleiben will.

Berlin war immer schon ein Pflaster der großen Tiere. Im übertragenen Sinne natürlich, aber – angesichts des ältesten Zoos Deutschlands – auch wortwörtlich. Jetzt werden wir auch außerhalb der Gehege Zeuge eines ausgewachsenen Revierkampfs: Gorillas und Pandas streiten um die Vorherrschaft auf den Straßen der Hauptstadt.

Das Start-up Gorillas liefert seit Längerem schon online bestellte Supermarktprodukte zur Kundschaft nach Hause. Keinesfalls profitabel zwar, aber tierisch wachsend (Geschäftsmodell und Strategie stellen wir Ihnen hier vor ). Unter dem Namen Foodpanda steigt nun auch der Dax-Konzern Delivery Hero in das Geschäft ein. Zeitgleich startete an diesem Mittwoch Uber Eats in Berlin – und Lieferdienst-Marktführer Lieferando kündigte an, ebenfalls bald im Supermarktsegment mitzumischen. Etwas martialisch haben wir getitelt: Schlacht um den deutschen Liefermarkt.

Bemerkenswert an der Nachricht ist noch etwas: Delivery Hero hatte sich ja erst vor zweieinhalb Jahren vom deutschen Markt zurückgezogen - und kehrt nun als Foodpanda in die Heimat zurück. Hauptsache wir müssen bald nicht die nächste martialische Headline schreiben: Friedhof der Kuscheltiere.

Platzhirsch: Das Start-up Gorillas hat sich mit seinen Fahrerinnen und Fahrer schon in Berlin breit gemacht, nun folgt die Konkurrenz.

Platzhirsch: Das Start-up Gorillas hat sich mit seinen Fahrerinnen und Fahrer schon in Berlin breit gemacht, nun folgt die Konkurrenz.

Foto: PR

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages:

  • Neben Delivery Hero konnten wir an diesem Mittwoch noch weitere überraschende Wenden beobachten: Womit wir bei Softbank wären. Das japanische Unternehmen machte in den vergangenen Jahren vor allem durch spektakuläre (und nicht immer gelungene) Investitionen im Tech-Sektor auf sich aufmerksam. Jetzt präsentierte Chef Masayoshi Son den höchsten Gewinn, den jemals ein japanisches Unternehmen erzielt hat.

  • Überraschend auch die Performance der Commerzbank: Wider Erwarten und mitten im schmerzhaften Um- und Abbauprozess konnte Finanzchefin Bettina Orlopp einen Gewinn für das abgelaufene Quartal präsentieren.

  • Bei den Angreifern von N26, die ein Grund für die Misere der etablierten Banken sind (wenn auch keinesfalls der einzige), spitzen sich die Dinge derweil zu. Die Finanzaufseher der Bafin hatten zuletzt den Druck auf das Fintech erhöht, auch deshalb hatte N26 vor Kurzem eine neue Führung bekommen, wie wir Ihnen bereits berichtet hatten. Nun schickt die Bafin einen Sonderaufpasser. 

  • Dass die Tui trotz der staatlichen Rettungsmilliarden womöglich ein Problem hat, haben wir neulich für Sie analysiert. Unser Titel: Tui wird zum Milliardengrab.  An diesem Mittwoch nun stellte Konzernchef Fritz Joussen die Horrorzahlen der Saison vor - und hofft auf einen Neustart des Tourismusgeschäfts im Sommer.

Das Wichtigste von den Finanzmärkten:

  • Zentrales Thema ist die Inflation. Sorgen über Preissteigerungen machen seit Wochen an den Finanzmärkten die Runde. Das Statistische Bundesamt errechnete jetzt für April in Deutschland eine Inflationsrate von 2,0 Prozent – so hoch war sie seit zwei Jahren nicht.

  • Die 2,0 sind aber nix gegen die 4,2 Prozent in den USA. Gerät die Inflation in den USA aus dem Ruder?

  • Eine Preisrallye spielt sich auch im europäischen Emissionshandel ab. 50 Euro für eine Tonne CO2 werden inzwischen fällig, womit die rasant steigenden Börsenpreise schon da sind, wo die Politik erst in ein paar Jahren hin will. Die Industrie ächzt, doch dem Klimaschutz hilft das kaum.

  • Außerdem möchte ich Sie auf ein womöglich spannendes Investitionsthema aufmerksam machen: Afrika. Länder wie Kenia, Elfenbeinküste und Ruanda dürften nach der Corona-Krise stabil wachsen. Langfristig orientierte Anleger können von davon profitieren – wir zeigen Ihnen die Chancen und Risiken. 

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Pferdeflüsterer: Der frühere Telekom-Vorstand Niek Jan von Damme

Pferdeflüsterer: Der frühere Telekom-Vorstand Niek Jan von Damme

Foto:

Jann Höfer für manager magazin

  • Die Deutsche Telekom hat heute ebenfalls Zahlen vorgelegt. Ziemlich gute sogar, vor allem wegen des starken US-Geschäfts. Ein guter Tag, um sich um einen zu kümmern, den bei der Telekom bis heute fast alle als einen der beliebtesten Vorgesetzten überhaupt in Erinnerung haben: Niek Jan von Damme. Was er heute macht? Lesen Sie hier.

  • Hasso Plattner, 77 und Legende, hat noch lange nicht genug. Auf der heutigen Hauptversammlung kündigte der Mitgründer und Großaktionär von SAP an, 2022 ein weiteres (und letztes) Mal zur Wiederwahl als Aufsichtsratschef kandidieren zu wollen. Das passt längst nicht allen Aktionären von Deutschlands wertvollstem Konzern.

Was für Ihre Karriere hilfreich sein könnte:

Und meine Empfehlung für den Abend...

  • .... ist die große Analyse meines Kollegen Philipp Alvares über die Karriereplattform Linkedin. Die Microsoft-Tochter wächst und wächst. Deutschland gilt zwar intern noch immer wie ein gallisches Dorf, weil hier Marktführer Xing noch größer ist. Aber auch bei uns führt an dem Netzwerk beruflich wenig vorbei. Linkedin ist zur wichtigsten Digitalplattform der Wirtschaft avanciert – was sich der IT-Riese fürstlich bezahlen lässt. 

Herzlich, Ihr Lukas Heiny