Corinna Scheying

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit Besserverdienerinnen und mRNA-1273

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit den Gehältern der Dax-Vorständinnen, Donald Trumps Liebling und einem heimlichen Karriereboost.

Es klingt nach einer Zeitenwende: Frauen in den Topetagen börsennotierter deutscher Firmen haben 2019 im Schnitt mehr verdient als die männlichen Vorstandskollegen. Und das erstmals in allen drei Börsenindizes der Dax-Familie, wie eine Studie von EY ergeben hat. Ist das das Ende der Gender Pay Gap? Oder hat die sich gar umgedreht?

In den 30 Dax-Konzernen haben die Vorständinnen im Jahresschnitt etwa 2,93 Millionen Euro und damit im Mittel rund 30.000 Euro mehr als die männlichen Topmanager verdient. Bei den 60 Firmen im MDax lag das Jahresgehalt mit 1,44 Millionen Euro sogar um etwa 115.000 Euro höher.

Belen Garijo: Die künftige Chefin von Merck ist die bestverdienende Managerin im Dax

Belen Garijo: Die künftige Chefin von Merck ist die bestverdienende Managerin im Dax

Foto: Markus Scholz / dpa

Das Erfreuliche daran: eine finanzielle Schlechterstellung der Frauen existiert in den untersuchten Vorstandsetagen also tatsächlich nicht mehr. Geschlossen ist die Gender-Kluft damit aber noch lange nicht. Im Dax waren 2019 überhaupt nur gut 12 Prozent aller Vorstandsmitglieder weiblich, im MDax waren es 7 Prozent und der SDax konnte sogar nur 5 Prozent Frauen als Vorstände vorweisen. Dass die Unternehmen selbst nach mehr Parität in den Führungsgremien streben, nennt EY immerhin als wichtigen Grund für die bessere Bezahlung der Frauen: Da Kandidatinnen knapp seien, erhöhe sich ihr Marktwert und damit auch ihr Salär.

Die Wirtschaft und das Coronavirus:

Revolutionär: Moderna-Gründer Stéphane Bancel

Revolutionär: Moderna-Gründer Stéphane Bancel

Foto: Adam Glanzman/Bloomberg
  • Neue Woche, neues Glück: Nachdem am vergangenen Montag schon BioNTech und Pfizer (und später auch die russischen Forscher zu ihrem Sputnik-Projekt) extrem gute Zwischenergebnisse ihrer Corona-Impfstoffstudie vorgelegt hatten, kam nun US-Konkurrent Moderna. Die US-Firma hat ebenfalls beeindruckende Daten veröffentlicht. Die Wirksamkeit ihres Serums mRNA-1273 liegt mit 94,5 Prozent offenbar noch etwas höher als bei den Mainzern und den Russen. Das Start-up hatte insgesamt fast 2,5 Milliarden Dollar von der US-Regierung erhalten, um so weit zu kommen. Wie Moderna-Chef Stéphane Bancel den Impfstoff entwickelte (Spoiler: offensiv, laut und brachial), hat mein Kollege Dietmar Palan aufgeschrieben: Donald Trumps Liebling. 

  • Die neuen Studienergebnisse beflügelten heute auch die Aktienmärkte. Der Dax nähert sich seinem Rekordhoch und der Dow Jones könnte erstmals in seiner Geschichte die Marke von 30.000 Punkten knacken.

  • Und je mehr Impfstoffe kurz vor der Zulassung stehen, desto stärker richtet sich der Blick auf logistische Fragen: Ganz besonders hoch flog zuletzt daher der Aktienkurs des Thermoboxen-Hersteller Va-Q-Tec: Nachdem bekannt wurde, dass der Corona-Impfstoff von BioNTech auf minus 70 Grad gekühlt transportiert werden muss, wurde der Logistiker als potenzieller Profiteur einer weltweiten Impfkampagne gehandelt. Der Höhenflug endete heute abrupt als bekannt wurde, dass der Impfstoff von Moderna keine ultrakalte Lagerung benötigt. Wie sich die Logistikbranche sonst vorbereitet, lesen Sie hier: "Die Mission des Jahrhunderts"

  • Trotz aller Hoffnungszeichen wird die Pandemie noch andauern: BioNTech-Chef Uğur Şahin rechnet mit einer Rückkehr zur Normalität in etwa einem Jahr - sofern denn bis dahin eine hohe Impfquote erreicht wird. Auch die Bundesregierung will die Corona-Maßnahmen einstweilen noch weiter verschärfen.

  • Für einen Blick auf die wirtschaftlichen Herausforderungen des Nach-Corona-Zeitalters ist es dennoch nicht zu früh, meint unser Kolumnist Henrik Müller. Warum wir schon jetzt die Themen Migration, Innovation und Umbau des Sozialstaates auf die Agenda heben sollten, lesen Sie hier.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Im Juli hatte Volkswagen-Chef Herbert Diess Christian Senger aus dem Vorstand geworfen. Nun hat der Konzern einen neuen Job für den ehemaligen Softwarechef gefunden. Der 46-Jährige leitet ab sofort die Entwicklung des autonomen Fahrens der VW-Transportersparte und sei damit auch für Mobilitäts- und Transportdienste zuständig. 

  • Das Bundeskartellamt bremst einen der größten Handels-Deals der vergangenen Jahre aus: Kaufland darf die Filialen von Real nicht einfach so übernehmen. Die Zerschlagung der Supermarktkette Real verzögert sich damit.

  • Ein halbes Jahr nach seinem historischen Jungfernflug ist Elon Musks SpaceX-Raumschiff "Crew Dragon" zum ersten Mal für eine reguläre Mission ins Weltall gestartet. Die Kapsel soll vier Astronauten zur Raumstation ISS bringen - und Allflüge aus den USA wieder zur Normalität werden lassen. Den Raketenstart sehen Sie im Video.

  • Und weil sich am Dienstag Politik und Autoindustrie zum neuerlichen Gipfel treffen, hier ein Vorausblick. E-Prämien sind schön und gut, die Industrie hätte sie gern für viele weitere Jahre. Doch mit der Ladeinfrastruktur hapert es, weswegen auch hier der Staat einspringen soll. In den USA derweil macht - mal wieder - Tesla vor, wie es geht.

Meine Empfehlung für den Abend:

Herzlich, Ihre Corinna Scheying