Eva Buchhorn

Der Freitag im Überblick Delivery Hero am Boden

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Deal in der Krypto-Szene, mehr Elektroautos bei Stellantis und einer smarten Staranwältin

Martin Daum, CEO von Daimler Trucks, ist ein Manager der klassischen deutschen Industrie. Fast sein gesamtes Berufsleben hat er bei dem Stuttgarter Autobauer verbracht, dem Hype um Internet-Startups kann er wenig abgewinnen.

Ausgerechnet dem Manager mit dem auf den ersten Blick altmodischen Lastergeschäft könnte es nun beschieden sein, eins der meistbewunderten Internetunternehmen aus dem Dax zu drängen: Die Rede ist von Delivery Hero. Wegen schwacher Prognosen hat der von Niklas Östberg geführte Lieferdienst schon gestern ein Drittel seines Wertes verloren. Heute setzte sich der Absturz fort. Die Aktie fiel noch einmal um 13 Prozent. Die Anleger fliehen in Scharen, weil sie nicht länger daran glauben, dass Delivery Hero mit seinen ausufernden Expansionsplänen jemals Geld verdienen wird.

Pendelt sich der Kurs der frei handelbaren Aktien bis März nicht wieder oberhalb der sieben Milliarden-Euro-Marke ein, muss Delivery Hero den Dax verlassen. Und hier kommt wieder Martin Daum ins Spiel. Der Nachfolger für Delivery Hero hieße – Daimler Trucks. Per Fast Entry könnte die ehemalige Daimler-Sparte schon ein Vierteljahr nach ihrem Börsengang in den deutschen Leitindex aufsteigen.

Läuft nicht mehr: Ein Foodora-Fahrer posiert vor der Zentrale von Delivery Hero in Berlin

Läuft nicht mehr: Ein Foodora-Fahrer posiert vor der Zentrale von Delivery Hero in Berlin

Foto: Fabrizio Bensch/ REUTERS

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Krypto-Deal in der Medienwelt: Binance, die nach Handelsvolumen größte Kryptowährungsbörse der Welt, steigt beim renommierten US-Businessmagazin "Forbes" ein. "Forbes" ist auf dem Weg an die Börse, Binance wird mit einem 200-Millionen-Dollar-Investment zweitgrößter Anteilseigner. So hofft "Forbes" auf zusätzliche Tech-Power bei seiner Digitalisierung und Binance auf den Zugang zu Millionen neuen Nutzern. Kritiker halten Interessenkonflikte nicht für ausgeschlossen.

  • BASF plant Joint Venture in China: Der Chemiekonzern BASF und das Technologieunternehmen Heraeus wollen in China ein Gemeinschaftsunternehmen für die Rückgewinnung von Edelmetallen aus Fahrzeugkatalysatoren gründen. Beide Partner wollen je die Hälfte der Anteile halten und rund 66 Milliarden Euro in die Fabrik in der Nähe von Shanghai investieren. Ziel ist die Wiederverwertung von Platin-Metallen, die unter anderem in der grünen Wasserstoffindustrie benötigt werden.

  • Opel goes Elektro: Der Autohersteller Opel macht Ernst mit dem umweltfreundlichen Umbau seiner Produktpalette. Die Stellantis-Tochter kündigte heute an, in Europa ab dem Jahr 2028 keine Verbrenner mehr zu verkaufen. Bereits ab 2024 soll jedes Modell auch mit E-Motor angeboten werden.

  • Inflation bleibt hoch: Hohe Energiekosten haben auch im Januar in Deutschland das Preisniveau getrieben. Die Inflationsrate sank daher weniger stark als von Experten erhofft. Insgesamt legten die Verbraucherpreise zu Jahresbeginn um 4,9 Prozent zu. Im Dezember hatte die Teuerungsrate bei 5,3 Prozent gelegen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Das Milliardengeschäft rund um den Fußball war lange Zeit ein Hort der Stabilität. Doch damit ist es vorbei – das Produkt Bundesliga verödet, junge Zuschauer wenden sich ab. Neue Konkurrenten greifen den Traditionsvermarkter Deutsche Fußball Liga an. Wie es dazu kommen konnte, dass ein Quasi-Monopol auf die Gunst der Sportinteressierten ins Wanken kam und was die neue DFL-Chefin Donata Hopfen jetzt dagegen tun muss, analysieren unsere Kollegen Christoph Nesshöver und Martin Noé in der heutigen Folge unseres Podcasts "Das Thema".

Unser aktueller Vorschlag aus dem Economist:

  • Die Bewertungen am Aktienmarkt sind so hoch wie lange nicht mehr. Doch nun kommen Zinserhöhungen und ein Ende des billigen Geldes in Sicht. Wie wird sich das auf die Aktienmärkte auswirken? Und wie wird das Finanzsystem reagieren, dass immer stärker von Hochfrequenzhändlern dominiert wird? Das sind Fragen, die sich die Kollegen vom Economist gestellt haben. Ihre Analyse "Die Angst vor dem Crash" finden Sie hier .

Smarte Selbstoptimiererin: Anwältin Anahita Thoms

Smarte Selbstoptimiererin: Anwältin Anahita Thoms

Foto: Marcus Simaitis für manager magazin

Unsere Empfehlung für den Abend:

  • Wer die Inszenierung der Anwältin Anahita Thoms in den sozialen Medien verfolgt, könnte sich nahezu geblendet fühlen von ihrer Perfektion. Die 41-jährige Partnerin der Großkanzlei Baker McKenzie lebt ein Leben in Übergröße: einen Mix aus juristischer Expertise, sozialem Engagement, Upperclass-Connections und kosmopolitischem Privatleben. Unsere Kollegin Sonja Banze hat die Tochter iranischer Exilanten getroffen, die heute als Ehefrau des deutschen Botschafters in Brasilien lebt, zwei Kinder großzieht und weiter in Vollzeit für ihre Mandanten arbeitet – am Standort Düsseldorf, wohlgemerkt. Wie schafft sie das alles, und vor allem: Warum tut sie sich das an? Ihre Energie, sagt Thoms, müsse einfach irgendwo hin. Kollegin Banze hat ihre eigene Energie nach dem Gespräch sofort in eine lesenswerte Geschichte gesteckt: Das Porträt einer smarten Selbstoptimiererin , die sich jeden Tag freiwillig in den Stresstest nimmt.

Herzliche Grüße und einen entspannten Abend, Ihre Eva Buchhorn