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Marleen Gründel

Der Mittwoch im Überblick Ein Politthriller in Hamburg und ein Preiscrash auf Sylt

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem entlarvenden Protokoll, einem endenden Preisboom und einem machthungrigen Medienmanager.

Ein sich widersprechender Regierungschef, eine offensichtlich gezielte Löschung von E-Mails und Spitzenbeamte, die die Aufklärungsarbeit der Ermittler behindern: Man könnte meinen, dies seien die Zutaten für den neuesten Politthriller auf der Bestseller-Liste. Doch leider sind es die neuesten Details in der Hamburger Cum-ex-Affäre um die Privatbank Warburg, bei der die zuständige Steuerverwaltung trotz staatsanwaltlicher Ermittlungen und erheblicher Indizien darauf verzichtet hatte, millionenschwere Steuerschulden von der Bank einzutreiben.

Rund zwei Jahre nach einer vertraulichen Sitzung des Finanzausschusses im Bundestag zu dieser Affäre ist es unseren Kollegen Oliver Hollenstein und Oliver Schröm gelungen, Kenntnis vom Inhalt des streng geheimen Protokolls zu bekommen. In der Sitzung berichtete der damalige Finanzminister und heutige Bundeskanzler Olaf Scholz von einem Treffen mit dem ehemaligen Warburg-Chef Christian Olearius im Jahr 2017, bei dem er sich "lediglich die Sicht der Dinge von Olearius angehört" habe. Öffentlich sagte er dagegen damals, er erinnere sich an gar nichts mehr im Zusammenhang mit dem Fall Warburg. Offensichtlich kann nur eine der beiden Varianten wahr sein.

Doch damit nicht genug: Laut den neuesten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Köln deutet vieles darauf hin, dass Beamte der Hamburger Finanzverwaltung E-Mails in dieser Sache "gezielt" gelöscht hätten. Und im Postfach von Jeanette Schwamberger, der Leiterin von Scholz' Büro und einer der engsten Vertrauten des derzeitigen Bundeskanzlers, fanden die Ermittler weitere Ungereimtheiten.

Nachdem sich Scholz gestern noch über die Nachricht freuen konnte, dass die Generalstaatsanwaltschaft Hamburg eine Beschwerde gegen den Verzicht auf Ermittlungen gegen ihn abgewiesen hat, spitzt sich die Lage für den SPD-Politiker kurz vor der zweiten Befragung im Cum-ex-Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft an diesem Freitag mit unserem Bericht nun wieder zu. Lesen Sie die ganze spannende Geschichte hier: "Der Kanzler und das entlarvende Protokoll ".

Immer mehr Details kommen ans Licht: Für Bundeskanzler Olaf Scholz könnte die Cum-ex-Affäre noch zum Verhängnis werden

Immer mehr Details kommen ans Licht: Für Bundeskanzler Olaf Scholz könnte die Cum-ex-Affäre noch zum Verhängnis werden

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Uniper berichtet Milliardenverlust: Wie stark Deutschlands größter Gasimporteur unter der anhaltenden Lieferreduktion aus Russland leidet, wurde heute bei der Veröffentlichung der Halbjahresbilanz deutlich. Uniper muss ein sattes Minus von zwölf Milliarden Euro für die ersten sechs Monate des Jahres verbuchen. Und der Ausblick bleibt trüb.

  • Formel 1 macht Weg für Porsche und Audi frei: Nach einer monatelangen Hängepartie hat der Automobil-Weltverband FIA neue Regeln für die Formel-1-Motoren beschlossen. Damit ermöglicht er den Autoherstellern Audi und Porsche den Einstieg in das Motorsport-Rennen. Die beiden VW-Marken hatten zuvor gefordert, dass die bei der Formel 1 eingesetzten Motoren günstiger und nachhaltiger werden sollen.

Die Personalie des Tages:

  • Rabe schasst Schäfer: Der Luxemburger Medienkonzern RTL Group und Stephan Schäfer gehen nach nur einem Jahr wieder getrennte Wege. Der bisherige Co-Chef von RTL Deutschland hatte den Posten nach der Fusion des Hamburger Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr mit der deutschen TV-Sendergruppe erst im September 2021 übernommen. Konzernvorsteher Thomas Rabe begründete den Schritt mit "einigen großen Herausforderungen, vor denen RTL steht". Er selbst allerdings auch, schließlich übernimmt er den Job von Schäfer nun ebenfalls – als hätte er mit der Führung der RTL Group, von Bertelsmann, und den Problemen bei Deutschlands größtem Medienkonzern nicht schon genug zu tun.

Das Neueste aus dem Harvard Business manager:

  • Produktivere Meetings: Schon die ersten zwei Minuten einer Besprechung sind entscheidend dafür, wie effizient die Zusammenkunft mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sein kann. Effizienz-Beraterin Liane Davey gibt sechs konkrete Tipps , auf was Sie als Führungskraft achten sollten, um die Produktivität Ihrer Meetings zu steigern.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Das niedrige Wasser im Rhein: Seit Wochen bereiten die niedrigen Pegelstände auf Deutschlands wichtigster Wasserstraße den Binnenschiffern und den auf sie angewiesenen Unternehmen Probleme. Heute ist sogar ein Güterschiff auf dem Mittelrhein liegengeblieben und sorgte für eine zeitweilige Sperrung der Fahrrinne. Unser Kollege Finn Walter hat sich die Lage im niederrheinischen Chempark einmal genauer angeschaut und erklärt, wie die Chemieunternehmen dem Niedrigwasser trotzen. Kleiner Lichtblick: Am Wochenende soll es in der Region endlich regnen und damit die Pegel wieder etwas steigen.

Meine Empfehlung für den Abend:

Holz, Reet, Kohle: Für dieses Haus in Kampen auf Sylt wird ein Quadratmeterpreis von mehr als 40.000 Euro verlangt

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Foto:

ImmoScout24

  • Die fallenden Immobilienpreise auf Sylt: Die Nordseeinsel ist bekanntermaßen nicht nur bei Urlaubern beliebt, sondern auch bei Immobilienbesitzern. Gerade in den Hochzeiten der Corona-Pandemie haben vermögende Kunden auf der Suche nach einem exklusiven Homeoffice im Zweitwohnsitz die Preise für Häuser und Wohnungen in exorbitante Höhen getrieben. Nun scheint sich dieser Trend umzukehren, wie mein Kollege Christoph Rottwilm berichtet: "Das Ende der Immobilienparty auf Sylt".

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel

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