Marleen Gründel

Der Mittwoch im Überblick Große Fußstapfen und kleine Zinsschritte

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Schuhmanager, der die Pleite abwendete, einer Notenbank, die gegen die Inflation kämpft, und einer Influencerin, die nicht weiß, wie viel sie verdient.

Sie stehen wohl vor nahezu jeder Terrassentür der Welt: Crocs. Kaum ein Schuh verkauft sich häufiger als der vielleicht hässlichste der Welt. Für einzelne Varianten legen Liebhaber gern einmal bis zu 850 US-Dollar hin. Gut, für Manolo Blahniks ist das natürlich verständlich, aber für Plastiklatschen?

Hinter den Crocs verbirgt sich eine spannende Unternehmensgeschichte. 2010 nämlich stand die US-Firma noch kurz vor der Pleite. Die wasserabweisenden und antibakteriellen Latschen stapelten sich in den Supermärkten und mutierten zu Ramschartikeln, dennoch lief die Produktion in den firmeneigenen Fabriken noch auf Hochtouren.

Der Mann, der die Wende brachte, heißt Andrew Rees. Der ehemalige Unternehmensberater heuerte 2014 bei Crocs an, 2017 übernahm der Engländer die Leitung. Unser Kollege Martin Mehringer beschreibt in einer ausführlichen Analyse, mit welcher Strategie Rees die Crocs zum Must-have bei Stars und Sternchen machte, wie viel der Schuh in der Herstellung wirklich kostet und warum der Aktienkurs derzeit trotz allem abstürzt: Crocs – das Geheimnis hinter dem Welterfolg der Plastiklatschen .

Crocs-Model: Superstar Justin Bieber badet in der Kollektion aus seiner Kooperation

Crocs-Model: Superstar Justin Bieber badet in der Kollektion aus seiner Kooperation

Foto: Ryan Good

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Mehr Flexibilität: Die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) haben sich heute überraschend zu einer Sondersitzung getroffen. Anlass waren die zuletzt stark gestiegenen Anleiherenditen hoch verschuldeter Länder wie Italien, nachdem die Notenbank im Kampf gegen die Inflation ein Ende ihres Anleihenkaufprogramms angekündigt hatte. Händler hatten zuletzt gar von einem "brutalen Ausverkauf" an den Märkten gesprochen. Die EZB teilte nun mit, Gelder aus dem Corona-Notkaufprogramm PEPP besonders flexibel einsetzen zu wollen. Sie will sich gegen die Unruhe stemmen. Anleger reagierten jedoch nicht wie erhofft und trennten sich weiter von italienischen Staatsanleihen.

  • Mehr Zins: Auch die US-Notenbank versucht derzeit mit verschiedenen Maßnahmen, die explodierende Inflation in den Griff zu bekommen, die aktuell in den USA so hoch ist wie seit vier Jahrzehnten nicht mehr. Am Mittwochabend entscheidet die Federal Reserve, wie stark die Zinsen dieses Mal erhöht werden. Wir halten Sie darüber natürlich auf manager-magazin.de auf dem Laufenden.

  • Mehr Geld: Die 68.000 Beschäftigten in der Stahlindustrie bekommen ab August 6,5 Prozent mehr Lohn. Darauf haben sich die IG Metall und der Arbeitgeberverband Stahl heute geeinigt. Es ist die höchste prozentuale Erhöhung in der Branche seit 30 Jahren. Ein Energiebonus von 500 Euro soll den Beschäftigten zudem helfen, die Rekordinflation besser zu verkraften. Der Kompromiss dürfte auch für die knapp vier Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie eine Rolle spielen. Hier fordert die IG Metall mindestens 7 Prozent mehr Lohn.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Julia Willecke alias Julia Beautx: "Ich weiß oft gar nicht, wie viel ich verdiene"

Julia Willecke alias Julia Beautx: "Ich weiß oft gar nicht, wie viel ich verdiene"

  • Zu viel Gehalt: Die 23-jährige Julia Beautx gehört zu den einflussreichsten und bestbezahlten Influencerinnen Deutschlands. Mit 14 Jahren startete sie ihren eigenen Youtube-Kanal, inzwischen folgen ihr über 3,3 Millionen Abonnenten. Auch als Schauspielerin, Sängerin und Moderatorin verdient sie ihr Geld, zudem vermarktet sie Schülerkalender und eigene Parfüms. Unsere Kollegin Sina Osterholt hat mit dem Social-Media-Star gesprochen und erfahren, was Beautx von Reichtum hält, wie ihr Arbeitsalltag aussieht und was sie ihren Kritikern entgegnet.

Was Sie heute noch für Ihr Berufsleben lernen können:

  • Weniger Arbeit: Viele Beschäftigte wünschen sich mehr Freizeit. Doch was bedeutet es rechtlich, die Arbeitszeit zu reduzieren? Und hat jede und jeder Anspruch auf Teilzeit? André Niedostadek, Professor für Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialrecht an der Hochschule Harz, erklärt die größten Irrtümer zur Teilzeit .

  • Mehr Erfolg: US-Forscher um Andy Wu, Professor an der Harvard Business School, haben den Zusammenhang von Erfahrung und Erfolg von Gründerinnen und Gründern untersucht. Ergebnis: Je mehr die Entrepreneure schon erlebt haben, desto schlechter ihre Planung, desto deutlicher rissen sie den Termin zur Markteinführung ihrer Vorhaben. Was das bedeutet? Hier verteidigt der Forscher seine Thesen. 

Meine Empfehlung für den Abend:

Big Shots: Das Unternehmen ist mit rund 15 Beschäftigten klein – doch die Investoren und Gründer haben Expertise: Tom Enders, Gerhard Schindler, Stefan Kirsten, Sandro Gaycken (v. l.).

Big Shots: Das Unternehmen ist mit rund 15 Beschäftigten klein – doch die Investoren und Gründer haben Expertise: Tom Enders, Gerhard Schindler, Stefan Kirsten, Sandro Gaycken (v. l.).

Foto: [M] Tom Stockill / ddp images, Carsten Koall / Getty Images, Sepp Spiegl / SZ Photo, Britta Pedersen / dpa / picture alliance
  • Erinnern Sie sich noch an den Film "Space Cowboys" aus dem Jahr 2000? Eine Gruppe alternder Astronauten macht sich noch einmal auf den Weg ins All, um die Welt vor der Vernichtung zu retten. Das, was Ex-Airbus-Boss Tom Enders, der frühere BND-Chef Gerhard Schindler und Adler-Verwaltungsratschef Stefan Kirsten derzeit aufziehen, erinnert ein wenig an den alten Kassenschlager. Mit ihrem IT-Sicherheitsunternehmen Monarch – benannt nach der gleichnamigen Geheimorganisation aus dem "Godzilla"-Epos – wollen die drei älteren Herren die Welt vor dunklen Mächten aus dem Netz retten. Näheres zu dem filmreifen Unternehmen, das aufgebaut ist wie ein moderner Geheimdienst, erfahren Sie von unserer Kollegin Mirjam Hecking: Die Cyberspace Cowboys von Monarch .

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel