Eva Buchhorn

Der Tag im Überblick Quarantäne-Flucht im Privatjet

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Abgang an der Spitze der Credit Suisse, Pokern bei Glaxosmithkline und immer mehr Superreichen

In George Orwells Stalinismus-Satire "Farm der Tiere" gibt es einen Schlüsselsatz, der auch 76 Jahre nach Erscheinen des Buches noch immer ganz hervorragend auf das Selbstverständnis von Machtmenschen passt, die sich ungern an Regeln halten: "Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher als die anderen." Seit Ausbruch der Corona-Pandemie begegnet man ihnen wieder häufiger, solchen elitären Regelbrechern. Britanniens Premier Boris Johnson feierte Parties in Downing Street No. 10, während der Rest der Nation im Lockdown schmorte; ein gewisser serbischer Tennisspieler hielt die Welt eine Woche lang mit immer neuen Volten in Atem, um die Teilnahme an einem Turnier in Australien zu erzwingen.

Jetzt hat auch die Schweiz ihren prominenten Corona-Regelbrecher. Es ist ausgerechnet ein Spitzenmann der noblen Bank Credit Suisse, die derzeit ohnehin von einer Krise in die andere taumelt. António Horta-Osório, der aus Portugal stammende Verwaltungsratspräsident der Großbank, war erst ein paar Monate im Amt. Heute wurde bekannt, dass er über die Verletzung von Quarantäne-Regeln gestolpert ist und die Bank verlassen muss. Statt sich im November nach einer Einreise aus Großbritannien in die Schweiz für zehn Tage in Quarantäne zu begeben, hatte er das Land nach drei Tagen im Privatjet wieder verlassen.

Besonders pikant: Horta-Osório war angetreten, um die Kultur der Credit Suisse und das Risikomanagement einer dringend nötigen Reform zu unterziehen. Unsere Kollegin und Bankenkennerin Katharina Slodczyk kommentiert, was der Abgang des Topmannes bedeutet und was von seinem Nachfolger Axel Lehmann zu erwarten ist. Ihr Fazit: "Horta-Osório hat die Bank weiter destabilisiert."

Getrübtes Urteilsvermögen: Antonio Horta-Osório muss die Credit Suisse verlassen, weil er Quarantäne-Regeln missachtet hat

Getrübtes Urteilsvermögen: Antonio Horta-Osório muss die Credit Suisse verlassen, weil er Quarantäne-Regeln missachtet hat

Foto: LEON NEAL / AFP

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Schwächeln in China: Das Wirtschaftswachstum in China hat sich zum Ende vergangenen Jahres deutlich abgeschwächt. Insgesamt legte die chinesische Volkswirtschaft 2021 um 8,1 Prozent zu und ging damit stärker aus dem Jahr, als manche Analysten erwartet hatten. Im vierten Quartal lag der Zuwachs aber nur noch bei vier Prozent. Ökonomen fürchten nun ein schwaches 2022. Die chinesische Notenbank reagierte bereits mit einer leichten Senkung des Leitzinses.

  • Gigantisches Windpark-Projekt: Die Energiekonzerne EnBW und BP dürfen in der schottischen Nordsee einen Windpark mit einer Leistung von knapp drei Gigawatt bauen. Für die Karlsruher EnBW ist es das größte Projekt der Unternehmensgeschichte. Der Windpark auf einer 860 Quadratkilometer großen Fläche vor der Küste Aberdeens könnte drei Millionen Haushalte mit Strom versorgen.

  • Unilever gibt nicht auf: Der Poker des Langnese-Eis-Herstellers Unilever um die Konsumgütersparte des britischen Pharmariesen Glaxosmithkline (GSK) geht in eine neue Runde. Gestern war bekannt geworden, dass GSK Unilevers Offerte über 50 Milliarden Pfund - das sind 60 Milliarden Euro - abgelehnt hat. Unilever will trotzdem dranbleiben. Käme ein Deal zu Stande, wäre es der größte seit Beginn der Corona-Pandemie.

  • Weiter Ringen um die Aareal Bank: Die Finanzinvestoren Advent und Centerbridge stoßen mit ihrem Übernahmeangebot für die Aareal Bank bei einem weiteren Großaktionär auf Widerstand. Beide bieten rund 1,7 Milliarden Euro, das entspricht 29 Euro pro Aktie. Doch nach dem Hedefonds Petrus Advisors hält nun auch Teleios Capital Partners die Offerte für zu niedrig, wie Teleios-Mitbegründer Adam Epstein heute mitteilte.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Wir bleiben beim Thema Corona. Die Macher der umstrittenen Luca-App zur Bekämpfung der Pandemie wollen den Bundesländern in den laufenden Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung entgegenkommen. Die Länder können künftig Monat für Monat entscheiden, ob ihre Gesundheitsämter die Luca-Daten nutzen sollen. Auch der Preis wurde gesenkt: Pro Gesundheitsamt fallen jährlich nur noch 9.000 statt 18.000 Euro Gebühren an.

  • Die Pandemie verschärft die Kluft zwischen Arm und Reich. Das lässt sich aktuellen Zahlen der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam entnehmen. Die Nichtregierungsorganisation stellte ihren Bericht heute kurz vor Beginn einer digitalen Konferenz des Weltwirtschaftsforums vor. Während sich das Vermögen der zehn reichsten Milliardäre verdoppelt hat, stieg die Zahl der Menschen in Armut. Mehr als 160 Millionen Menschen rutschten im vergangenen Jahr unter die Armutsschwelle. Auch Deutschland haben sich die Oxfam-Forscher genauer angesehen. Dem Bericht zufolge haben die zehn reichsten Deutschen ihr kumuliertes Vermögen von 144 Milliarden Dollar auf etwa 256 Milliarden steigern können.

Meine Empfehlung für den Abend:

Die Vier von der Poststelle: Tim Höttges, CEO der Deutschen Telekom (2.v.l.), und Vorstand Adel Al-Saleh mit den Kolleginnen Claudia Nemat (l.) und Birgit Bohle

Die Vier von der Poststelle: Tim Höttges, CEO der Deutschen Telekom (2.v.l.), und Vorstand Adel Al-Saleh mit den Kolleginnen Claudia Nemat (l.) und Birgit Bohle

Foto: Oliver Berg / dpa
  • Wie gerecht gehen die 100 größten Unternehmen mit Frauen und Männern auf der Topebene um? Wie sind die Posten verteilt? Und wie gerecht ist die Bezahlung? Exklusiv für manager magazin ermittelt die Boston Consulting (BCG) einmal im Jahr die Realität der Diversity-Bemühungen der Konzerne. Dabei zeigt sich: Schöne Reden sind das eine, Taten das andere. Tim Höttges, CEO der Deutschen Telekom, darf sich zu den Machern zählen – im Gender Diversity Index von BCG belegt sein Unternehmen diesmal den Spitzenplatz. Schon 2010, Höttges war damals noch Finanzvorstand, verordneten sich die Bonner eine Quote von 30 Prozent Frauen in Führungspositionen. Welche Unternehmen noch punkten und wer Nachholbedarf in Sachen Frauenkarrieren hat, können Sie im Ranking nachlesen. 

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  • Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache: Noch bis heute Abend, 23.59 Uhr, können Sie einen Platz im Ziele-Bootcamp meiner Kollegen von manage › forward buchen. Warum Sie daran teilnehmen sollten? Weil es sich einfach gut anfühlt, abends zufrieden den Laptop zuzuklappen, wenn man bedeutende Fortschritte erzählt hat – und nicht latent von einer Aufgabe zur anderen gehetzt ist. Mit dem Code MM-ZIELE-2022 erhalten Der-Tag-Leser 10 Prozent Rabatt.

Herzlich, Ihre Eva Buchhorn