Marleen Gründel

Der Tag im Überblick Ein Ritter in der Schweiz und Lokführer im Homeoffice

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Kulturschock für die Credit Suisse, Geldregen für den Microsoft-Chef und einer neuen Finanzchefin für die UBS.

Seit Jahren produziert die Credit Suisse einen Skandal nach dem anderen: Korruptionsaffäre in Mosambik, Beschattungsaffäre um ihren Starbanker Iqbal Khan und die Pleiten rund um den Australier Lex Greensill sowie den US-Hedgefonds Archegos. Die Folge: Für 2021 muss die Schweizer Großbank den höchsten Jahresverlust in ihrer Geschichte verbuchen.

Für den neuen Verwaltungsratspräsidenten António Horta-Osório eine echte Herausforderung. Doch der Portugiese scheint für den Job prädestiniert zu sein. AHO, wie Horta-Osório intern genannt wird, ist kein abgebrühter Investmentbanker und hat nach Meinung vieler Aktionäre genau deshalb einen unverstellten Blick auf die problembehaftete Sparte. Für seine Dienste um die teilverstaatlichte britische Lloyds Bank wurde er vor Kurzem sogar von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen.

Kurz nach seinem Amtsantritt zieht der neue Chairman ein überraschend ehrliches Resümee: Die Lage sei viel schlimmer als alles, was er bisher erlebt habe. Meine Kollegin Katharina Slodczyk beschreibt den Werdegang und die Strategie eines Mannes, der durch seinen Burn-out gelernt hat, nichts zu beschönigen und mit seiner direkten und unverblümten Art ein Kulturschock für die skandalgeplagte Credit Suisse ist .

Hat gelernt, nichts zu beschönigen: Während seiner Zeit bei der Lloyds Bank bekam Horta-Osório einen Burn-out

Hat gelernt, nichts zu beschönigen: Während seiner Zeit bei der Lloyds Bank bekam Horta-Osório einen Burn-out

Foto:

Robert Wilson / Robert Wilson / Contour / Getty Images

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Kasse gemacht: Microsoft-Chef Satya Nadella – seit Jahren ein Garant für den Erfolg des Unternehmens – hat sich in der vergangenen Woche von rund der Hälfte seiner 1,7 Millionen Microsoft-Aktien getrennt, wie heute bekannt wurde. Nadella soll die Aktien im Wert von etwa 285 Millionen Dollar aus Gründen der persönlichen Finanzplanung und Diversifizierung abgestoßen haben. Womöglich benötigt er das Geld aber auch, um eine fette Rechnung des Finanzamtes zu begleichen.

  • Zusammen geschrumpft: Die Mittelschicht in Deutschland bröckelt, zudem sind immer mehr Menschen abstiegsgefährdet. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Welche Einkommensgruppen und Altersklassen besonders gefährdet sind, erfahren Sie hier.

Die Personalie des Tages:

  • Sarah Youngwood wird ab Mai kommenden Jahres neue Finanzchefin der UBS. Die Schweizer Großbank hat die Managerin von Konkurrent JPMorgan Chase abgeworben. Der bisherige CFO Kirt Gardner will die Bank verlassen.

Die Corona-News des Tages ...

  • ... sind heute mal positiv: Zum weiten Mal in Folge ist die Sieben-Tage-Inzidenz bundesweit gesunken, von 452,2 auf 442,9, wie das Robert Koch-Institut mitteilte. Insgesamt haben sich in den vergangenen 24 Stunden rund 67.186 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Selbst im schwer betroffenen Sachsen ging die Ansteckungsrate leicht zurück.

  • So nervig das Homeoffice auch für den einzelnen sein kann, aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die Heimarbeit ein Gewinn. Wie die Europäische Zentralbank in einer neuen Studie herausfand, ist die Arbeitsproduktivität, also die Wirtschaftsleistung pro Arbeitszeit, durch die Pandemie messbar gestiegen. Und das könnte dauerhaft den Wohlstand in Deutschland steigern.

  • Während einige nicht ins Homeoffice wollen, können andere (noch) nicht. Lokführer zum Beispiel müssen ihre Züge aus dem Führerstand heraus ans Ziel bringen. In Sachsen könnte sich dies bald ändern: Forscher testen dort den Zugverkehr der Zukunft, inklusive führerlose Züge. Vielleicht eine Alternative für den nächsten Corona-Winter.

Doch auch wenn wir heute ausnahmsweise mal positive Corona-Nachrichten vermelden können – insgesamt ist die Situation gerade irgendwie trüb und trist. Meine Kollegen von manage›forward haben einen kostenlosen E-Mail-Kurs zu Resilienz entwickelt, mit dem Sie Ihre persönliche Krisenfestigkeit trainieren können. Hier geht es zur Anmeldung.

Meine Empfehlung für den Abend:

Hat die Krise als Chance genutzt: Jost Wiebelhaus, Gründer und Inhaber des Frankfurter Laufshops, ist nun erfolgreicher denn je

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Foto:

Frankfurter Laufshop

  • Gestern haben wir Sie ja an dieser Stelle gefragt, ob Sie Unternehmen kennen, die die Corona-Krise erfolgreich genutzt und ihr Geschäftsmodell angepasst haben. In solch bedrückenden Zeiten sind wir auf der Suche nach Mutmach-Geschichten, wie beispielsweise die des Frankfurter Laufshops. Der Sportartikelhändler hat sich innerhalb kürzester Zeit vom stationären in einen digitalen Anbieter mit Laufstilanalyse via Whatsapp und Versand per Fahrradkurier verwandelt. Nur eines von drei aufmunternden Beispielen. Aber lesen Sie selbst: Die Anpassungskünstler unter den Firmen. Und sollten Sie weitere Mutmach-Geschichten kennen, schreiben Sie uns gern an manager@manager-magazin.de , wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

Aber nun wünsche ich Ihnen erst einmal einen gemütlichen Feierabend,

Ihre Marleen Gründel

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