Corinna Scheying

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit dem Guru der Geldgierigen

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Hanno Berger, dem Lieblingsanwalt vieler Reicher, einem neuen Rückschlag in der Chipkrise und der Kehrtwende in Sachen Osterruhe.

Als Anwalt ohne Moral war Hanno Berger der Liebling vieler Vermögender. Sein Erfolgsgeheimnis war nicht nur seine besondere Intelligenz im Umgang mit Steuerrecht, sondern auch seine Fähigkeit, die Gier seiner Klienten zu wecken. Mit den wildesten Ideen und komplexen internationalen Geschäften half er den Reichen, Steuern zu sparen und wurde so zum gefragtesten Steueranwalt Deutschlands. Schließlich krönte er seine Sparangebote offensichtlich mit der Vermittlung von Cum-Ex-Geschäften.

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden wirft ihm gar vor, als Drahtzieher die Cum-Ex-Masche erst so richtig groß gemacht zu haben. Berger bestreitet das. In diesen Tagen beginnt nun der Prozess, es geht um mutmaßlich zu Unrecht erstattete Steuern in Höhe von 113 Millionen Euro. Die Rechercheergebnisse dazu von Oliver Hollenstein und Oliver Schröm, tugendhaften Leserinnen und Lesern sind Hitzewallungen versprochen, finden Sie in diesem Text: Der Meister der Gier. 

Die Party ist vorbei: Heute verschanzt sich Hanno Berger in der Schweiz

Die Party ist vorbei: Heute verschanzt sich Hanno Berger in der Schweiz

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Simon Habegger / 13 Photo

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Gerade erst hatten wir unseren Wortschatz um die verheißungsvolle "Osterruhe" bereichert, da können wir den Begriff auch schon wieder streichen. Die Kanzlerin zieht den jüngsten Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz zurück und entschuldigt sich für die Verwirrung. Aus einem zusätzlichen Feiertag wird also nichts, über Ostern gilt wohl doch nur der "ganz normale Lockdown".

  • Die japanische Regierung ruft um internationale Hilfe, um eine durch Feuer beschädigte Chipfabrik von Renesas Electronics wieder in Gang zu bringen. Das Werk liefert normalerweise 6 Prozent der globalen Mikrochips für die Autoindustrie - damit verschärft das Unglück den ohnehin schon vorhandenen Mangel an Chips weiter.

  • Auch die Containerschifffahrt hat ein lokaler Unfall mit globaler Wirkung ereilt. Ein Riesentanker von 400 Metern steckt seit Dienstag quer im Suezkanal fest und versperrt die begehrte Durchfahrt. Da wird erst wieder deutlich wie bedeutsam die Passage ist: 10 Prozent des gesamten Welthandels rauschen durch diese Wasserstraße - einen unglücklicheren Ort für einen solchen Unfall gibt es kaum.

  • Für den deutschen Marineschiffbau, genauer: für Thyssenkrupp, gibt es eine gute Nachricht. Norwegen bestellt vier und die Bundesmarine zwei weitere U-Boote. Der Großauftrag sichert in Kiel Jobs bis ins nächste Jahrzehnt.

  • Biontech bereitet sich auf die medizinische Zukunft vor. Die Mehrheitseigner Andreas und Thomas Strüngmann haben in das deutsch-finnische Start-up IQM investiert, eines der wenigen europäischen Unternehmen, das Quantencomputer baut. Dahinter steckt die Idee, die Entwicklung neuer Medikamente mit Quantentechnologie extrem zu beschleunigen.

Was Sie heute noch für Ihr Berufsleben lernen können:

  • Kannst du mal kurz? Darf ich mal eben? Helfen Sie Teamkollegen und Mitarbeitern gerne, auch wenn Sie eigentlich keine Zeit dafür haben? Schlimmstenfalls riskieren Sie mit zu viel Hilfsbereitschaft Überlastung, die im Burn-out enden kann. Wie groß Ihr Burn-out-Risiko ist, können Sie heute mit unserem Selbsttest herausfinden.

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Für Vorstände großer börsennotierter Unternehmen endet die Amtszeit zunehmend vorzeitig – und unfreiwillig. Deutsche Konzerne zahlen dabei immer häufiger hohe Abfindungssummen, wie eine Studie jetzt zeigt. Im Dax etwa erhielten entlassene Vorstände zuletzt Geldpakete von 6,7 Millionen Euro, im Schnitt. Aus Anlegersicht ist diese Entwicklung alles andere als wünschenswert. Die teuren Führungswechsel hat sich meine Kollegin Lisa Oder angesehen. 

Herzlich, Ihre Corinna Scheying

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