Christoph Rottwilm

Der Dienstag im Überblick Ein Krisenkenner und eine Expertin für den Ausstieg

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Rezept für erfolgreiches Krisenmanagement, überraschend stark steigenden Bauzinsen und der Geschichte einer prominenten Aussteigerin.

Hätten deutsche Unternehmen auf ein Extremszenario wie den Krieg in der Ukraine vorbereitet sein müssen? Ja, sagt Harald Nikutta, Experte der Risikoberatungsfirma Control Risks. Viele Firmenlenker wurden seiner Ansicht nach von der Entwicklung überrascht, weil sie das Risiko falsch eingeschätzt haben. Ein typischer Fehler. Viele Manager schieben extrem unbequeme und für das eigene Unternehmen gefährliche Risiken weg, sagt Nikutta im Interview mit meinem Kollegen Christoph Neßhöver . "In internen Risikoszenarien muss ich immer auch die größten Gefahren fürs Geschäft abbilden und durchrechnen – also diejenigen Ereignisse, die ein Unternehmen in den Abgrund reißen können."

Neben der ehrlichen Berechnung von Risiken ist aus Sicht von Nikutta weitsichtige Vorbereitung essenziell. "Wenn Sie im Ernstfall erst das zertifizierte Krisenhandbuch aus­drucken und lesen müssen, ist es zu spät." Bestimmte Abläufe und Workflows müssten frühzeitig und regelmäßig geübt werden. "Denken Sie an eine Großküche: Wenn Sie da mit offenem Gasherd hantieren, ist es gut, einen Feuerlöscher in Reichweite zu haben und zudem ein paar Leute, die damit auch umgehen können und die sich bewusst sind, dass sie die Verantwortung haben zu löschen."

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Legendäres Duo: Deutschlands Ex-Finanzminister Wolfgang Schäuble (l.) und sein griechischer Kollege Yanis Varoufakis. Varoufakis sprach von "financial waterboarding" durch die EU. Schäuble sagte: "Am 28., 24 Uhr, isch over."

Legendäres Duo: Deutschlands Ex-Finanzminister Wolfgang Schäuble (l.) und sein griechischer Kollege Yanis Varoufakis. Varoufakis sprach von "financial waterboarding" durch die EU. Schäuble sagte: "Am 28., 24 Uhr, isch over."

Foto:

FABRIZIO BENSCH / REUTERS

  • Griechenland zahlt Schulden zurück: Erinnert sich noch jemand an die Euro-Schuldenkrise? Im Mittelpunkt des Geschehens vor mehr als zehn Jahren stand Griechenland, das mit Milliardenkrediten des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU vor dem Bankrott bewahrt werden musste. Jetzt gibt es Neuigkeiten: Griechenland meldete heute die vollständige Rückzahlung all seiner Kredite aus jener Zeit an den IWF. Und das sogar zwei Jahre früher als eigentlich geplant.

  • Finanzinvestoren lassen nicht locker: Es ist erst wenige Monate her, dass die Finanzinvestoren Advent und Centerbridge mit dem Versuch scheiterten, die Aareal Bank zu übernehmen. Jetzt starten die beiden Firmen mit leicht erhöhtem Gebot einen neuen Übernahmeversuch bei dem Institut, das auf die Finanzierung von Gewerbeimmobilienkäufen spezialisiert ist. Das Vorhaben ist einen Blick wert: Nach dem Engagement von Cerberus und JC Flowers bei der Hamburg Commercial Bank ist es der zweite Anlauf von Finanzinvestoren, die versuchen, unentdeckte Talente deutscher Banken zu heben.

  • Weltgrößter Schwarzmarkt im Internet geschlossen: Mehr als 19.000 Verkäufer und rund 17 Millionen Kunden handelten auf dem illegalen Online-Marktplatz "Hydra Market" alles Mögliche, das nicht legal gehandelt werden darf – von Drogen über gestohlene Daten bis zu gefälschten Dokumenten. Die Plattform existierte bereits seit 2015, und allein im Jahr 2020 wurden dort Umsätze von mindestens 1,2 Milliarden Euro gemacht. Doch jetzt ist "Hydra Market" dicht – abgeschaltet vom Bundeskriminalamt.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Warum Baugeld immer teurer wird: Dass angesichts steigender Inflationsraten und geldpolitischer Eingriffe weltweit die Zinsen wieder steigen, haben wir schon vor Wochen dargelegt. Zuletzt nahm die Entwicklung aber gehörig an Fahrt auf, und der Krieg in der Ukraine spielt dabei eine wichtige Rolle. So zeigen sich Investoren nicht mehr so überzeugt von der Sicherheit deutscher Staatsanleihen, wie noch vor dem Krieg. Dies lässt die Rendite der Bundesanleihen steigen – und treibt damit auch die Hypothekenzinsen in die Höhe. Wie es mit der Rallye vermutlich weitergeht, können Sie hier nachlesen.

  • Impfstoffentwicklung zahlt sich aus: Uğur Şahin, Albert Bourla und Stéphane Bancel haben etwas gemeinsam. Die drei sind die Chefs der Unternehmen Biontech, Pfizer und Moderna, die die mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 zur Verfügung stellten und damit erheblich zum Kampf gegen die Corona-Pandemie beigetragen haben. Das zahlt sich für die drei auch persönlich aus: Sie verdienten in den Krisenjahren 2020 und 2021 insgesamt mehr als 100 Millionen Dollar.

  • Anlagetipps für den April: Auch diesmal haben wir drei besondere Investmentideen für den neuen Monat für Sie zusammengestellt. Mit dabei: Eine unterbewertete Luxusuhr, die zu einem berühmten Trio gehört, eine Krypto-Aktie für jedermann und ein Zombie-Unternehmen mit Kurspotenzial. Bitte hier entlang. 

Meine Empfehlung für den Abend:

"Befreiend sagen zu können, 'davon habe ich keine Ahnung'": Katja Suding ließ die Politik hinter sich

"Befreiend sagen zu können, 'davon habe ich keine Ahnung'": Katja Suding ließ die Politik hinter sich

Foto:

Anatol Kotte

  • Katja Suding war ein Shootingstar der FDP: Als Spitzenkandidatin gewann sie in Hamburg zwei Bürgerschaftswahlen, zog in den Bundestag ein und wäre heute wohl Ministerin im Ampel-Kabinett – wenn sie nicht ausgestiegen wäre. Die nach außen perfekte Karriere war für Suding eine Überforderung. "Ich habe darunter gelitten, öffentlich sein zu müssen", sagt sie heute. Nach einer Auszeit im Jahr 2020 kehrte sie nicht zurück in die Politik. Wie schafft man es, aufzuhören, wenn die Karriere nach außen zwar stets gelingt, aber überhaupt nicht zu den eigenen Bedürfnissen und Werten passt? Darüber hat Suding mit den Kolleginnen vom Podcast Team A gesprochen: Unglücklich im Topjob - wieso Katja Suding plötzlich die Reißleine zog . Hören Sie unbedingt rein.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm