Kai Lange

Der Donnerstag im Überblick Conti gibt Gummi, BMW überdenkt Mini, Staranwalt Strate geht steil

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit der möglichen Aufspaltung von Continental, mit BMWs langsamen Abschied vom Mini und mit einem Staranwalt, der Kanzler Olaf Scholz anzeigt.

Dem Autozulieferer Continental fehlt schon lange der Schwung. Der Börsenwert dümpelt seit Jahren um die 20 Milliarden Euro, im Jahr 2021 hat der Konzern aus Hannover Verlust geschrieben. Der neue Chef Nikolai Setzer konnte die Aktionäre auch noch nicht überzeugen. Umso mehr Musik steckt in dem Geheimprojekt, das bereits unter Setzers Vorgänger Elmar Degenhart aufgesetzt wurde: Unter dem Projektnamen "Voyage" rechneten die Strategen die Abspaltung und den Börsengang einzelner Sparten durch.

Aus diesen Planspielen ist inzwischen eine viel größere Lösung entstanden. Nach dem Motto "Vier gewinnt" würde Continental in mindestens vier Einzelunternehmen geteilt. Die Sparten Autonomes Fahren sowie der Anlagenbau ContiTech könnten verkauft oder am Kapitalmarkt platziert werden. Auch die Sparte Automotive ließe sich leicht vom Gesamtkonzern trennen. Übrig bliebe mit dem Reifen- und Gummigeschäft die Keimzelle von Continental. Diese vier Einzelteile wären addiert an der Börse mehr als 40 Milliarden Euro wert, so die Berechnungen der Strategen. Das ist mehr als doppelt so viel wie das heutige Conti-Konglomerat.

Ein solch radikales Spaltungsszenario braucht jedoch Manager mit Durchsetzungskraft. Ein Job für Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle (72), wie unser Autoexperte Michael Freitag schreibt . Reitzles größte Hürde: Er muss noch Conti-Großaktionär Georg Schaeffler von dem Projekt überzeugen. Bei anderen Aktionären kam das "Vier gewinnt"-Szenario am Donnerstag allerdings schon mal gut an: Die Aktie von Continental gehörte heute zu den größten Gewinnern im Dax.

Hat Ideen: Conti-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle

Hat Ideen: Conti-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle

Foto: Anne Gabriel-Jürgens / 13 Photo

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Die Personalie des Tages:

  • Staranwalt Gerhard Strate zeigt Olaf Scholz an: Der prominente Strafverteidiger Gerhard Strate spielt gern auf großer Bühne. Im VW-Dieselskandal vertrat er Ex-Volkswagen-Primus Ferdinand Piëch. Gegen den Ex-Chef der HSH Nordbank, Dirk Nonnenmacher, stellte er selbst Anzeige. Nun versucht Strate den mächtigsten Mann der Republik mit einer Anzeige zu Fall zu bringen: Bundeskanzler Olaf Scholz. Scholz habe in seiner Amtszeit als Bürgermeister Hamburgs seine "schützende Hand" über die Warburg Bank gehalten, begründet Strate seine Anzeige. Die Entscheidung der Hamburger Finanzverwaltung, im Zuge des Cum-Ex-Skandals im Jahr 2016 auf eine millionenschwere Steuerrückzahlung zu verzichten, sei ein "Willkürakt" gewesen. Scholz und sein Nachfolger Peter Tschentscher hätten sich damit zu "Gehilfen der Steuerhinterzieher aus der Warburg Bank gemacht", schreibt Strate. Tschentscher zeigte er ebenso wie Scholz wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung an. Scholz wirft er zudem uneidliche Falschaussage vor.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Fast 90 Millionen Euro Boni für Springer-Vorstand: Die Topmanager des Berliner Medienkonzerns Axel Springer gehören dank üppiger Boni zu den bestbezahlten Führungskräften im Land. Allein Vorstandschef Mathias Döpfner winkt eine Sonderzahlung im zweistelligen Millionenbereich. Den Geldsegen verdanken die drei aktuellen Vorstände Mathias Döpfner, Jan Bayer und Julian Deutz sowie Ex-Vorstand Andreas Wiele vor allem dem US-Investor KKR. Der Einstieg von KR hatte 2019 einen Kurssprung der Springer-Aktie ausgelöst und damit die Zahlungen erst möglich gemacht.

Meine Empfehlung für den Abend:

Will umsteigen: BMW-Chef Oliver Zipse, hier im "Mini Vision Urbanaut" auf der IAA, mag kleine Modelle wie den Mini nicht mehr. Die Oberklasse liefert mehr Rendite

Will umsteigen: BMW-Chef Oliver Zipse, hier im "Mini Vision Urbanaut" auf der IAA, mag kleine Modelle wie den Mini nicht mehr. Die Oberklasse liefert mehr Rendite

Foto: Sven Hoppe / picture alliance/dpa
  • Die Automarke Mini ist Kult, doch dem Autobauer BMW bereitet Mini schon seit Jahren keine rechte Freude mehr. Seit dem Neustart im Jahr 2000 lieferten die knuffigen Modelle nur mit Mühe schwarze Zahlen ab. Mini drückt auf die Marge des sonst hochprofitablen Autobauers aus Bayern. Nun drängt BMW-Chef Oliver Zipse auf eine radikale Lösung: Den Mini, wie wir ihn heute kennen, soll es nur noch für begrenzte Zeit geben. Der künftige Elektro-Mini soll von Partner Great Wall in China hergestellt und weltweit vermarktet werden. Was es mit BMWs Mini-Plänen im Detail auf sich hat, haben Michael Freitag und Angela Maier für Sie aufgeschrieben.

Herzlich, Ihr Kai Lange