Christoph Seyerlein

manage:mobility Zankende und wankende Zulieferer

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Warum sich Conti und Vitesco zerstritten haben.

  • Wieso die Kreditgeber von Eberspächer nervös werden.

  • Und wie Vinfast in Deutschland durchstarten will.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Brüderstreit bei Continental und Vitesco

Sieht sich zu Unrecht attackiert: Conti-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle.

Sieht sich zu Unrecht attackiert: Conti-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle.

Foto: Matthias Balk / dpa / picture alliance

Die Autozulieferer Continental und Vitesco, Kolosse mit zusammen gut 40 Milliarden Euro Umsatz, waren bis vor einem Jahr ein einziger. Man schied in bester Harmonie. Doch jetzt hat die Diesel-Affäre die Unternehmen eingeholt. Ehemalige und noch aktive Spitzenkräfte streiten mit teils bizarr anmutender Vehemenz, wer wann was wusste von möglichen Verfehlungen - und wer eben nicht. Im Zentrum stehen ausgerechnet Conti-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle und der bei beiden Unternehmen als Großaktionär investierte Georg Schaeffler. Meine Kollegen Sven Clausen und Michael Freitag berichten über den Diesel-Streit in der Conti-Familie .

Köpfe: Martin Peters ++ Carlos Tavares ++ Trudy Harrison ++ Eric Li

Der Auspuff stottert: Eberspächer-Chef Martin Peters muss die Banken beruhigen.

Der Auspuff stottert: Eberspächer-Chef Martin Peters muss die Banken beruhigen.

Foto: Sebastian Kahnert / picture alliance / dpa
  • Martin Peters (55), Chef des Automobilzulieferers Eberspächer, steht unter Druck. Zuletzt gelang den Schwaben wenig: Die Nachfrage nach Abgassystemen brach ein, ein Hackerangriff legte einen Monat lang fast alles lahm, das komplexe Geschäft mit Katalysatoren drückt auf die Liquidität. Die Kreditgeber haben eine Independent Business Review angefordert. Die Banken heizen Eberspächer ein .

  • Carlos Tavares (63), CEO von Stellantis, hat keine Lust mehr auf den europäischen Autoherstellerverband ACEA. Tavares passte wohl der Kurs von Präsident und BMW-Chef Oliver Zipse (58) nicht in den Kram. Der wollte bis zuletzt (vergeblich) das Verbrenner-Aus in Europa ab 2035 verhindern, Tavares will Stellantis schon für 2030 auf Elektro ausgerichtet. Kritiker äußern Zweifel; aber die Opel-Mutter plant schon mal ein "Freedom of Mobility Forum" als ACEA-Ersatz. Oliver Zipse wird kaum als erster Gastredner zur Verfügung stehen.

  • Trudy Harrison (46), britische Verkehrsministerin, stampft die staatlichen Subventionen für Elektroautos ein . Zuletzt gab es in Großbritannien 1.500 Pfund Zuschuss für maximal 32.000 Pfund teure Stromer. Harrison erwartet keine negativen Auswirkungen auf die Zulassungszahlen. Ob sich Deutschlands Wirtschaftsminister Robert Habeck (52) bei der Neuregelung des "Umweltbonus" für 2023 ein Beispiel nimmt?

  • Eric Li (58), Chef der Volvo-Mutter Geely, macht in Smartphones. Geely-Venture Xingji Shidai greift nach der Mehrheit des Handyhersteller Meizu. O-Ton Geely zu Reuters : Es gebe eine "close connection in technologies" zwischen Auto-Cockpits und Smartphone-Software.

Unternehmen: Vinfast ++ Lufthansa ++ Europcar

Fast win mit Vinfast? Le Thi Thu Thuy hat große Pläne für Deutschland.

Fast win mit Vinfast? Le Thi Thu Thuy hat große Pläne für Deutschland.

Foto: Denise Truscello / Getty Images for VinFast
  • Frankfurt, Berlin, Köln, Oberhausen, Hamburg: Die ersten deutschen Standorte für Filialen der E-Auto-Marke Vinfast stehen fest. In der zweiten Jahreshälfte wollen die Vietnamesen hierzulande mit ihren Autos VF8 und VF9 loslegen. Wohl etwa 2025 will Vinfast auch in Europa produzieren. Vermutlich in Deutschland, aber wo genau? Meine Kollegin Anna Driftschröer zeigt, wohin die Tendenz geht.

  • Noch im April hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr (55) einen endgültigen Abgesang auf den Airbus A380 angestimmt. Sechs der Riesenjets hat die Airline bereits verkauft, die restlichen acht wurden auf einem "Flugzeugfriedhof" geparkt. Jetzt könnte Spohr sie auferstehen lassen. Die Lufthansa prüft ein Comeback jener acht Flieger. Die weiter steigende Fluglust macht es möglich.

  • (Fast) alles klar mit Europcar: Volkswagen, Attestor und Pon Holdings können den Autovermieter übernehmen und zur Mobilitätsplattform umbauen. Bis zum Stichtag am 10. Juni dienten gut 87 Prozent der Aktionäre ihre Aktien für 50 Cent je Stück an. Bei knapp 4,4 Milliarden angedienten Aktien ist der Deal aktuell rund 2,2 Milliarden Euro schwer. Sollte bis zum 29. Juni noch die angestrebte Schwelle von 90 Prozent fallen, werden 51 Cent pro Aktie fällig.

Noch mehr Mobilität: E-Rikschas ++ E-Mopeds ++ eVTOLs

Rasante Rikscha: Audi spendiert dem indischen Start-up Nunam ausgemusterte Akkus.

Rasante Rikscha: Audi spendiert dem indischen Start-up Nunam ausgemusterte Akkus.

Foto: AUDI AG

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Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Zahl der Woche: 120 Milliarden

Chips bleiben Mangelware, viele Werke der Automobilindustrie sind weiter nicht ausgelastet. Viele Halbleiter kommen aus Taiwan. Und das Land will seine führende Stellung zementieren. Laut der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei  investiert Taiwans Industrie aktuell 120 Milliarden US-Dollar in 20 neue Fabriken. Die Chips sind für das Land Geldquelle und Absicherung zugleich. China erkennt die Unabhängigkeit Taiwans nicht an. Im Falle einer Eskalation wäre man auf Verbündete wie etwa die USA angewiesen. Kaum vorstellbar, dass die Taiwan bei ihrer Chip-Abhängigkeit fallen lassen könnten.

Deep Drive der Woche: Münchens E-Scooter-Bilanz

Die Stadt München wollte es genau wissen: Wie fügen sich elektrische Tretroller in eine Großstadt ein? Die Ergebnisse der Untersuchung gibt es nun auf 108 Seiten nachzulesen . Positiv: 14 Prozent der Fahrten mit einem E-Scooter haben eine Autofahrt ersetzt. Negativ: Bei einer Million Roller-Trips passieren über 50 Unfälle. Zum Vergleich: Bei einer Million Fahrten mit dem Fahrrad sind es nur neun.

Traumtänzer der Woche

Tamtam bei TikTok: Renault ist jetzt auch auf der gehypten Plattform vertreten.

Tamtam bei TikTok: Renault ist jetzt auch auf der gehypten Plattform vertreten.

Foto: Renault

167 Millionen Videos werden angeblich pro Minute bei TikTok angeschaut. Da darf man als Automobilhersteller natürlich nicht fehlen. Mercedes oder Porsche sind schon länger dabei, jetzt meldeten kurz nacheinander VW  und Renault  ihren Start auf der Plattform. Ob dort bald Herbert Diess (63) und Luca de Meo (55) das Tanzbein schwingen? Schließlich ist die App für ihre ganz eigenen Choreographien berühmt. Und tanzende Auto-Chefs soll es ja schon gegeben haben, frag nach bei Elon Musk (50) .

Haben auch Sie eine bewegte oder gar beschwingte Woche!

Herzlichst, Ihr Christoph Seyerlein