Eva Buchhorn

Der Donnerstag im Überblick Eine Attacke auf EY und Burgfrieden in Wolfsburg

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einer Schadensersatz-Klage gegen EY, neuen Ermittlungen gegen Conti und Bitcoin-Profiteur Peter Thiel.

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Aufarbeitung des Wirecard-Skandals ist, unter anderem, ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für Anwälte. In München Stadelheim bemühen sich derzeit diverse Spitzenvertreter der Strafverteidigerzunft intensiv darum, die ehemaligen Wirecard-Topmanager um CEO Markus Braun in günstigem Licht erscheinen zu lassen. Aber auch versierte Zivilrechtler können glänzen – zum Beispiel die britisch-australische Kanzlei Ashurst. Sie soll im Auftrag der Commerzbank 200 Millionen Euro Schadensersatz erstreiten, die die Bank an den mutmaßlich kriminellen Zahlungsdienstleister verloren hat.

Weil bei Wirecard nichts mehr zu holen sein dürfte, haben die Ashurst-Anwälte mit Unterstützung der Forensiker der US-Consultingfirma Alvarez & Marsal den Wirtschaftsprüfer EY ins Visier genommen. Ihre These: Ohne die leichtfertig ausgestellten Testate des langjährigen Abschlussprüfers hätte sich Wirecard nicht zum wahrscheinlich größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte auswachsen können.

Mit einem Klageerfolg würde der Auftraggeber der Anwälte, Commerzbank-CEO Manfred Knof, Rechtsgeschichte schreiben. Auf vier Millionen Euro war die Haftung der Prüfer zum Zeitpunkt der Wirecard-Pleite begrenzt. Höhere Summen sind nur unter der Voraussetzung durchsetzbar, dass die Kläger den Prüfpartnern vorsätzlich begangene Fehler nachweisen können. Gelingt das, würde vermutlich eine Welle neuer Klagen folgen – für EY könnte das existenzbedrohend sein. Wie immer die Sache ausgeht, ein Lehrstück ist sie allemal. Mein Kollege Dietmar Palan hat die Details. 

Verfolger: Commerzbank-CEO Manfred Knof verklagt den Wirtschaftsprüfer EY

Verfolger: Commerzbank-CEO Manfred Knof verklagt den Wirtschaftsprüfer EY

Foto: Thomas Pirot für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Ermittlungen gegen Conti ausgeweitet: Im Skandal um die Lieferung von Software zur Manipulation von Dieselmotoren gerät Continental immer stärker unter Druck. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat die Ermittlungen gegen den Automobilzulieferer ausgeweitet. Das hat mein Kollege Claas Tatje exklusiv in Konzernkreisen  erfahren. In den Fokus rücken nun auch Lieferungen an die Conti-Kunden Mercedes-Benz und Ford. Bislang konzentrierten sich die Ermittlungen auf Lieferungen an Volkswagen.

  • Weitere Festnahme in der Krypto-Szene: Im Kampf gegen die Krypto-Kriminalität haben US-Sonderermittler den Mitbegründer der in Hongkong registrierten Krypto-Börse Bitzlato in Haft genommen. Der gewöhnlich in China lebende Russe Anatoly Legkodymow wurde in der Nacht zu Mittwoch in Miami festgesetzt. Er soll über sein Unternehmen Hunderte Millionen illegale Gelder gewaschen haben.

  • Fußball verdient wieder Geld: Die Corona-Krise hatte den Profifußball mit Stadionschließungen und Spielpausen hart getroffen. Das ist nun Vergangenheit: Eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte zeigt, dass die Clubs auf altem Umsatzniveau zurück sind. Passend zum Bundesliga-Start an diesem Wochenende hier ein paar Zahlen: Die 20 umsatzstärksten Vereine erzielten in der Saison 2021/22 einen Gesamterlös von 9,2 Milliarden Euro, das sind nur 100 Millionen Euro weniger als in der Rekordsaison 2018/19. Internationaler Krösus ist der englische Meister Manchester City mit 731 Millionen Euro Umsatz. Bayern München kommt mit 653,6 Millionen Euro auf Platz sechs.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Mit Bitcoin weich gelandet: der US-Multimilliardär und Krypto-Investor Peter Thiel

Mit Bitcoin weich gelandet: der US-Multimilliardär und Krypto-Investor Peter Thiel

Foto: Rebecca Blackwell / AP
  • Peter Thiel und Bitcoin: Der Absturz des Krypto-Marktes hat viele Anleger eine Menge Geld gekostet. Heil davongekommen ist hingegen der umstrittene Großinvestor und Trump-Unterstützer Peter Thiel. Wie die "Financial Times" berichtet, hat sein Founders Fund in den vergangenen acht Jahren 1,8 Milliarden US-Dollar mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen verdient – letztlich, indem er sich rechtzeitig aus den Investments zurückzog. Zugleich erweckte Thiel öffentlich weiter den Eindruck, dass den Kryptowährungen die Zukunft gehöre.

  • Geoff Morrell und Dollar: Der Disney-Topmanager war weniger als vier Monate im Amt, verdiente aber in der Zeit mehr als 8 Millionen Dollar – 120.000 Dollar pro Tag.

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Machtspiele in Wolfsburg: Volkswagen, der zweitgrößte Autobauer der Welt, bot in den vergangenen Monaten einiges an Dramatik – und eine zentrale, zunehmend tragische Rolle dabei spielte Audi-Chef Markus Duesmann. Nicht zuletzt durch dessen Wirken musste der umstrittene CEO Herbert Diess VW verlassen und Platz machen für seinen Nachfolger Oliver Blume. Was dann kam, hat intern viele überrascht: Blume strich Duesmann, seinem wichtigen Helfer auf dem Weg nach ganz oben, zentrale Zukunftspläne. Duesmann sei zeitweise so frustriert gewesen, hat mein Kollege Michael Freitag in Erfahrung gebracht, dass er die Brocken hinwerfen wollte. An den Schauplätzen des VW-Konzerns, in Wolfsburg, Stuttgart und Ingolstadt hat sich in den vergangenen Monaten ein Kammerstück entwickelt, in dem die Hauptfiguren zum Teil unerwartete Charakteristika entwickelt haben. Immerhin, Blume gelang es, Duesmann wieder zu befrieden – er ist geblieben. Aber lesen Sie selbst die Recherche über die Verschiebung der Macht im zweitgrößten Autokonzern der Welt: "Aufstand gegen Audi". 

Herzliche Grüße und einen entspannten Abend, Ihre Eva Buchhorn

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