Eva Buchhorn

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit verzweifelten Hamburger Finanzbeamten

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit M.M. Warburg, Coinbase, Bernie Madoff

Man wirkt ja heute schon fast langweilig, wenn man nicht ein paar Risikogeschäfte am Laufen hat: Sagen wir mit einer schicken Kryptowährung, etwa dem Bitcoin, oder einem besonders findigen Steuerdeal. Glück hat damit meist nur, wer zwei Regeln beherzigt: Er (oder sie) muss die Verlustrisiken im Griff haben und sich irgendwie auf der legalen Seite halten. Dass der einstmals renommierten Hamburger Privatbank M.M. Warburg Letzteres offenbar schwerfiel, zeigt die mühevolle und kleinteilige Aufarbeitung des so genannten "Cum Ex"-Komplexes im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

Meine Kollegen Oliver Hollenstein und Oliver Schröm haben in den vergangenen Wochen noch einmal 10.000 Seiten Akten ausgewertet und sind auf etliche neue, hochspannende Details der Affäre gestoßen. Auch wenn Hamburgs ehemaliger Erster Bürgermeister Olaf Scholz den Eindruck erwecken möchte, seine Behörden hätten im Umgang mit Warburg immer alles richtig gemacht, zeichnen die Akten ein ganz anderes Bild. Finanzbeamte auf den unteren Ebenen fetzten sich über den Fall, einige verzweifelten regelrecht; ein gewisses Unrechtsbewusstsein muss sich da ziemlich lautstark zu Wort gemeldet haben. Auf den höheren Ebene verstummte es indes. Wir präsentieren Ihnen die Recherchen der Kollegen  in einer heute beginnenden Serie.

Bereitete Hamburger Finanzbeamten schlaflose Nächte: Die Privatbank M.M. Warburg an der Alster

Bereitete Hamburger Finanzbeamten schlaflose Nächte: Die Privatbank M.M. Warburg an der Alster

Foto: Axel Heimken / dpa

Für die Wirtschaftsnews des Tages....

  • .... kommen wir noch einmal auf den Bitcoin zurück: An der New Yorker Nasdaq legte die Krypto-Handelsplattform Coinbase heute einen fulminanten Start hin. Enthusiastische Börsianer bewerteten das Unternehmen ersten Kursindikationen zufolge mit rund 90 Milliarden Dollar. Damit wäre die Plattform, über die nach eigenen Angaben mehr als 56 Millionen Nutzer (auch in Deutschland) rund 50 virtuelle Währungen handeln können, der größte IPO seit dem Debüt des Fahrdienstleisters Uber im Jahr 2019. Den Bitcoin-Kurs trieb das erstmals auf die Marke von 64.000 US-Dollar.

  • Einen wahren Geldregen beschert der Boom an den Finanzmärkten den US-Großbanken Goldman Sachs und JP Morgan. Mit ihren Aktivitäten im Investmentbanking, im Börsenhandel und in der Fondssparte erzielten die Goldman-Banker im ersten Quartal einen Überschuss von umgerechnet 6,7 Milliarden Euro. JP Morgan, die größte Bank der Welt, meldete 14,3 Milliarden Dollar Nettogewinn für die ersten drei Monate des laufenden Jahres. Das ist fünfmal so viel wie im Vorjahr.

  • Gute Zahlen präsentierte auch SAP. CEO Christian Klein freut sich über ein starkes Wachstum in allen Bereichen und ein Umsatzplus von zwei Prozent auf 6,35 Milliarden Euro. So könnte es weitergehen, meint Klein, und hob gleich die Prognose für das Gesamtjahr an.

  • Ein neuer Onlinesupermarkt will Deutschland erobern: Oda heißt er und sein Gründer, der Norweger Karl Munthe-Kaas, hat mit Kinnevik (Zalando) und Softbank zwei prominente Investoren an Bord. In Kaas' Heimat dominiert sein Start-up das Online-Liefergeschäft mit Lebensmitteln bereits, in diesem Jahr soll es in Finnland losgehen, ab 2022 will er auch hier zu Lande Rewe und Amazon Fresh Konkurrenz machen. Wir haben ihn zu seinen Plänen befragt. 

Was uns heute noch beschäftigt hat...

... ist ein weiteres Detail aus der auch in diesem Newsletter omnipräsenten Krypto-Welt. Sollten Sie als Anleger zu den Glücklichen gehören, die bereits Gewinne realisiert haben und nun auf die Idee gekommen sein, diese rechtstreu in Ihrer Steuererklärung auszuweisen, haben Sie unter Umständen des Guten zuviel getan: Kundige Juristen argumentieren, dass für die "neuen, rein digitalen, virtuellen Phänomene" noch kein Steuergesetz existiere. Eine Gesetzeslücke tut sich auf - warum das so ist, erläutert Rechtsanwalt Joerg Andres hier . Denken Sie nur an die eingangs erwähnten zwei Regeln.

... und der Tod von Bernie Madoff. Der größte Steuerbetrüger in der Geschichte der Wall Street, auf dessen Tricks auch Prominente wie Steven Spielberg hereinfielen, starb mit 82 Jahren im Gefängnis. 2009 war er wegen Betrugs und Geldwäsche zu 150 Jahren Haft verurteilt worden. 2020 hatte er sich als "sterbenskrank" bezeichnet und einen Antrag auf Haftverschonung gestellt – vergebens.

Jahrhundertbetrüger: Die einst gefeierte Wall-Street-Legende Bernie Madoff im Jahr 2009

Jahrhundertbetrüger: Die einst gefeierte Wall-Street-Legende Bernie Madoff im Jahr 2009

Foto: AFP

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Viele Menschen sind hervorragend in ihrem Job - aber schlecht darin, auf ihre Stärken aufmerksam zu machen. Insbesondere Frauen fällt die offensive Selbstvermarktung oft sehr schwer. Doch man kann dazulernen, meint Coach Doris Brenner, früher selbst Führungskraft. Heute arbeitet sie als Karriereberaterin und hat eine Menge lesenswerter Tipps parat, wie Sie insbesondere in Bewerbungssituationen zu Hochform auflaufen können. Brenners Hilfestellung für Mauerblümchen, die keine mehr sein wollen, finden Sie hier: "Hilfe, ich kann nicht prahlen! 

  • Und sind Sie dann im Job, empfehle ich diesen Klassiker aus dem Harvard Business manager. Stanford-Legende Jeffrey Pfeffer zeichnet in aller Ausführlichkeit einen 11-Stufen-Plan für Ihren Aufstieg. Jede neue Strategie, deren Umsetzung sich lohnt, wird schließlich immer kontrovers diskutiert und hat irgendeinen Gegner, der andere Pläne und Interessen verfolgt. Wenn es hart auf hart kommt, reichen logische Argumente nicht mehr aus. Pfeffer zeigt anhand wissenschaftlicher Untersuchungen, dass es vor allem das Streben nach Macht ist, das sich letztlich für Sie auszahlt. Wie Sie Macht erlangen. 


Herzlich, Ihre Eva Buchhorn