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Kai Lange

Der Montag im Überblick Die Mähdrescher-Milliardärin und Porsches emotionale Heimkehr

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einer machtvollen Mähdrescher-Milliardärin, einer Revolte bei Adidas, Bewegung bei Gorillas und einer emotionalen Heimkehr bei Porsche.

Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die deutsche Wirtschaft ließen sich in der Stadt Harsewinkel in Nordrhein-Westfalen bereits im Sommer gut besichtigen. Hunderte neue Mähdrescher und Häcksler der Marke Claas standen dort säuberlich aufgereiht auf dem rund 400.000 Quadratmeter großen Firmengelände. Obwohl ein hochmoderner Mähdrescher bis zu 800.000 Euro kosten kann und die Auftragsbücher eigentlich voll sind, konnte Claas wegen fehlender Bauteile viele der massigen Maschinen nicht ausliefern.

Was noch schwerer wiegt: Mehrheitseignerin Cathrina Claas-Mühlhauser, die mit einem Familienvermögen von rund 2,4 Milliarden Euro zu den 100 reichsten Deutschen zählt, hat Hunderte Millionen Euro in das russische Werk Krasnodar investiert. Dieses Geld könnte nun verloren sein. Und intern reift die Erkenntnis: Trotz 4,8 Milliarden Euro Umsatz und 12.000 Mitarbeitern könnte der deutsche Maschinenbauer Claas auf Dauer zu klein sein, um sich global zu behaupten.

Auch die Führungskultur bei Claas wird zum Problem. Cathrinas Vater Helmut Claas, ein begnadeter Ingenieur, hatte die Firma komplett auf sich zugeschnitten. Auch seine einzige Tochter Cathrina, mit 60 Prozent der Anteile Mehrheitseignerin, lässt sich von niemandem etwas sagen und staucht ihre Topleute auch schon mal zusammen. Fusionsofferten hat sie stets abgelehnt und die Chance verpasst, den Generationswechsel für eine Modernisierung der Führungskultur zu nutzen. Die Folge: Claas ist mit seinen modernen Maschinen zwar Technologieführer, aber ertragsschwach.

Die Mähdrescher-Matriarchin braucht künftig viel Fingerspitzengefühl, um die Rendite zu steigern und neue Märkte zu erobern, wie unser Kollege Christoph Nesshöver in seinem Inside-Report schreibt. Doch das ist keineswegs ein Selbstläufer, oder, wie man in Bayern sagt, keine "gmaade Wiesn". Das Städtchen Harsewinkel jedenfalls ist stolz auf den Beinamen "Die Mähdrescherstadt" – und will dieses Attribut auf keinen Fall verlieren.

Festgefahren: Cathrina Claas-Mühlhäuser

Festgefahren: Cathrina Claas-Mühlhäuser

Foto: Pilar, Daniel

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Ben Bernanke teilt sich Nobelpreis mit zwei US-Ökonomen: Der ehemalige Chef der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, hat den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten. Die Akademie für Wissenschaften in Stockholm verlieh die Auszeichnung außerdem an die US-Ökonomen Douglas Diamond und Philip Dybvig. Die drei Ökonomen erhalten den Preis für ihre Erforschung von Banken und Finanzkrisen.

  • Lieferdienst Gorillas steht vor dem Verkauf: Der Berliner Express-Lieferdienst Gorillas soll Insidern zufolge an den Rivalen Getir aus Istanbul verkauft werden. Hintergrund für die Übernahme: Gorillas-CEO Kağan Sümer ist es nicht gelungen, die Kapitalverbrennung des Unternehmens zu stoppen. Gorillas und Getir sollen sich weitgehend einig sein. Die beiden Unternehmen wollten keine Stellung nehmen.

  • Entlastung für Gaskunden: Im Kampf gegen die hohen Gaspreise hat die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission ein zweistufiges Entlastungsverfahren vorgeschlagen. Im ersten Schritt soll der Staat die Abschlagszahlungen für diesen Dezember komplett übernehmen. Im zweiten Schritt sollen die Gaspreise auf zwölf Cent pro Kilowattstunde abgesenkt werden. Das Gesamtpaket zur Gaspreisbremse wird voraussichtlich 90 Milliarden Euro kosten.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Betriebsrats-Revolte bei Adidas: Beim schlingernden Sportartikelhersteller Adidas liegen die Nerven blank. Der Betriebsrat ruft inzwischen offen zum Widerstand gegen den amtierenden Vorstand um den scheidenden Chef Kasper Rorsted auf. In einer Mitteilung an die Mitarbeitenden wirbt der Betriebsrat für den Eintritt in die Gewerkschaft IG BCE, um Druck und Verhandlungsmacht aufzubauen. "Scheinbar haben Innovation, Kreativität und Fortschritt keine Priorität mehr vor ständig neuen Sparmaßnahmen", heißt es in dem Aufruf. Die Attacke markiert einen Kulturbruch bei Adidas, nachdem die Mängel in Rorsteds Amtsführung zuletzt immer offensichtlicher wurden und der Däne einräumen musste, die Geschäftsziele zu verfehlen.

  • Wie sie das beste Jahresgespräch führen: Mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden glaubt, dass ihre Vorgesetzten die Leistungsbeurteilung im Jahresgespräch nicht richtig hinbekommen. Die Gespräche werden oftmals als zeitraubend, ungenau und demotivierend wahrgenommen. Doch es geht auch besser: Unsere Kollegen vom Harvard Business manager geben eine Anleitung für ein gelungenes Feedbackgespräch.

Meine Empfehlung für den Abend:

Wieder daheim: Porsche-Aufsichtsratschef und -Großaktionär Wolfgang Porsche

Wieder daheim: Porsche-Aufsichtsratschef und -Großaktionär Wolfgang Porsche

Foto: Robert Brembeck
  • Porsche und das Ende einer Unglücksfahrt: Mit dem erfolgreichen Börsengang vor zwei Wochen ist der Sportwagenbauer Porsche nicht nur zu Deutschlands wertvollstem Autobauer aufgestiegen. Der Porsche-Clan hat sich zugleich auch seinen wichtigsten Besitz zurückgeholt. Im Jahr 2009 musste Familiensprecher Wolfgang Porsche unter Tränen den Verkauf an die Konzernmutter Volkswagen bekannt geben. Nun kontrolliert der mit rund 22 Milliarden Euro zweitreichste Autoclan der Republik die Heimat des Porsche 911 wieder selbst: Porsche ist abermals Herrscher im eigenen Haus. Unser Kollege Michael Freitag hat die Geschichte einer emotionalen Rückkehr für Sie aufgeschrieben.

Herzlich, Ihr Kai Lange

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