Christoph Rottwilm

Der Tag im Überblick Ein Dax-Rekord und ein Millionenraub

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit steigenden Preisen, steigenden Aktienkursen und einem einsteigenden Luxusmilliardär.

Ein bisschen merkwürdig ist das schon. Eigentlich gilt dieser Zusammenhang an der Börse zurzeit als gesetzt: Ein Grund für hohe Aktienkurse ist die lockere Geldpolitik der Notenbanken, die für viel Liquidität an den Finanzmärkten sorgt. Hohe Inflationsraten jedoch können für EZB, Fed und andere ein Anlass sein, ihre Zinsen zu erhöhen, die Liquidität also einzudämmen. Das wäre aus Sicht von Börsianern eigentlich unerfreulich.

Es ist daher kein Wunder, dass steigende Inflationsraten in den vergangenen Monaten für Nervosität an den Aktienmärkten gesorgt haben. Immer wieder kamen die Kurse unter Druck, wenn neue Zahlen zur zunehmenden Preissteigerung publik wurden. Schon eher verwunderlich ist dagegen die heutige Reaktion der Börse: Zunächst bestätigten Statistiker den Juli-Inflationswert für Deutschland von 3,8 Prozent - so stark stiegen die Preise hierzulande seit Jahrzehnten nicht. Weil die Zahl nicht wirklich neu war und zudem Einmaleffekte eine wichtige Rolle spielen, ließ die Information die Investoren an der Börse aber kalt.

Dann wurde jedoch die aktuelle Inflationsrate für die USA veröffentlicht: Sie liegt mit 5,4 Prozent weiter auf hohem Niveau, sogar noch ein wenig über der Erwartung von Volkswirten. Damit könnte eine Zinserhöhung in den USA also erneut näher rücken. Was passiert aber an der Börse? Anstatt Reißaus zu nehmen, griffen die Investoren diesmal zu. So trieben sie den seit Wochen stagnierenden deutschen Leitindex Dax auf ein neues Rekordhoch. Schon ein wenig merkwürdig, oder?

Bullenstark: Nach wochenlanger Stagnation erreichte der Dax heute ein neues Rekordhoch

Bullenstark: Nach wochenlanger Stagnation erreichte der Dax heute ein neues Rekordhoch

Foto: Boris Roessler / dpa

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Das Ringen um den Autozulieferer Hella geht in die finale Phase: Drei Bieter pokern noch um den Scheinwerfer-Spezialisten - doch offenbar haben sie keine besonders großzügigen Preisvorstellungen. Die Hella-Aktie jedenfalls gerät unter Druck.

  • Kennen Sie Peter Körte? Hier lernen Sie ihn kennen: Der Intimus des neuen Siemens-Chefs Roland Busch ist zugleich Chefstratege und Cheftechniker des Konzerns. Kollegin und Siemens-Kennerin Angela Maier meint: Aus dem kann mehr werden. 

  • Der Grünen-Politiker Reinhard Bütikofer ist einer der besten China-Kenner im EU-Parlament und bestimmt maßgeblich die Haltung Europas gegenüber der Weltmacht mit. Mein Kollege Christian Schütte sprach mit ihm über fällige Kurskorrekturen: "China nutzt die Abhängigkeit einzelner Großkonzerne gegen uns" , so Bütikofer. Und für den Hintergrund hier noch einmal Schüttes großes Übersichtsstück über Chinas Wirtschaftspolitik und die deutsche Antwort darauf: Die Zeit der "Auto-Außenpolitik" in China ist vorbei 

Meine Empfehlung für den Abend:

Pionierarbeit: Mitarbeiterin bei der Corona-Impfstoffproduktion von Biontech in Marburg

Pionierarbeit: Mitarbeiterin bei der Corona-Impfstoffproduktion von Biontech in Marburg

Foto: --- / dpa
  • Eine Impfung gegen Krebs, gegen Malaria, gegen HIV, gegen Tuberkulose und viele andere böse Krankheiten - wäre das nicht fantastisch? Dank der neuartigen mRNA-Technologie, die Unternehmen wie Biontech oder Moderna erstmals bei ihren Corona-Impfstoffen zum Einsatz bringen, kann es Fachleuten zufolge Realität werden. Es wäre nicht nur ein Segen für die Menschheit, sondern auch ein Milliardengeschäft für jene Firmen, denen dabei die größten Erfolge gelingen. Und natürlich eine große Renditechance für Investoren, die rechtzeitig auf diese Unternehmen wetten. Mein Kollege Arvid Kaiser hat sich den Wettstreit in der Pharma- und Biotechbranche um den nächsten großen mRNA-Erfolg genau angeschaut. Dabei hat er Favoriten gefunden, ebenso wie Hoffnungsträger. Hier sein Überblick: Die größten Aspiranten auf das Medizingeschäft von morgen

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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