Lukas Heiny

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit dem Tengelmann-Streit

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dabei: der Erbstreit in der Haub-Familie, die Hoffnung auf ein Covid-Wundermittel und Rassismus in deutschen Konzernen.

Geht es um die Macht, kann es schnell hässlich werden. In der Politik setzt diesbezüglich gerade der Wahlkampf in den USA neue Maßstäbe. In den Unternehmen dagegen ringt man doch eher gesittet um Aufstieg und Einfluss (zumindest an der sichtbaren Oberfläche). Es sei denn, der Streit wird zur Familienangelegenheit.

Die Beispiele sind zahlreich, zuletzt berichteten wir über die Fehden im Hause Meggle , Faber-Castell   oder Koepff , nur um ein paar Beispiele zu nennen. Es kommt vor, dass die involvierten Anwälte in solchen Fällen von "Krieg" sprechen. So ist es auch im Falle der Haubs, deren Streit die Tengelmann-Gruppe gefährdet.

Hintergrund ist das tragische Verschwinden des damaligen Unternehmenschefs Karl-Erivan Haub im April 2018 in den Schweizer Bergen. Bis heute ringen sein Bruder Christian und seine Frau Katrin um die Frage, was mit den Firmenanteilen geschehen soll. Es geht um Macht, vor allem aber ums Geld. Nun, so haben wir heute exklusiv erfahren, erhöht Christian Haub den Druck. Er will seinen Bruder für tot erklären lassen. Der Antrag ist beim Gericht bereits eingereicht. Die Hintergründe erfahren Sie hier.

Todeszeitpunkt soll der 7. April 2018, 24 Uhr sein: Trauerfeier für Karl-Erivan Haub bei einem Fußballspiel im Mai 2018.

Todeszeitpunkt soll der 7. April 2018, 24 Uhr sein: Trauerfeier für Karl-Erivan Haub bei einem Fußballspiel im Mai 2018.

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DPA

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages:

  • US-Präsident Donald Trump nutzt seine Corona-Erkrankung für gewagte Wahlkampfversprechen (während er das nächste TV-Duell boykottieren will). Dass er sich nach vier Tagen im Krankenhaus wieder "perfekt" fühle, sei vor allem einem Mittel der Pharmafirma Regeneron zu verdanken. "Das ist nicht einfach eine Arznei, das ist ein Heilmittel, ein Wundermittel." Das oder ein sehr ähnliches Mittel von Eli Lilly wolle er jetzt schnell allen infizierten Amerikanern zugänglich machen, und zwar kostenlos. Was sich hinter den "Wundermitteln" verbirgt und was die kostenlose Werbung für die Unternehmen bedeutet, lesen Sie hier.

  • Ein wenig Hoffnung können gleichwohl alle gebrauchen. Auch in Deutschland steigen die Infektionszahlen rapide. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, sagte dazu: "Die aktuelle Situation beunruhigt mich sehr." Und Gesundheitsminister Jens Spahn warnte vor dem Moment, "wo wir die Kontrolle verlieren".

  • Ökonomisch am deutlichsten bekommen die neuen Einschränkungen aktuell Gastronomie und Tourismusbranche zu spüren. Um trotz Corona-Pandemie wieder ins Geschäft zu kommen, müssen sich Touristikunternehmen einiges einfallen lassen. Die Kreuzfahrtbranche versucht es mit einer Testpflicht für Reisende und Crews. Und zwar global, auf allen Kreuzfahrtschiffen.

  • Seit Wochen schon unterhält uns die amerikanische Großbank Citigroup mit immer neuen Versagensmeldungen aus dem Risikomanagement. Jetzt wird es den US-Aufsehern zu bunt: Die Bank wurde zu einer hohen Strafzahlung verdonnert.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer liberalisiert den deutschen Taximarkt. Sein Gesetzentwurf gibt neuen Fahrdiensten wie Uber oder Moia eine dauerhafte Erlaubnis statt nur befristeter Ausnahmeregeln. Dafür bekommen sie Auflagen. Zum Ärger um die Maut dürfte nun auch noch Protest der Taxi-Kutscher kommen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die Deutsche Bank verfügt über eine der weltweit größten Kunstsammlungen in Unternehmensbesitz, rund 55.000 (!) Werke gehören dazu. Doch das Institut spart und schrumpft seit Jahren. Und mit den Filialen und Einzelbüros schwindet auch die Zahl der Wände, an der die Kunst hängen kann. Wo also hin mit den Klees und Beckmanns? Richtig. Mehr als 200 Werke sollen nun versteigert werden und einen Millionenerlös einspielen.

  • Sportlich hat Magnus Carlsen bereits alles erreicht, heute ging der Schachweltmeister als Unternehmer den nächsten Schritt: In Oslo feierte seine Firma Play Magnus Premiere auf dem Schachbrett, äh, Börsenparkett. Eine norwegische Eröffnung, sozusagen.

Meine Empfehlungen für den Abend:

Kam als Jugendlicher aus Afghanistan, ist nun Personalchef Deutschland bei SAP: Cawa Younosi.

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PR

  • Spätestens seit in den USA die "Black Lives Matter"-Bewegung den Fokus auf das Thema Rassismus und Diskriminierung richtet, stellen sich auch deutsche Unternehmen die Diversity-Frage: Wie rassistisch sind wir eigentlich?  Bei Adidas oder der Deutschen Bank hat das bereits zu prominenten Personalentscheidungen geführt. Meine Kollegin Eva Buchhorn hat Antworten gesucht. Sie hat mit Managern, Gründern, Beratern, Influencern und Forschern gesprochen. Viele davon haben selbst einen Migrationshintergrund und berichten von den Hürden – unsichtbar, strukturell, aber deutlich spürbar – in der deutschen Wirtschaft. Je weiter oben in der Hierarchie, desto größer übrigens. Am Ende könnte womöglich nur eine Quote helfen. Sie sehen: Die neue Diversity-Debatte gleicht der Debatte um die gerechte Teilhabe von Frauen an der Macht. Nur steht sie noch ganz am Anfang.

  • Ergänzend dazu empfehle ich Ihnen einen Text aus dem Harvard Business Manager, geschrieben von einem Harvard-Professor und einer Professorin aus Tel Aviv. Sie gehen der Frage nach, warum so viele Diversity-Programme von Personalabteilungen scheitern. Und worauf es ankommt. 

Herzlich, Ihr Lukas Heiny

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