Christoph Rottwilm

Der Mittwoch im Überblick Wie der nette Frühpensionär von nebenan

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Niederländer, dem die Deutsche Bank vertraut, einem Schweizer, der ein Imperium aufbaut, und einem Spanier, der vom FC Barcelona abhaut.

Wie gut ist das Näschen des Finanzinvestors Cerberus? Die Amerikaner hatten sich Anfang Januar von 21 Millionen Aktien der Deutschen Bank getrennt. Jetzt wird bekannt: Cerberus hat weitere 15 Millionen Papiere des größten deutschen Geldhauses abgestoßen. Damit sinkt der Anteil des US-Investors an der Deutschen Bank auf nur noch gut 1 Prozent.

Der Teilausstieg erfolgt zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt: Nach jahrelanger Talfahrt ist der Aktienkurs der Deutschen Bank zuletzt stark gestiegen, seit Jahresanfang um 30 Prozent, in den vergangenen zwölf Monaten sogar um mehr als 60 Prozent. Cerberus war aber schon 2017 eingestiegen, die Amerikaner machen also Verluste mit dem Verkauf. Hat der "Höllenhund" den Glauben an den hiesigen Branchenprimus verloren?

Klar ist: Ihre schlimmsten Zeiten hat die Deutsche Bank wohl hinter sich. CEO Christian Sewing bemüht sich um den Umbau des Geldhauses. Schon 2019 verabschiedete er sich von der Idee einer globalen Investmentbank, die alles anbietet. Stattdessen setzt er auf stabile, klassische Bankgeschäfte für Unternehmen und Privatkunden. Mit dem Konzept schaffte es das Institut wieder in die schwarzen Zahlen. Ihre alte Größe hat die Deutsche Bank aber noch nicht zurückerlangt.

Alexander Wynaendts soll auf diesem Weg nun helfen. Der 61-jährige Ex-Chef des niederländischen Versicherers Aegon soll im Frühjahr Nachfolger von Paul Achleitner als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank werden. Ist Wynaendts dafür der Richtige? Meine Kollegin Katharina Slodczyk hat sich den Niederländer genauer angeschaut. Resultat: Wynaendts komme rüber wie der nette Frühpensionär von nebenan, sei aber ein Mann wie ein Algorithmus: rational, kontrolliert, no-nonsense. Wenn der Österreicher Achleitner eine Wiener Melange ist, dann ist Wynaendts klassischer friesischer Filterkaffee, schreibt Slodczyk in ihrem Porträt. 

Kann er die Deutsche Bank wieder zu einem Champion machen? Auch US-Investor Cerberus wird das künftig zweifellos aufmerksam verfolgen.

Filterkaffee statt Wiener Melange: Alexander Wynaendts ersetzt Paul Achleitner an der Spitze des Deutsche-Bank-Aufsichtsrats

Filterkaffee statt Wiener Melange: Alexander Wynaendts ersetzt Paul Achleitner an der Spitze des Deutsche-Bank-Aufsichtsrats

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Spanischer Klub in Turbulenzen: Den FC Barcelona haben wir in den vergangenen Tagen bereits detailliert ausgeleuchtet. Kollege Christoph Neßhöver beschrieb ausführlich, wie der kriselnde Klub und mit ihm eine der größten Sportmarken der Welt ein Comeback schaffen wollen . Ex-Siemens-Chef und Barcelona-Fan Peter Löscher erzählte zudem im Interview  von nächtlichen Partys, von seinen Lieblingsspielern und von der Krise seines Herzensklubs. Heute erreicht uns nun eine weitere Nachricht aus dem früheren Verein von Topstar Lionel Messi: Ferran Reverter, erst seit zehn Monaten Geschäftsführer des FC Barcelona, kündigt seinen Rücktritt an.

  • Schweizer Investor mit Drang zur Welteroberung: Christophe Maire hat bereits viel Geld verdient, als er vor Jahren einen digitalen Kartendienst aufbaute, aus dem später das Datenhaus Here entstand. Here wurde 2015 für 2,8 Milliarden Euro von Audi, Daimler und BMW übernommen. Heute bastelt Maire an einem neuen Start-up-Projekt, wie Kollege Jonas Rest berichtet: Mit einem frühen Investment in den Lebensmittelbringdienst Gorillas im Zentrum will Maire ein kleines Food-Imperium aufbauen. Er investiert in künstliche Fleischproduktion und Pilzzucht. Das Ziel: Innerhalb seines Start-up-Konglomerats sollen Hidden Champions mit globalem Anspruch entstehen .

Veranstaltungstipp:

  • "Spitzen-Referent", "tolle, kurzweilige Veranstaltung", "einfach authentisch" – als meine Kollegen von manage › forward im vergangenen Jahr den Resilienzexperten Karsten Drath zu Gast hatten, gab es viel positives Feedback für seine Impulse. Nun haben sie ihn erneut eingeladen: Nächste Woche erklärt Drath in zwei kostenlosen Webinaren, welche Denkfallen uns regelmäßig runterziehen und wie wir diese überwinden können. 45 Minuten für mehr mentale Stärke – hier können Sie sich anmelden.

Meine Empfehlung für den Abend:

Barren im Blick: Gold gilt als guter Inflationsschutz für das Vermögen

Barren im Blick: Gold gilt als guter Inflationsschutz für das Vermögen

Foto: A9999 Db Heraeus/ dpa
  • Jetzt wird auch noch der Kaffee teurer. Der branchenweit einflussreiche Kaffeeröster Tchibo erhöhte in dieser Woche seine Preise, und das bereits zum zweiten Mal binnen weniger Monate. Damit steht wohl endgültig fest: Die Inflation trifft uns alle. Und während Notenbanken wie die amerikanische Fed oder die Bank of England bereits versuchen, den Preissteigerungen mit Zinserhöhungen Einhalt zu gebieten, übt sich die Europäische Zentralbank weiter in Zurückhaltung (was just heute der neue Bundesbankchef Joachim Nagel in einem Interview durch die Blume kritisierte). Geldanleger sollten also womöglich selbst versuchen, die Verluste zu begrenzen, die die Inflation in ihrem Vermögen verursachen kann. Als eine Möglichkeit dazu gilt das Investment in Gold, und tatsächlich ist die Nachfrage nach Münzen und Barren in letzter Zeit groß. Bevor Sie jedoch zum Goldhändler gehen oder beim Broker einen entsprechenden Fonds ordern, lesen Sie besser zunächst, wie gut das Edelmetall ihre Ersparnisse tatsächlich vor der Inflation schützt.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm