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Oliver Hollenstein

Der Donnerstag im Überblick Ein pompöser Autohändler und ein verwirrender Vorstandschef

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem gescheiterten Autohändler, dem Dax auf Jahrestief, einer ärgerlichen Lastwagen-Inflation und ein bisschen bayerischer Dialektik.

Alex Chesterman mag es pompös. Anfang Juni zeigte er sich als Sponsor eines Pferderennens mit Zylinder und Sonnenbrille neben Prinzessin Anne, der Schwester des britischen Thronfolgers Prinz Charles. Es war ein Termin ganz nach dem Geschmack des Briten, der seinen 2018 gegründeten Onlineautohändler Cazoo gerne zum "Amazon für Autos" machen würde. Doch hinter dem großen Auftritt bröckelte es schon damals – das zeigen interne Mails von Cazoo-Managern.

Das Geschäft der Briten funktioniert so: Cazoo kauft Privatpersonen Autos ab, bereitet diese auf und vermarktet sie zu höheren Preisen weiter. Wenn gewünscht, bekommt der Käufer sein Fahrzeug bis vor die Haustür geliefert. Der gesamte Bestellprozess läuft online ab. Nach Erfolgen in Großbritannien und einem Spac-Börsengang im vergangenen Sommer wollte Chersterman eigentlich in den großen europäischen Gebrauchtwagenmärkten Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien durchstarten. Er übernahm eine Reihe Konkurrenten (in Deutschland etwa Cluno) und setzte zum Angriff auf Auto1 und dessen Tochter Autohero an.

Doch daraus wird nun wohl nichts. Chesterman entlässt Hunderte Mitarbeiter, stampft ganze Geschäftszweige ein. Selbst eigene Führungskräfte erwarten, dass Cazoo sich absehbar wohl aus neuen Märkten wie Deutschland zurückziehen muss. Was falsch lief bei dem Start-up, auf das immerhin so bekannte Investoren wie Viking Global Investors, Mubadala Investment Company, D1 Capital and Willoughby Capital setzten, hat sich unser Kollege Christoph Seyerlein angeschaut. 

Pompöser Bruchpilot: Cazoo-Gründer Alex Chesterman mit Prinzessin Anne beim Pferderennen

Pompöser Bruchpilot: Cazoo-Gründer Alex Chesterman mit Prinzessin Anne beim Pferderennen

Foto: GLYN KIRK / AFP

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Regierungskrise in Italien erschüttert die Börse: In Italien hat der Streit über ein Konjunkturpaket eine schwere Regierungskrise ausgelöst. Am Nachmittag stand noch nicht fest, ob die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi heute an einer Vertrauensabstimmung zerbricht. Der Dax stürzte in der Folge auf ein neues Jahrestief. Auch die hohe US-Inflation verunsichert weiterhin die Anleger.

  • Telekom verkauft Fernsehtürme und Sendemasten an Finanzinvestoren: Für etwa elf Milliarden Euro trennt sich die Deutsche Telekom von der Mehrheit ihres Funkturmgeschäfts. Der kanadische Finanzinvestor Brookfield und der US-amerikanische Infrastrukturinvestor Digital Bridge erwerben 51 Prozent der Telekomtochter GD Towers. Das Unternehmen mit 800 Beschäftigten betreibt mehr als 100.000 Funktürme an rund 40.000 Standorten in Deutschland und Österreich.

  • Mehr als 500 Frauen verklagen Uber: Der Fahrdienst Uber ist in den USA wegen sexueller Übergriffe und Gewalt von Fahrern mit einer Sammelklage konfrontiert. Die Klägerinnen werfen dem Unternehmen vor, jahrelang nicht genug gegen diese Probleme unternommen zu haben.

  • Krypto-Verleiher meldet Insolvenz an: Vor einem Monat hatte Celsius Network für Aufsehen gesorgt, weil es im Krypto-Crash die Bestände seiner Anleger einfror. Die US-Firma hatte sich zuvor als einer der größten Krypto-Verleiher am Markt positioniert. Diese Unternehmen nehmen Krypto-Bestände von Anlegern entgegen, denen sie dafür attraktive Verzinsungen bieten. Jetzt folgt der nächste Schock: Celsius Network hat in New York Insolvenz angemeldet.

Die Personalien des Tages:

Spitzenkandidatin: VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo

Spitzenkandidatin: VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo

Foto: Swen Pförtner / dpa
  • Daniela Cavallo, Volkswagens Betriebsratschefin, hatte im März bei der letzten Wahl des Gremiums 85,5 Prozent der Stimmen geholt. Doch nun erklärte das Arbeitsgericht in Braunschweig die Wahl für unwirksam . Zuvor waren neun Beschwerden eingegangen, unter anderem wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei der Briefwahl. Der Betriebsrat will die Entscheidung vor dem Landesarbeitsgericht anfechten. Cavallo darf unterdessen weitermachen. Die Wahl sei unwirksam, erklären die Juristen. Nichtig sei sie jedoch nicht.

  • Andrej Karpathy, Chef der "Autopilot"-Sparte von Tesla, verlässt das Unternehmen. Der Experte für künstliche Intelligenz war 2017 zu Tesla gestoßen. Zuletzt war das Fahrassistenzsystem "Autopilot" wegen eklatanter Fehler immer wieder in der Kritik gewesen. Tesla teilte parallel zu der Personalie mit, dass im kalifornischen San Mateo 229 Beschäftigte entlassen werden, die an der Entwicklung und Verbesserung des autonomen Fahrens arbeiteten.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die Lastwagen-Inflation: Preiserhöhungen sind in diesen Tagen nicht ungewöhnlich. Richtig ärgerlich wird es allerdings, wenn die Preise für längst bestellte Ware erhöht werden. Das hat Maximilian Habisreutinger erlebt. Der Mittelständler hat bereits im Dezember mehrere Lastwagen bei Daimler Truck bestellt – nun hat der Lkw-Hersteller ihm mitgeteilt, dass seine bestellten Trucks teurer werden. Habisreutinger ist kein Einzelfall, nach dem Preisschock regt sich Widerstand. Die ganze Geschichte lesen Sie hier. 

Unsere Empfehlung für den Abend:

Neue Kühnheit: BMW-Chef Oliver Zipse zeigt den rein elektrischen i4

Neue Kühnheit: BMW-Chef Oliver Zipse zeigt den rein elektrischen i4

Foto:

Sven Hoppe / picture alliance/dpa

  • Bayerische Dialektik: Mit seinen diversen Äußerungen zur Elektromobilität hinterließ BMW-Chef Oliver Zipse zuletzt öfter mal Verwirrung. Einerseits spielte er die Ökokarte und versprach, das grünste Auto solle ein BMW sein. Andererseits warnte er vor einem schnellen Wandel. Wie grün und kühn will Zipse den bayerischen Autohersteller wirklich?, fragten sich viele. Nun ist aus These und Antithese so etwas wie Synthese geworden: Hinter den Kulissen planen die Münchner radikaler als gedacht – und doch mit Nebengleis. Wie BMW jetzt doch auf einen (fast) reinen Elektrokurs schwenkt, hat unser Kollege Michael Freitag recherchiert .

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!

Ihr Oliver Hollenstein

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