Lukas Heiny

Newsletter "Der Tag" Der Tag der Rennrad-Visionäre

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dabei: Ein Apple-Veteran in der Rennradfirma Canyon, Geldsegen für Amerikaner, Deutsch-Banker und Douglas sowie die Techbegeisterung der deutschen Industrie.

Die Garage ist in der modernen Businesswelt ein geradezu mythischer Ort. Fernab staatlicher Bürokratie materialisiert sich dort der Erfindergeist wahrer Visionäre zu erfolgreichem Unternehmertum. Walt Disney, Google, Amazon – alle in Vorstadtgaragen gegründet. Die Garage von HP, heute ein säuberlich restaurierter Bretterschuppen, gilt gar als Geburtsort des Silicon Valley. Das Motiv ist heilsgeschichtlich seit Jahrhunderten erprobt (denken Sie nur an den Stall in Bethlehem) – von seiner Faszination hat es nichts verloren.

Beim deutschen Rennradhersteller Canyon ist die Garage ein blauer Autoanhänger, aus dem heraus der Vater des heutigen Chefs Roman Arnold in den 80er Jahren Fahrradteile verkaufte. Heute ist Canyon einer der weltgrößten Fahrradversender. Das Geschäft mit den Hightech-Rennmaschinen boomt. Nun ist eine Gruppe prominenter Investoren eingestiegen, unter anderen der Apple-Veteran und iPod-Erfinder Tony Fadell, die Großes vorhaben. Canyon habe tolle Produkte, schwärmt Fadell, er bringe "das West-Coast-Mindset" mit. Womit wir wieder bei der Story mit der Garage wären. Die ganze Geschichte lesen Sie hier.  

Ausreißer: Unternehmer Roman Arnold plant mit Canyon nun Elektrovehikel

Ausreißer: Unternehmer Roman Arnold plant mit Canyon nun Elektrovehikel

Foto:

Katrin Binner für manager magazin

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages:

  • US-Präsident Joe Biden kann den ersten großen Erfolg seiner Amtszeit verzeichnen: Nachdem alle Kammern zugestimmt hatten, unterzeichnete er das 1,9 Billionen Dollar schwere Corona-Hilfspaket. Es soll helfen, die Wirtschaft des Landes wieder anzukurbeln. "Es ist nie eine gute Wette, gegen das amerikanische Volk zu wetten. Dieses Land kommt zurück", verkündete Biden ein wenig pathetisch in seiner ersten Fernsehansprache an die Nation. Schon an diesem Wochenende sollen die ersten Direktzahlungen von 1400 Dollar an Amerikaner fließen – genug, um sich eine Garage zu mieten.

  • So viel Geld wird Auswirkungen auch weit über die Grenzen der USA hinaus haben. Die Nachfrage wird dank des fiskalischen Raketentreibstoffs auch anderswo angetrieben. Nur – das zeigt eine Analyse aus dem aktuellen "Economist", die wir Ihnen gern präsentieren – wird der Rest der Welt das Tempo nicht mitgehen können. Die Wette des Joe Biden. 

  • Geldsegen auch bei der Deutschen Bank. Kaum in den schwarzen Zahlen, belohnt das Institut seine Topleute. Der Vorstand um Christian Sewing bekommt mehr (Sewings Gesamtvergütung steigt um 50 Prozent auf 7,4 Millionen Euro) – und vor allem die wieder erstarkten Investmentbanker dürfen sich über Boni freuen. Die Folge: Hundert neue Einkommensmillionäre in der Deutschen Bank.

  • Die Parfümeriekette Douglas unter Leitung von Tina Müller besorgt sich frisches Geld, um Schulden von rund 2,1 Milliarden Euro zu refinanzieren. Auch Eigner CVC, der eine Rückkehr von Douglas an die Börse anstrebt, gehört zu den Geldgebern.

  • An den Börsen gingen die Kurse heute insgesamt ein wenig zurück, am Ende der Woche aber bleibt beim Dax ein Plus von vier Prozent.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Das Oberlandesgericht Frankfurt wertet die inzwischen berüchtigten "Cum-Ex"-Aktiengeschäfte nicht nur als Steuerhinterziehung. Es bestehe der dringende Tatverdacht des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs sowie der Steuerhinterziehung, so das Gericht. Das hat Folgen.

Meine Empfehlungen für den Abend:

Tick-Tack-Tech: VW-Markenchef Ralf Brandstätter ist nur einer der Tech-Prediger.

Tick-Tack-Tech: VW-Markenchef Ralf Brandstätter ist nur einer der Tech-Prediger.

Foto: Peter Hartenfelser/ imago images/Hartenfelser
  • Mit aller Macht und vor allem viel Geld baut Vorstandschef Herbert Diess den Volkswagen-Konzern aktuell in eine Techcompany um.  Anfang März stellte VW-Markenchef Ralf Brandstätter dann ganz konkret die milliardenschweren Pläne des Konzerns vor. Das hörte sich zwar alles sehr nach Zukunft an, aber eben auch noch nach viel Hoffnung: Der Konzern will mit Daten Geld verdienen und seinen Kunden künftig Softwareservices anbieten, ebenfalls gegen Geld natürlich. Bei fast allem, was der größte deutsche Industriekonzern und praktisch alle anderen deutschen Industriestrategen derzeit kommunizieren, spielen die Begriffe Tech und Software eine Rolle. Schafft der starke industrielle Kern Deutschlands den Sprung in das Tech- und Software-Zeitalter? Oder wird das Land zu einem Industriemuseum? Wo stehen einstige und aktuelle Vorzeigekonzerne wie Bosch, BMW, Daimler, SAP, Siemens oder Thyssenkrupp? Diese Fragen diskutieren meine Kollegen Michael Freitag, Martin Noé und Sven Clausen in unserem wöchentlichen Podcast "Das Thema", den ich Ihnen sehr ans Ohr lege.

  • Und hier noch ein Tipp der amerikanischen Ökonomin, Businesstrainerin und Keynote-Speakerin Deborah Grayson Riegel. Die frühlingshaften Temperaturen ziehen uns zum Spaziergang in die Natur. Raus dem Homeoffice, weg vom Schreibtisch, das klingt verlockend. Am Wochenende sowieso, aber als Vorsatz auch für die kommende Arbeitswoche. Denn Sie können die Auszeit im Freien auch für Ihre Arbeit nutzen. Warum Spaziergänge wichtig sind. 
     

Bleiben Sie gesund, herzlich, Ihr Lukas Heiny

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