Christoph Seyerlein

manage:mobility Build Your Dreams träumt richtig groß

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den USA standen gerade die Midterms an. Da die Demokraten besser abschnitten als von vielen erwartet, entwickelte sich eine Zitterpartie zumindest um die Mehrheit im Senat. Das finale Ergebnis steht noch aus.

Die Wahlen werden sicher auch von deutschen Automanagerinnen und -managern verfolgt. Fast alle setzen auf Wachstum in den USA; und die Republikaner gelten als im Zweifel protektionistischer, könnten es ausländischen Herstellern (noch) schwerer machen.

Importe aus den USA müssen die Deutschen derweil eher nicht fürchten. Da bringt sich ein anderer Staat in Stellung: China. Marken wie Nio, Great Wall und BYD klopfen in Deutschland und Europa alles andere als sanft an. Das zeigt auch eines unserer Themen der Woche:

  • Wie viele Autos BYD in Deutschland verkaufen will

  • Wieso der VfB um den Mercedes-Stern auf der Brust bangen muss

  • Warum kein Ende der Zulieferkrise in Sicht ist

Topthema: BYD und die irren Pläne für den deutschen Markt

Atto im Anmarsch: BYD will den deutschen Automarkt aufrollen

Atto im Anmarsch: BYD will den deutschen Automarkt aufrollen

Foto: Kabir Jhangiani / IMAGO / ZUMA Wire

Noch in diesem Jahr will die chinesische Elektroauto-Marke BYD den deutschen Markt entern. Dabei gilt: keine halben Sachen! Der Hersteller schweigt eisern zu seinen Verkaufszielen, wir haben sie herausbekommen . Sollten sich die Träume von Build Your Dreams erfüllen, werden sich andere umsehen müssen.

Köpfe: Daniela Mattheus ++ Julia Willie Hamburg ++ Nelly Kennedy

Gleiswechsel: Daniela Mattheus ist neu im Bahn-Aufsichtsrat

Gleiswechsel: Daniela Mattheus ist neu im Bahn-Aufsichtsrat

Foto:

Flavio Lo Scalzo / EPA-EFE

  • Daniela Mattheus (50) ist neu im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn. Von ihr darf man kritische Nachfragen zu den Leistungen und Ideen des Vorstands erwarten, berichtet mein Kollege Michael Machatschke .

  • Julia Willie Hamburg (36) zieht ebenfalls in einen Aufsichtsrat ein - und zwar den von Volkswagen. Die neue grüne Kultusministerin Niedersachsens gilt als Auto- und Chinakritikerin. Das verspricht - ähnlich wie bei der Bahn - Konfliktpotenzial.

  • Vassilia "Nelly" Kennedy (52) wechselt dagegen in operativer Rolle zu VW . Sie folgt als Marketingleiterin auf Jochen Sengpiehl (53), der nun in China das Image des Autobauers aufpolieren muss. Kennedy, zuvor bei Google, soll VW laut CEO Thomas Schäfer (52) zu einer "echten People's Brand" machen, Marketingvorständin Imelda Labbé (55) sehnt sich gar nach einer "echten Love Brand". Wünsch Dir was in Wolfsburg.

Unternehmen: Mercedes ++ Schaeffler ++ Renault

Neuer Sponsor, bitte melden: Die Anzeichen, dass der VfB Stuttgart, hier im Bild Stürmer Serhou Guirassy, im kommenden Jahr nicht mehr den Mercedes-Stern auf dem Trikot haben werden, verdichten sich

Neuer Sponsor, bitte melden: Die Anzeichen, dass der VfB Stuttgart, hier im Bild Stürmer Serhou Guirassy, im kommenden Jahr nicht mehr den Mercedes-Stern auf dem Trikot haben werden, verdichten sich

Foto: Tom Weller / dpa
  • Während Mercedes voll in Richtung Luxus fährt, reichen die Leistungen des VfB Stuttgart in der Fußball-Bundesliga kaum fürs Mittelmaß. Wohl zu wenig für die Ansprüche des Großsponsors Mercedes: 2023 endet der Vertrag zwischen Autobauer und Fußballclub. Die Anzeichen verdichten sich, dass die VfB-Spieler bald nicht mehr den Mercedes-Stern auf der Brust tragen . Beim Geld endet die Heimatliebe.

  • Gespart wird auch bei Schaeffler. Der Autozulieferer streicht 1300 Stellen, größtenteils in der Verwaltung und in Bereichen, die stark am Verbrennungsmotor hängen. Die Elektromobilität setzt sich schneller durch, als viele erwartet haben.

  • Luca de Meo (55) hat am Dienstag seine Zerschlagungspläne für Renault auch offiziell verkündet. Aufmerksame Leserinnen und Leser wissen: Wir haben bereits vorab ausführlich berichtet  und uns das waghalsige Vorhaben vom Chef persönlich erläutern lassen .

Mehr Mobilität: Magnetschwebebahn-Schlitten ++ Sono Motors ++ Bordsteinladen ++ Lyft

Fast schon Schallgeschwindigkeit: Rasend schnelle Magnetschwebebahnen gehören in China zum Verkehrsmix

Fast schon Schallgeschwindigkeit: Rasend schnelle Magnetschwebebahnen gehören in China zum Verkehrsmix

Foto: Zhang jinggang / Imaginechina / AP
  • Erinnern Sie sich noch an den Transrapid? Fuhr rasend schnell durchs Emsland, endete hierzulande aber 2008 im Desaster. In China gehören Magnetschwebebahnen dagegen zum Verkehrsmix. In Jinan testen sie nun einen "Schlitten", der eine Höchstgeschwindigkeit von 1030 Stundenkilometern  erreichen soll. Rasante Pläne allerorten im Reich der Mitte.

  • In rund einem Jahr soll das Solarauto Sion nach langer Odyssee tatsächlich den Weg auf die Straßen finden. Schon jetzt sorgt Sono Motors für die Fälle vor, in denen selbst Sonnenkraft nicht zum Weiterfahren reicht: Im Laufe des Tages werden die Münchner Bosch Car Service als Werkstattpartner präsentieren.

  • Rheinmetall gehört zu jenen Autozulieferern, die für Verbrennertechnik bekannt sind. Jetzt aber, die Transformation erfordert Innovation, kommt auch Ladeinfrastruktur für E-Autos ins Angebot. Aber keine gewöhnliche: Der DAX-Konzern will Bordsteine zu Ladepunkten  machen. Die Module sollen bis zu 22 Kilowatt Leistung liefern und im Vergleich zu herkömmlichen Säulen Platz sparen. Achtung, Wortwitz: Wir sind gespannt.

  • Die Zeit der Sparrunden in der Mobilitätsbranche ist noch nicht vorbei. Nun hat Fahrdienstvermittler Lyft 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen  - etwa 13 Prozent seiner Belegschaft.

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Zahl der Woche: 3,7

Der Multikrise ausgeliefert: Autozulieferer haben schwer zu kämpfen

Der Multikrise ausgeliefert: Autozulieferer haben schwer zu kämpfen

Foto:

Felix Kästle / dpa

Normalerweise liegen die Renditen von Automobilzulieferern ein wenig über denen der Fahrzeughersteller. Im ersten Halbjahr 2022 ging die Schere weit auseinander - zugunsten der Autobauer. Die Margen der Top 15 lagen mit durchschnittlich 8 Prozent um 3,7 Prozentpunkte über denen der größten Zulieferer. Mehr denn je drohten auf Seiten der Lieferanten Pleiten, Übernahmen und Exits, warnen die Oliver-Wyman-Experten Maximilian Majic und Simon Schnurrer.

Deep Drive der Woche: Lieber fahren lassen als selbst fahren?

Noch ist autonomes Fahren Zukunftsmusik. Laut einer Studie  der Beratung MHP und das Fraunhofer Instituts würden aber 70 Prozent der Autofahrer auf ihren Pkw verzichten, wenn es attraktive autonom fahrende Dienste gäbe. Die besten Zukunftschancen räumen die Autoren eher größeren People Movern ein. Private Roboautos seien dagegen unwahrscheinlich. Einzige Ausnahme, wer hätte es gedacht: China.

Transformer der Woche

Kreative Klimareklame: Der Hamburger Verkehrsverbund hat anlässlich der Weltklimakonferenz die Namen einiger Haltestellen für wenige Tage umbenannt

Kreative Klimareklame: Der Hamburger Verkehrsverbund hat anlässlich der Weltklimakonferenz die Namen einiger Haltestellen für wenige Tage umbenannt

Foto: Georg Wendt / dpa

In Ägypten läuft derzeit die 27. Weltklimakonferenz. Ein wichtiger Hebel, um die Erderwärmung nicht aus dem Ruder laufen zu lassen, ist der Mobilitätssektor. Der Hamburger Verkehrsverbund  will darauf aufmerksam machen. Für drei Tage hat er 14 ÖPNV-Haltestellen umbenannt. Aus Eppendorfer Baum wurde beispielsweise Steppendorfer Baum, aus Hammerbrook Havannerbrook. Klimareklame geht auch kreativ, Chapeau!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche.

Herzlichst, Ihr Christoph Seyerlein

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