Corinna Scheying

Der Tag im Überblick Aufbruchshoffnungen nach der Wahl

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Wirtschaftsstimmen zum Ausgang der Bundestagswahl, Geldanlage mit Agtech-Investments und den beliebtesten Dienstwagen.

Mit frisch gestrichener politischer Landkarte starten wir in die neue Woche. Nun liegt es an Grün und Gelb, ob das Kanzleramt künftig mit Olaf Scholz (SPD) rot oder Armin Laschet (CDU) schwarz besetzt wird. Während in Berlin die ersten Annäherungsversuche starten, haben wir versucht, die Stimmung in der deutschen Wirtschaft einzufangen: Zehn Managerinnen und Manager haben uns ihre Einschätzung zum Wahlergebnis und ihre Wünsche an die künftige Bundesregierung übermittelt. So unterschiedlich die Persönlichkeiten sind, in ihrer Forderung nach Aufbruch klingen sie erstaunlich einmütig: Es braucht 1. eine schnelle Regierungsbildung, 2. bloß kein "Weiter so", 3. echte Klimapolitik und 4. Tempo bei der Digitalisierung.

Lindner, Baerbock, Scholz: Machen FDP und Grüne Olaf Scholz zum Kanzler?

Lindner, Baerbock, Scholz: Machen FDP und Grüne Olaf Scholz zum Kanzler?

Foto:

CLEMENS BILAN / POOL / EPA

Was die Teams um die Grünen-Spitze Baerbock / Habeck und Christian Lindner (FDP) in den kommenden Wochen aushandeln, sollte und dürfte zentrale Weichen für die deutsche Wirtschaft stellen – vermutlich mehr als die danach anstehenden offiziellen Sondierungen und Koalitionsverhandlungen mit der Kanzlerpartei. Für die Unternehmen steht viel auf dem Spiel. Mein Kollege Arvid Kaiser hat die Positionen der Pasta-Parteien in den Punkten Steuern, Investitionen, Klima, Energie, Rente und Arbeitsmarkt gegenübergestellt – und sogar schon einmal nach Kompromissen gesucht.

Außerdem zur Bundestagswahl:

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Die Mehrheit der Berliner (56,4 Prozent) hat beim Volksentscheid für die – rechtlich höchst umstrittene – Enteignung großer Immobiliengesellschaften gestimmt. Ob Vonovia, Deutsche Wohnen und Co. bald Wohnungen abgeben müssen und ob der Anstieg der Mieten in der Hauptstadt damit gebremst werden kann, ist allerdings aus mindestens drei Gründen offen: Das Votum ist 1. für den Senat nicht bindend, es ist 2. nicht unwahrscheinlich, dass es vom Bundesverfassungsgericht gekippt wird, und 3. ist fraglich, ob sich der Senat die Enteignungen überhaupt leisten könnte. Der Immobilienmarkt in Berlin bleibt jedenfalls heiß umkämpft. Am Montag verkündete Vonovia, inzwischen die ersehnte Mehrheit am Rivalen Deutsche Wohnen zu halten. Und praktisch während die Berliner für Enteignung stimmte, verkündete der schwedische Immobilienriese Heimstaden die Übernahme von 14.000 Wohnungen in der Hauptstadt.

  • Die schwedische Luxus-Elektroautomarke Polestar will über eine Spac-Unternehmenshülle an die Börse gehen. Das von Volvo und seiner chinesischen Mutter Geely unterstützte Joint Venture strebt bei dem Börsengang eine Bewertung von bis zu 20 Milliarden US-Dollar an.

  • Die Aktien der Elektrautotochter des wankenden chinesischen Konglomerats Evergrande dagegen stürzten ab. Von den einst 80 Milliarden Dollar Börsenwert ist nicht mehr viel übrig. Stellt sich die Frage: Ist das jetzt der Anfang vom Ende? Und was würde das für Kettenreaktionen auslösen? Die Kollegen vom "Economist" haben erörtert , wie die systemischen Risiken sich auswirken würden – weswegen ich Ihnen den Text gern zur Lektüre empfehle.

  • In sozialen Netzwerken wie Reddit ballen sich Kleinanleger mit einem neuen Ziel zusammen: Sie treiben die Kurse für Uran-Investments. Die Prämisse ihrer Wette lautet, dass die Welt zwingend mehr Nuklearenergie brauche, um Klimaschutz und Energiesicherheit miteinander zu vereinbaren. Folglich sei ein Mangel des knappen Rohstoffs Uran absehbar. Was ist dran an der Hoffnung auf ein Comeback der Kernkraft?

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Für die Autoindustrie sind Firmenkunden enorm wichtig: Allein im August entfiel rund ein Viertel aller Neuzulassungen in Deutschland auf die Fuhrparks von Unternehmen. Unser Überblick zeigt, auf welche Marken Flottenmanager und Mitarbeiter bei der Auswahl von Dienstwagen setzen und welche Antriebe sie bevorzugen: Das sind die beliebtesten Dienstwagen.

Was Sie heute noch für Ihr Berufsleben lernen können:

  • Der wichtigste Faktor für den Erfolg von Teamwork ist psychologische Sicherheit. Dazu gehören Vertrauen, Wertschätzung, Akzeptanz von Grenzen. Ein solches Setting aufzubauen braucht Zeit und Disziplin. Zwei Methoden aus der Psychologie stärken die Empathie in Teams und sorgen dafür, dass aus Stress und Meinungsverschiedenheiten kein Kleinkrieg wird – Unternehmensberater Stefano Mastrogiacomo erklärt sie. 

Meine Empfehlung für den Abend:

Geldanlage in Stall und Acker: Anleger können mit Agtech-Investments am Boom teilhaben

Geldanlage in Stall und Acker: Anleger können mit Agtech-Investments am Boom teilhaben

Foto: PR
  • In der Landwirtschafts- und Ernährungsindustrie treffen sich gleich mehrere Megatrends wie Digitalisierung oder Smart Farming. Autonome Landmaschinen, intelligente Futterautomaten und Drohnen erleichtern Landwirten die Arbeit. Der Technologiezuwachs zieht immer mehr Kapital an – und dank der wachsenden Weltbevölkerung fährt der Agrarsektor auf langfristig solidem Wachstumskurs. Wie Anleger vom Agtech-Boom profitieren können, lesen m+-Leserinnen und -Leser hier. 

Herzlich, Ihre Corinna Scheying

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.