Marleen Gründel

Der Mittwoch im Überblick Der Beginn und das Ende der Elektromobilität

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem unprofitablen E-Auto-Geschäft, einem norwegischen E-Auto-Verbot und drei gewinnbringenden E-Auto-Herstellern.

Liebe Leserin, lieber Leser,

kurz vor Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine übernahm Stefan Hartung die Führung des Autozulieferers Bosch. Statt der erhofften Nachholeffekte aus der Corona-Zeit musste sich der 57-Jährige mit Inflation, Halbleitermangel und strikten Corona-Beschränkungen in China herumschlagen.

An seinen Ambitionen hat das Jahr Krise nichts geändert. Hartung will mit dem Stiftungskonzern zweistellig wachsen. Seine Formel, Zitat: "Wachstumsziel plus Inflationsrate". Vor allem die Bereiche Haushaltsgeräte, Werkzeuge und Industriegüter sollen ausgebaut werden, um die Abhängigkeit vom Automobilgeschäft zu verringern. Zudem will der Bosch-Boss das außereuropäische Geschäft stärken. China ist und bleibt dabei trotz aller Kritik für ihn ein wichtiger Standort. "Wir wollen in China nicht nur mithalten; wir wollen gewinnen", erklärt Hartung im Interview mit unseren Kollegen Michael Freitag und Margret Hucko. Vor allem der Markt für Elektromobilität wachse dort rasant.

Von dem künftigen Wachstumsfeld Elektromobilität spricht Bosch allerdings schon seit mindestens zehn Jahren. Bisher hat sich daraus nur leider noch kein Geschäft für den weltgrößten Autozulieferer ergeben. Woran das liegt, ab wann Hartung mit Gewinnen in diesem Segment rechnet und was er nach einem Jahr an der Bosch-Spitze feiert, erfahren Sie hier: "Bei der Elektromobilität fangen wir wieder bei null an." 

Krisenerprobt: Bosch-Chef Stefan Hartung übernahm die Spitze des Mischkonzerns in einer Zeit, die geprägt war durch Corona, Inflation und Ukraine-Krieg

Krisenerprobt: Bosch-Chef Stefan Hartung übernahm die Spitze des Mischkonzerns in einer Zeit, die geprägt war durch Corona, Inflation und Ukraine-Krieg

Foto: Annette Cardinale für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Verbot für Elektroautos: Wir bleiben bei den E-Autos. Norwegen gilt eigentlich als Vorreiter in Sachen Elektromobilität. Umso unglaublicher die Nachricht, über die unser Kollege Helmut Reich heute berichtet: Die norwegische Schifffahrtslinie Havila Kystruten verbietet als erste Reederei auf ihren Schiffen den Transport von E-Autos – aus Sicherheitsgründen, wie es heißt. Das Unternehmen will offenbar einen ähnlichen Fall wie den spektakulären Untergang der "Felicity Ace" vor einem Jahr verhindern.

  • Gewinnbringer an der Börse: Rund 1,7 Billionen Euro wurden in den vergangenen 20 Jahren am deutschen Aktienmarkt in Form von Dividenden, Kursgewinnen und Aktienrückkäufen erwirtschaftet. Das zeigt eine Studie der Denkfabrik Flossbach von Storch Research Institutes. Interessantes Detail: Gerade einmal zwölf Aktien generierten rund die Hälfte des geschaffenen Gesamtwertes. Ganz oben auf der Liste steht übrigens Siemens, auch die drei deutschen Autobauer schaffen es unter die Top Ten. Größter Kapitalvernichter ist das Papier der Deutschen Bank.

  • Krise in der Tech-Branche: Der Softwarekonzern Microsoft will rund 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen. Das sind etwa 5 Prozent der Belegschaft. Der Tech-Gigant hatte wie viele Konkurrenten in der Pandemie zu viel Personal eingestellt und greift nun angesichts der steigenden Inflation und der drohenden Rezession zum Rotstift.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Lindes Börsenrückzug: Bereits gestern hatten wir Sie an dieser Stelle über den bevorstehenden Abschied des Dax-Riesen Linde von der Frankfurter Börse informiert . Unser Kollegen Eva Buchhorn und Christoph Rottwilm haben darüber auch mit dem Finanzprofessor Henning Zülch gesprochen, der darin ein gefährliches Signal für den Finanzplatz Deutschland sieht. "Deutschland ist für Investoren einfach kein place to be", erklärt der Kapitalmarktexperte im Interview. Wo Zülch die Probleme sieht und was er verändern würde, verrät er hier . Über den Ausgang der heutigen Aktionärsabstimmung auf der Hauptversammlung halten wir Sie natürlich auf manager-magazin.de auf dem Laufenden.

  • Der dümmste Fehler der deutschen Gründerszene: Seit Jahren rennen Gründer in Deutschland einem Ziel hinterher: einer möglichst hohen Bewertung. In den Augen unserer beiden neuen Kolumnisten, dem Digitalunternehmer Marcus Diekmann und dem Co-Gründer der Lifestyle-Modemarke Snocks, Johannes Kliesch, ist das "ziemlich bekloppt". Warum die Szene so viel "Bullshit" produziert und was Gründer besser machen sollten, erfahren Sie hier in unserer neuen Tech- und Start-up-Kolumne.

  • Das verschwundene Geld von FTX: Der Gründer der insolventen Kryptobörse soll seine Kundschaft um mehrere Milliarden Dollar betrogen haben. Doch wie war das möglich? Offenbar mit einer 65 Milliarden Dollar breiten Hintertür, wie die Kollegen vom Business Insider berichten. Das verschobene Geld investierte Sam Bankman-Fried dann überwiegend in Luxusimmobilien, Privatjets – und die beiden politischen Parteien der USA.

Das Neueste aus dem Harvard Business manager:

Ein Freund, ein guter Freund: Nichts ist für die Arbeitszufriedenheit wichtiger als gute Beziehungen zu den Kolleginnen und Kollegen

Ein Freund, ein guter Freund: Nichts ist für die Arbeitszufriedenheit wichtiger als gute Beziehungen zu den Kolleginnen und Kollegen

Foto: Maskot / Getty Images/Maskot
  • Freundschaften: Viele Führungskräfte sind noch immer der Ansicht, dass Privates auf der Arbeit nichts zu suchen habe und investieren dementsprechend wenig bis gar nicht in das soziale Wohlergehen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dabei hat das Forschungsinstitut Gallup herausgefunden, dass enge Freundschaften die Produktivität am Arbeitsplatz erhöhen. Lesen Sie hier , wie Sie ein gutes Arbeitsumfeld schaffen, in dem Freundschaften nachweislich gedeihen.

  • Veranstaltungstipp: Moderne Strategiearbeit muss heute mehr leisten als nur die bestehende Wettbewerbsposition zu verbessern – Unternehmen müssen parallel dazu auch die Zukunft erfinden. Alexander Osterwalder ist am Donnerstag zu Gast im virtuellen Community-Event OPEN HOUSE vom Harvard Business manager und wird erklären, wie erfolgreiche Unternehmen heute Strategien entwickeln. Osterwalder kennen Sie sicher – er ist Erfinder der Business Model Canvas und einer der erfolgreichsten Experten zum Thema Innovation und Strategie. Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann melden Sie sich gern hier kostenlos an und stellen ihm Ihre Fragen.

Meine Empfehlung für den Abend:

Bis auf den "Stern" könnt ihr alle gehen: Vor einem guten Jahr zwang Bertelsmann-Chef Thomas Rabe Gruner+Jahr unter das Dach von RTL. Nun muss er die Scherben aufkehren.

Bis auf den "Stern" könnt ihr alle gehen: Vor einem guten Jahr zwang Bertelsmann-Chef Thomas Rabe Gruner+Jahr unter das Dach von RTL. Nun muss er die Scherben aufkehren.

Foto: Roman Pawlowski / DER SPIEGEL
  • Eigentlich wollte Bertelsmann-CEO Thomas Rabe aus den gemeinsamen Inhalten von RTL und Gruner + Jahr eine Wunder-App speisen, als lokaler Gegenspieler zu Netflix, Spotify und Co. Doch von den Plänen ist wenig übrig, inzwischen wird die einstige Renditeperle Gruner + Jahr Stück für Stück zerlegt – und zwar unter höchstem Zeitdruck. Alles jenseits des "Stern" sei Verfügungsmasse, lautet die Marschrichtung. Unser neuer Kollege Henning Hinze berichtet über die "Implosion eines einst stolzen Verlagshauses ".

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel

Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter chefredaktion@manager-magazin.de .

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