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Kai Lange

Der Mittwoch im Überblick Boeings endlose Tragödie

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Luftfahrt-Riesen, dem die Zerschlagung droht, einem Autobauer, der die Flucht nach vorn antritt, und einem Autohändler, der den Rückzug aus Deutschland prüft.

Als Boeing-Chef Dave Calhoun Anfang 2020 das Kommando bei der US-Industrieikone übernahm, war der Flugzeug- und Rüstungskonzern schwer angeschlagen. Bei zwei Abstürzen des neuen Modells Boeing 737 Max waren 346 Menschen gestorben – eine nie dagewesene Katastrophe. In der Folge durften die Max-Maschinen nicht mehr abheben. Noch schwerer als der ökonomische Schaden von 25 Milliarden Dollar wog die Erkenntnis, dass die Unglücke vermeidbar gewesen wären, wenn Boeing bei der Entwicklung des Jets keine Abkürzungen genommen hätte. Calhouns Mission lautete schlicht: Den Stolz der US-Industrie vor dem Untergang retten.

Doch der Boeing-Chef entpuppt sich mehr und mehr als Fehlbesetzung, wie unser Kollege Michael Machatschke in seinem Inside-Report schreibt. Beim Hoffnungsträger "Dreamliner" 787 passen die Rumpfteile nicht so zusammen, wie sie sollen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat jegliches Vertrauen in Boeing verloren und schaut jetzt ganz genau hin. Im Militärgeschäft folgt derzeit Panne auf Panne. Sogar die Kunden verlieren die Geduld: "Die Manager von Boeing laufen herum wie kopflose Hühner", schimpfte kürzlich Ryanair-Chef Michael O´Leary.

Die Boeing-Tragödie geht also weiter. Schon kursiert die Sorge, das Traditionshaus aus Seattle – gegründet 1916 vom deutschstämmigen William Boeing – könne am Ende zerschlagen werden: in einen militärischen und einen zivilen Teil. Das würde die Sparte Verkehrsflugzeuge wohl noch weiter schwächen. Der glücklose Chef Calhoun darf dennoch bis 2028 weiterwursteln. Das sind schlechte Aussichten für Boeing, schreibt Machatschke. Und es sind verheerende Perspektiven für die ganze Branche.

Albtraum Dreamliner: Der glücklose Boeing-Chef Dave Calhoun darf weiterwursteln. Boeing droht die Zerschlagung

Albtraum Dreamliner: Der glücklose Boeing-Chef Dave Calhoun darf weiterwursteln. Boeing droht die Zerschlagung

Foto: Tim Kelly / Reuters

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Wohnungsriese Vonovia verkauft Wohnungen: Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia will Wohnungen im Wert von 13 Milliarden Euro verkaufen, um seine Schulden zu senken. "In Zeiten steigender Zinsen ist es sinnvoll, Schulden zu reduzieren", sagte Vonovia-Chef Rolf Buch. Nach der Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen hatte Vonovia im ersten Halbjahr ein deutliches Plus bei Umsatz und Gewinn ausgewiesen. Der Konzern hat bereits Mieterhöhungen angekündigt.

  • Taiwan-Besuch sorgt für Spannungen: Der Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi in Taiwan belastet weiter die Beziehungen zwischen China und den USA. Peking reagierte noch am Tag der Visite mit Sanktionen gegen Taiwan. Beobachter fürchten eine weitere Eskalation des Konflikts. Sanktionen gegen China dürften schwer wiegende Folgen für die europäische Wirtschaft haben: Eine Einschätzung zu den möglichen Folgen lesen Sie auf manager-magazin.de.

  • Deutscher E-Auto-Hersteller strebt an die Börse: Der deutsche Elektroauto-Hersteller Next e.Go will nach seiner Insolvenz im Jahr 2020 wieder durchstarten. Das Unternehmen aus Aachen plant einen Börsengang an der New Yorker Börse mit Hilfe einer leeren Firmenhülle. Für diesen Zweck will Next e.Go einen Firmenmantel der Athena Acquisition Corporation nutzen, die der Fintech-Unternehmerin Isabelle Freidheim gehört.

  • Elliott steigt bei Paypal ein: Der aktivistische Investor Elliott ist beim krisengeplagten Online-Bezahldienst Paypal eingestiegen. Der von Paul Singer geführte Hedgefonds hat mehr als zwei Milliarden Dollar investiert und ist damit zu einem der größten Aktionäre des Unternehmens geworden. Aktionäre schöpfen nach dem jüngsten Kursrutsch neue Hoffnung: Die Aktien von Paypal legten am Mittwoch an der Wall Street zweistellig zu.

Der Karrieretipp des Tages:

  • Nicht nach Bauchgefühl entscheiden: Tag für Tag treffen Manager Entscheidungen: über Produkte, Kunden, Ressourcen und vieles mehr. Meist stützen sie sich dabei auf Annahmen, die sie nie hinterfragt oder überprüft haben. Unsere Kollegen vom Harvard Business Manager haben dagegen herausgefunden, dass die erfolgreichsten Manager eher wie Wissenschaftler agieren. Sie führen Experimente durch und stützen sich auf belastbare Daten. Wie wichtig es ist, Annahmen systematisch zu testen und Bauchgefühl durch Fakten zu ersetzen, lesen Sie hier.

Meine Empfehlung für den Abend:

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Foto: RONALD WITTEK / EPA
  • Online-Autohändler mit Problemen: Dem Online-Autohändler Cazoo fehlt es nicht an Selbstbewusstsein. Das britische Unternehmen, seit neun Monaten auch in Deutschland aktiv, will das "Amazon für Gebrauchtwagen" sein. So sieht es zumindest Cazoo-Chef Alex Chesterman, der in dieser Woche allerdings äußerst triste Halbjahreszahlen verkünden musste. Die Briten verkauften zwar mehr als doppelt so viele Gebrauchtwagen wie vor Jahresfrist, der Verlust stieg jedoch noch stärker auf 243 Millionen Pfund. Wie unser Kollege Christoph Seyerlein erfahren hat, steht bei Cazoo inzwischen auch infrage, wie lange das Unternehmen noch in Märkten wie Deutschland, Frankreich oder Spanien aktiv sein will. Alles über Cazoos möglichen Rückzug aus Deutschland lesen Sie hier.

Herzlich, Ihr Kai Lange

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