Christoph Seyerlein

manage:mobility Schluss mit dem Schlingern: BMW fährt elektrisch

Liebe Leserin, lieber Leser,

Friedrich Merz (66) hat mit seinem Wochenendtrip im Privatflieger zur Hochzeit von Franca Lehfeldt (32) und Christian Lindner (43) die Nation gespalten: Die einen sehen im CDU-Chef einen aus der Zeit gefallenen Großkotz, der besser mit dem 9-Euro-Ticket nach Sylt gereist wäre. Das andere Lager meint, man solle Merz seine Mobilitätsfreiheit lassen. Und seine Diamond DA62 verbrauche in einer Flugstunde nicht wesentlich mehr Diesel als ein großes SUV auf einer vergleichbaren Strecke.

Um in Zukunft schlagkräftigere Argumente zu haben, könnte sich Merz für eine klimaschonende Luftfahrt einsetzen. Die passende Informationsgrundlage liefert meine Kollegin Marleen Gründel: Sie hat recherchiert, wie die Branche nachhaltiger werden will.

Weitere Highlight-Themen in dieser Woche:

  • Wie BMWs Antriebspläne für die Zukunft wirklich aussehen.

  • Warum der Online-Autohändler Cazoo heftig abgestürzt ist.

  • Weshalb Lkw-Hersteller Kunden gegen sich aufbringen.

Top-Thema: BMW setzt nun doch (fast) alles auf Elektro

Endstation Elektro: Auch BMW-Chef Oliver Zipse lenkt nun nahezu vollständig ein

Endstation Elektro: Auch BMW-Chef Oliver Zipse lenkt nun nahezu vollständig ein

Foto:

Sven Hoppe / picture alliance/dpa

Für seinen "Power-of-Choice"-Kurs wurde BMW-Chef Oliver Zipse (58) immer wieder getadelt. Technologieoffenheit sei ein Strohhalm ewig Gestriger, Elektromobilität die einzig wahre Pkw-Zukunft, sagen seine Kritiker. Zipse warnte, auch in seiner Funktion als Chef des europäischen Branchenverbands Acea, vor einem zu schnellen Umschalten auf Elektro. Hinter den Kulissen planen die Münchner aber doch radikaler als gedacht, wie mein Kollege Michael Freitag herausgefunden hat .

Köpfe: Alex Chesterman ++ Wolf-Henning Scheider ++ Daniela Cavallo ++ Elon Musk

Pompöser Bruchpilot: Cazoo-Gründer Alex Chesterman mit Prinzessin Anne beim Pferderennen

Pompöser Bruchpilot: Cazoo-Gründer Alex Chesterman mit Prinzessin Anne beim Pferderennen

Foto: GLYN KIRK / AFP
  • Alex Chesterman (52), Gründer von Cazoo, denkt groß. Das "Amazon für Autos" soll sein Online-Gebrauchtwagenhändler werden. Über zwei Milliarden Dollar hat der Brite eingesammelt, das Unternehmen an die Börse gebracht, die Expansion angeschoben - und ist dennoch böse abgestürzt. Woran Cazoo scheitert, skizzierten uns mehrere Insider .

  • Wolf-Henning Scheider (60) zieht es in die Finanzbranche. Dass der Noch-Chef den Autozulieferer ZF Friedrichshafen Ende 2022 verlassen wird, war schon seit dem Frühjahr klar. Ende letzter Woche klärte der Konzern die Nachfolge, Holger Klein (52) übernimmt 2023. Und Scheider? Der geht in die Schweiz zur Partners Group und verwaltet künftig Vermögen im Wert von 63 Milliarden Dollar.

  • Daniela Cavallo (47), Volkswagens Betriebsratschefin, hatte im März bei der letzten Wahl des Gremiums 85,5 Prozent der Stimmen geholt. Doch nun erklärte das Braunschweiger Arbeitsgericht die Wahl für unwirksam. Zuvor waren neun Beschwerdeanträge eingegangen, unter anderem wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei der Briefwahl. Der Betriebsrat will die Entscheidung vor dem Landesarbeitsgericht anfechten. Und Cavallo? Bleibt im Amt und darf weitermachen. Die Wahl sei unwirksam, erklären die Juristen. Nichtig sei sie nicht.

  • Elon Musk (51) kann die Twitter-Saga nicht einfach so hinter sich lassen. Nachdem er die geplante Übernahme platzen ließ, verklagte Twitter den Tesla-Chef nun. Die Online-Plattform wirft Musk "Heuchelei" vor. Wie lächerlich der Unternehmer selbst das findet, gab er bereits vor einigen Tagen - wie könnte es anders sein - per Tweet zu verstehen .

Unternehmen: Daimler Truck ++ Saint-Gobain Sekurit ++ Bosch

Hat Krach mit Kunden: Daimler Truck-Chef Martin Daum

Hat Krach mit Kunden: Daimler Truck-Chef Martin Daum

Foto: Marijan Murat / picture alliance /dpa

Mehr Mobilität: Elektroautos ++ Klima-Sofortprogramm ++ 9-Euro-Ticket ++ Lufthansa

Kleiner Kundenliebling: Der Fiat 500e war im ersten Halbjahr das E-Auto mit den meisten Neuzulassungen in Deutschland

Kleiner Kundenliebling: Der Fiat 500e war im ersten Halbjahr das E-Auto mit den meisten Neuzulassungen in Deutschland

Foto: FCA Germany
  • Soll ich mir ein E-Auto zulegen oder warte ich lieber noch? Wer sich diese Frage stellt, ist gut beraten, sich auch mit manch versteckten Feinheiten zu befassen, die es bei der Anschaffung eines Stromers gibt. Umweltbonus, Steuer, THG-Quote - meine Kollegin Marleen Gründel zeigt, worauf E-Auto-Interessenten achten sollten.

  • Je mehr Elektroautos vom Band rollen, desto wichtiger wird die Ladeinfrastruktur. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (52) verspricht im am Mittwoch vorgestellten "Sofortprogramm zur Einhaltung der Klimaziele im Verkehrssektor " mal wieder mehr Tempo. Das gelte auch für den Ausbau des Radverkehrs und des ÖPNV. Ein generelles Tempolimit auf Autobahnen lehnt der FDP-Politiker weiter ab. Das kommt nicht überall gut an. Wiebke Zimmer (51) von der Denkfabrik "Agora Verkehrswende" sprach etwa von einem "Rasenden Stillstand in der deutschen Verkehrspolitik ".

  • Halbzeit für das 9-Euro-Ticket. Haben Sie Bekannte, die das Angebot noch nicht genutzt haben? Ich müsste lange grübeln. Eine belastbarere Zwischenbilanz liefert der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen : Mindestens 30 Millionen Bürger haben sich im Juni das Ticket gezogen. Eine Umfrage ergab zudem: Jede vierte Fahrt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel hätte ohne das 9-Euro-Ticket nicht stattgefunden.

  • Doch nicht nur Busse und Regionalbahnen sind gefragt. Auch die 9-Euro-befreiten ICEs sind gerade am Wochenende immer öfter immer voller. Teilweise so voll, dass die Bahn schon am Donnerstag für Samstags- oder Sonntagszüge keine Tickets mehr anbietet, wie unsere Kollegen vom SPIEGEL recherchiert haben.

  • Ähnlich turbulent wie auf der Schiene geht es derzeit auch an einigen Flughäfen zu. Und es könnte noch schlimmer werden. Die Lufthansa streicht nicht nur 2000 weitere Flüge, sie verhandelt derzeit auch mit Verdi über eine Lohnerhöhung für rund 20.000 Beschäftigte. Sollte es zu keiner Einigung kommen, drohen Streiks. Man mag es sich gar nicht vorstellen.

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Deep Drive der Woche: Boomsegment Luxusliner

Premium-Autohersteller wie Mercedes oder Audi sehen ihre Zukunft im Luxussegment. Doch ist dort genug Platz? Vier McKinsey-Berater sagen : Auf jeden Fall. Möglich macht es einmal mehr die Elektromobilität. Besonders beliebt, so ihre Prognose, dürften 2031 E-Autos mit einem Preisschild zwischen 300.000 und 500.000 Dollar sein. Das könnte für die deutschen Hersteller dann doch ein Regal zu hoch sein. Der derzeit teuerste Elektro-Mercedes EQS AMG kostet gut 152.000 Euro, den Audi e-tron GT RS gibt es ab 140.000 Euro. Aber 2023 soll die britische BMW-Tochter Rolls-Royce ja den elektrischen Spectre bringen.

Zahl der Woche: 5 Millionen

Gefragte Ware: E-Bikes werden in Europa immer beliebter

Gefragte Ware: E-Bikes werden in Europa immer beliebter

Foto: Philipp Brandstädter / dpa

2021 wurden in Europa erstmals mehr als fünf Millionen E-Bikes verkauft . Fast jedes vierte neue Fahrrad auf dem Kontinent kam mit elektrischer Unterstützung auf den Radweg. Die Zahlen hätten wohl noch wesentlich höher ausfallen können. Doch auch die Zweiradbranche wird von Lieferengpässen ausgebremst.

Geisterfahrer der Woche

Immer beliebter werden auch elektrische Mopeds. In China haben bereits 30 der 45 Millionen Mopeds einen E-Motor - Tendenz steigend. Dabei hat die Regierung Rollerhersteller 2019 dazu verpflichtet, die Scooter bei maximal 25 km/h abzuriegeln. Für Hacker ist so etwas gefundenes Fressen. Sie deaktivieren die Drosselung und frisieren die Zweiräder so auf bis zu 50 km/h. Offenbar ist das eine gefragte Dienstleistung. Ein Fahrer sagte Bloomberg  jedenfalls: "Jeder macht das."

Ich wünsche auch Ihnen eine schwungvolle Woche.

Herzlichst, Ihr Christoph Seyerlein

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