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Marleen Gründel

Der Mittwoch im Überblick Eine verzockte Börsenwette und ein klebriger Aufsichtsrat

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit den Luftpumpen der Krypto-Blase, der Bankenpersonalie des Jahres und der Change-Kompetenz von Führungskräften.

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor einem Jahr klang die schöne, neue Kryptowelt noch vielversprechend: Der Bitcoin-Preis lag bei 60.000 Dollar, Kryptohändler versprachen Renditekaskaden von 300 Prozent pro Jahr und der Kauf und Verkauf sollte auch für Privatanleger "einfach" sein.

Heute ist von diesen Verheißungen nicht mehr viel übrig. Der Bitcoin-Kurs ist um mehr als 70 Prozent eingebrochen und einige der wichtigsten Akteure im Kryptomarkt sind kollabiert. Eine der größten Spekulationsblasen aller Zeiten ist geplatzt. Doch wie konnte das passieren?

Unser Kollege Mark Böschen hat das Phänomen analysiert – und einige der größten Luftpumpen der Blase identifiziert. Er zeichnet die Geschichte nach, wie führende Fonds wie Blackrock, Temasek oder Sequoia den Hype mit anfachten. Wie Jan Beckers, einer der prominentesten und erfolgreichsten deutschen Techinvestoren, hohe Risiken einging – ohne genaue Finanzzahlen zu kennen. Und welche Rolle ein paar der reichsten Deutschen wie etwa Daniel Hopp, Sohn des SAP-Mitgründers Dietmar Hopp, dabei spielten. Seine ausführliche Analyse lesen Sie hier: "Die deutschen Marktschreier des Krypto-Booms." 

Hat den Hype mitfinanziert: Daniel Hopp, Sohn des SAP-Mitgründers Dietmar Hopp

Hat den Hype mitfinanziert: Daniel Hopp, Sohn des SAP-Mitgründers Dietmar Hopp

Foto: Michael Eibner / IMAGO

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Elon Musk sucht Nachfolger: Mehr als die Hälfte der befragten Twitter-Nutzer hatte sich in einer Umfrage in dieser Woche für den Rücktritt von Elon Musk als Chef von Twitter ausgesprochen. Nun hat der US-Milliardär angekündigt, den Posten wirklich abzugeben, sobald er jemanden fände, der "dumm genug" sei, den Job zu übernehmen. Diese Aussage dürfte die Bewerberzahl wohl erheblich minimieren – und die Suche verlängern. Die Aktie des Elektroautobauers Tesla, dessen Chef Musk ebenfalls ist, brach jedenfalls weiter ein. Investoren fürchten, dass der inzwischen nur noch zweitreichste Mann der Welt seine anderen Unternehmen weiter vernachlässigt.

  • H&M stoppt Bieber-Kollektion: Erst am Dienstag haben wir hier über den Boykottaufruf des Popstars Justin Bieber gegen H&M berichtet. Die schwedische Modekette bot Klamotten und Accessoires mit den Konterfei- und Namensaufdrücken von Bieber an, der Musiker fühlte sich ausgenutzt und bezeichnete die Kollektion als "Müll". Nun reagierte H&M-Chefin Helena Helmersson – und ließ die Kollektion aus den Läden und dem Onlineshop entfernen. Der Version von Bieber, dass die Kooperation nicht abgesprochen war, widersprach Helmersson allerdings.

  • Hanno Berger beantragt Revision: Der Architekt der sogenannten Cum-Ex-Deals will vor den Bundesgerichtshof ziehen. Hanno Berger wurde in der vergangenen Woche wegen besonders schwerer Steuerhinterziehung in drei Fällen zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt. Er hat nun einen Monat Zeit, seine Revision zu begründen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Das Kontrollgremium der Commerzbank: In der Frankfurter Finanzwelt war es die Personalie des Jahres: Der ehemalige Bundesbankpräsident Jens Weidmann soll Helmut Gottschalk an der Spitze des Commerzbank-Aufsichtsrates ablösen. Nach außen hin verkaufte die Bank das als persönlichen Erfolg von Gottschalk, der sich frühzeitig um einen Nachfolger gekümmert habe. Doch hinter den Kulissen verlief der Übergang wohl nicht ganz so nahtlos, wie unsere Kollegin Katharina Slodczyk in ihren Recherchen erfahren hat. Gottschalk habe lange Zeit versucht, sich wie ein Klimaaktivist an seinen Arbeitsplatz zu kleben, berichteten ihr Insider. Die Details hinter dem Wechsel, erfahren Sie hier .

  • Negative Kundenbewertungen im E-Commerce: Wenn ein Produkt im Onlineshop eine schlechte Bewertung hat, schrecken Nutzerinnen und Nutzer in der Regel vor einer Bestellung zurück. Doch tatsächlich gibt es auch den umgekehrten Fall, wie Nailya Ordabayeva, Associate Professor for Business Administration an der Tuck School of Business, herausgefunden hat. In einer neuen Folge der Serie "Verteidigen Sie Ihre Forschung" unserer Kollegen vom Harvard Business manager erklärt die Wissenschaftlerin, wie schlechte Bewertungen den Umsatz steigern können .

Meine Empfehlung für den Abend:

Abschied von Adidas: Der einstige Vorzeigemanager Kaspar Rorsted musste seinen Chefposten bei Adidas vorzeitig aufgeben

Abschied von Adidas: Der einstige Vorzeigemanager Kaspar Rorsted musste seinen Chefposten bei Adidas vorzeitig aufgeben

Foto:

Krisztian Bocsi / Bloomberg / Getty Images

  • Adidas-Boss Kasper Rorsted, FMC-Chefin Carla Kriwet und Volkswagen-CEO Herbert Diess sind drei prominente Beispiele dafür, wie Topmanager von Dax-Unternehmen auch an der Transformation des eigenen Unternehmens gescheitert sind. Ihr persönlicher Stil passte nicht zu den Konzernen im Wandel, sie mussten gehen. Wie abhängig Firmen von der Change-Kompetenz ihrer Führungskräfte sind, zeigt eine Studie von Porsche Consulting, die dem manager magazin exklusiv vorliegt. Zwar wollen (und müssen) die meisten CEOs ihre Firmen radikal verändern – aber den allermeisten gelingt es nicht. Unsere Kollegin Franziska Martin hat sich die Daten genau angeschaut und beschreibt, wie sich CEOs im Wandel verhalten sollten und welche Führungstypen gefragt sind .

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel

Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter chefredaktion@manager-magazin.de .

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