Lukas Heiny

Newsletter Der Tag mit dem Bitcoin-Duell der Milliardäre

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen: Bill Gates warnt vor Elon Musk, Coinbase geht an die Börse, Birkenstock wird teuer verkauft und die Wirecard-Prüfer von EY tauschen ihren Chef.

Eine alte Börsenregel, die André Kostolany zugeschrieben wird (für die jüngeren Anleger: das war so eine Art Oberzocker des 20. Jahrhunderts), geht ungefähr so: "Investiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber sondern in Schaufeln." Deren Geschäft scheint weniger riskant, was sich auch im aktuellen Rausch zeigt: Während alle mit Bitcoins reich werden wollen, profitiert in jedem Fall der Handelsplatz Coinbase. An diesem Donnerstag hat die Firma offiziell ihren Börsengang in den USA beantragt. Laut den Unterlagen hat sie 2020 bei rund 1,3 Milliarden Dollar Umsatz mehr als 320 Millionen Dollar Nettogewinn gemacht. Und Vorstandschef Brian Armstrong konnte sich über eine stattliche Vergütung von insgesamt knapp 60 Millionen Dollar erfreuen, womit er zu den bestbezahlten CEOs der Welt zählen dürfte.

Ob Anlegerinnen und Anleger die Schaufel-äh-Coinbase-Aktien zeichnen sollten? Nun, die Liste der Geschäftsrisiken in besagtem SEC-Dokument ist ausgesprochen lang. Vielleicht gilt hier eher ein noch berühmteres Kostolany-Bonmot: "Ich kann Ihnen nicht sagen, wie man schnell reich wird; ich kann Ihnen aber sagen, wie man schnell arm wird: indem man nämlich versucht, schnell reich zu werden."

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages:

Kampf verloren: Der Chef der deutschen EY-Sektion, Hubert Barth, hatte Wirecard schon lange als Risikokunden eingestuft – aber keine Konsequenzen gezogen.

Kampf verloren: Der Chef der deutschen EY-Sektion, Hubert Barth, hatte Wirecard schon lange als Risikokunden eingestuft – aber keine Konsequenzen gezogen.

Foto:

Daniel Delang für mm

Neues aus dem Casino, äh von der Börse:

  • Der Vizechef von Warren Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, der 97-jährige Charlie Munger, warnt angesichts der Rekordrallye an den Börsen vor Marktexzessen. Die Kurskapriolen bei dem US-Videospielhändler Gamestop (seit Wochenbeginn mehr als 300 Prozent!) spiegelten eine "gefährliche Mentalität einiger Investoren wider, die auf Aktien wetteten, als ob diese Pferde wären". Und die Smartphone-Broker, über die Privatleute massenhaft ihre Trades abwickeln, sieht er eher als Glückspielanbieter: "Robinhood betreibt ein dreckiges Geschäft."

  • Wie dreckig das Geschäft der Trading-Apps wie Robinhood oder Trade Republic wirklich ist, haben auch Forscher der Uni St. Gallen untersucht. Die Broker bieten Wertpapiergeschäfte für jedermann, einfach über das Smartphone und vor allem günstig – die Studie der Forscher offenbart, wie gefährlich das sein kann. So treiben Trading-Apps Anleger ins Risiko.

  • Ohnehin schneiden Privatanleger im Schnitt und historisch auffallend konstant schlechter ab als die Profis. Aufgrund diverser Psychofallen schätzen sie viele Entwicklungen schlicht falsch ein. Daran ändert vermutlich auch die aktuell propagierte "Demokratisierung des Wertpapierhandels" wenig. Ökonomen unterscheiden Kleinanleger in drei Typen, die mehr oder weniger Futter für die Haie des Finanzmarktes sind – Aussicht auf Erfolg hat nur einer von ihnen. 

  • Bezogen auf den Bitcoin-Hype mahnte jetzt jedenfalls der drittreichste Mensch der Erde, ein Herr namens Bill Gates, sich keinesfalls den noch reicheren Herren namens Elon Musk zum Vorbild zu nehmen und ebenfalls in die Kryptowährung zu investieren. "Wenn Sie weniger Geld als Elon haben, passen Sie auf."

Meine Empfehlung für den Abend:

Gold im Schuh: Birkenstock-Chef Oliver Reichert profiliert sich als Powerseller.

Gold im Schuh: Birkenstock-Chef Oliver Reichert profiliert sich als Powerseller.

Foto:

BFA / action press

  • Die Sandalenmarke Birkenstock steht kurz vor dem Verkauf. Oliver Reichert – selbst hochbezahlter Chef der Firma – hat nach ersten ihm zu mickrigen Angeboten auf eigene Faust neue Käufer gesucht und mit ihnen einen überraschend hohen Preis ausgehandelt. Zur illustren Investorenrunde zählt auch der französische Luxusmilliardär Bernard Arnault, wie meine Kollegin Mirjam Hecking recherchiert hat. Vom Poker um die Pantoffelbude profitieren natürlich die Luxus liebenden Birkenstock-Erben, aber auch Reichert selbst. Titel des Husarenstücks: Der Birkenstock-Boss macht Kasse. 

Bleiben Sie gesund. Herzlich, Ihr Lukas Heiny

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