Kai Lange

Der Mittwoch im Überblick Geldwäsche in Moskau, Gigafactories von BMW und günstig tanken mit E-Autos

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Geldwäsche im Moskauer Federation Tower, neuen Gigafactories von BMW und der Möglichkeit, mit E-Autos günstig zu tanken.

Seit Russland aus dem internationalen Zahlungssystem Swift ausgeschlossen ist und viele russische Konten gesperrt wurden, rücken Bitcoin und andere Kryptowährungen wieder in den Blick. Das Kryptogeld könne als Fluchtwährung für Oligarchen dienen und auch dem russischen Staat dabei helfen, die Sanktionen zu umgehen. Davor warnte kürzlich Sir Alex Younger, der ehemalige Chef des britischen Geheimdienstes MI6, während einer Konferenz in London.

Unser Kollege Mark Böschen war in London dabei: Er traf am Rande der Konferenz Michael Gronager, Chef der Datenplattform Chainalysis und einer der führenden Krypto-Experten in Europa. Gronagers Befürchtungen gehen noch weiter: Er sieht Russland als Lieblingsland der Krypto-Kriminellen. Ein Land, in dem sich Cyberverbrecher sicher und ungestört fühlen. Bei illegalen Kryptogeschäften endet die Spur oft in Moskau – nicht selten in einem einzigen Hochhaus im Bankendistrikt.

Im Moskauer "Federation Tower" residieren Dutzende Unternehmen, die Millionenbeträge aus kriminellen Geschäften waschen. Sobald Geld aus kriminellen Aktivitäten nach Russland gebracht worden war, war es weg, erklärt Gronager. Nicht weil es Bitcoin war. Sondern weil russische Behörden nicht bereit waren, gegen die Geldwäscher vorzugehen. Dennoch habe der Westen ein Mittel, diese Geschäfte zu stoppen: Die westlichen Partner müssten grundsätzlich die Möglichkeit abschneiden, Dollar nach Russland zu überweisen. Das komplette Interview mit Gronager lesen Sie hier.

Chainalysis-Chef Michael Gronager: "Russland war ein sicherer Ort für Cyberverbrecher"

Chainalysis-Chef Michael Gronager: "Russland war ein sicherer Ort für Cyberverbrecher"

Foto: Luke MacGregor / Bloomberg

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Was Sie heute noch für Ihr Berufsleben lernen können:

  • Die Mitarbeiter wieder stärken: Gerade, wenn die äußeren Umstände an die Substanz gehen, sind Vertrauen und psychologische Sicherheit entscheidend, um als Team im Job zu funktionieren. Doch wie können Führungskräfte Sicherheit geben, wenn Krisen langjährige Gewissheiten wegbrechen lassen und das Homeoffice Beziehungen gekappt hat? Diese Fragen diskutieren meine Kollegen von manage › forward in der kommenden Woche mit Führungsexpertin Christine Moscho – und Sie sind herzlich eingeladen! Hier geht es zur kostenlosen Anmeldung.

Meine Empfehlung für den Abend:

Doconomy-Gründer Mathias Wikström: Mit dem Bankauszug kommt auch die Klimabilanz ins Haus

Doconomy-Gründer Mathias Wikström: Mit dem Bankauszug kommt auch die Klimabilanz ins Haus

Dieser Mann will die Welt grüner machen: Mathias Wikström, Gründer des schwedischen Startups Doconomy, will Klimaschutz und den Finanzsektor zusammenbringen. Sein sogenanntes "Climate Fintech" kalkuliert den Ausstoß von CO₂, der den Zahlungsströmen von Bankkunden zugrunde liegt. Vereinfacht ausgedrückt, sieht das so aus: Wenn jemand für 80 Euro bei Shell getankt hat, schätzt Doconomy anhand des gesamten CO₂-Ausstoßes der Mineralölbranche, wie viel Kohlendioxid für die Tankfüllung produziert wurde. Am Monatsende haben die Bankkunden nicht nur einen Kontoauszug mit all ihren Ausgaben, sondern auch ihre persönliche Klimabilanz. Noch arbeitet Wikström daran, die Datenqualität zu verbessern und weitere Finanzhäuser als Partner an Bord zu holen. Doch er ist überzeugt, dass der Finanzsektor bei der Rettung der Welt eine wichtige Rolle spielen kann und muss. Seine Arbeit sei vergleichbar mit dem alltäglichen Umweltschutz: "Man muss irgendwo anfangen und darf sich nicht von Angst abhalten lassen", sagt Wikström. Unsere Kollegin Katharina Slodczyk hat mit dem schwedischen Klima-Rechner gesprochen.

Herzlich, Ihr Kai Lange