Eva Buchhorn

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit dem Investorenrennen auf deutsche Biotech-Startups

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Biotech-Boom, Bitcoin und der Deutschen Telekom.

Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie wird hierzulande derzeit viel über die Frage gestritten, was in Deutschland schief läuft. Wir möchten Ihren Blick daher heute gezielt auf die Positivseite lenken: In die deutsche Biotech-Branche, die im Gefolge der Impfstoff- und Börsenerfolge von Biontech und Curevac gerade einen schimmernden, glänzenden Boom hinlegt. Wagnisfinanzierer, institutionelle Investoren und Big Pharma entdecken die Stärke der hiesigen Forscher-Unternehmen, wie meine Kollegin Eva Müller, die sich seit vielen Jahren mit den visionären Kleinfirmen beschäftigt, analysiert  hat.

Zu den Stars gehört etwa T-knife, ein auf T-Zell-Therapie gegen Krebs spezialisiertes Start-up aus Berlin, dessen Chief Technology Officer Elisa Kieback 74 Millionen Euro Risikokapital anwerben konnte. Oder die ebenfalls auf Krebstherapie spezialisierte Immatics des Gründers und CEOs Harpreet Singh, die seit Juli an der Nasdaq notiert und 253 Millionen Dollar eingesammelt hat - das ist der Spitzenwert für ein Unternehmen aus Deutschland. Den Report über die deutschen Biotech-Stars, von denen wir noch einiges hören werden, lesen Sie hier .

T-knife-Gründerin Elisa Kieback sammelte 74 Millionen Euro Risikokapital ein

T-knife-Gründerin Elisa Kieback sammelte 74 Millionen Euro Risikokapital ein

Foto:

Gene Glover für manager magazin

Die Wirtschaftsnachrichten des Tages...

  • ... sind heute im Wesentlichen Personalien: Die Commerzbank hat nur ein paar Monate nach ihrem Kurzzeit-Aufsichtsratsvorsitzenden Hansjörg Vetter und Kontrolleur Andreas Schmitz heute drei weitere Aufsichtsräte auf der Kapitalseite verloren. Grund, so heißt es aus der Bank, sei die nervenzehrende Dominanz des Großaktionärs Bund im Aufsichtsgremium. Zu den Abgängen zählt Eon-Digitalvorstand Victoria Ossadnik.

  • Die Managerin erlebt gerade auch im eigenen Haus personelle Veränderungen: Ossadnik hat seit heute einen neuen Chef. Der ehemalige McKinsey-Berater Leonhard Birnbaum löst den langjährigen CEO Johannes Teyssen ab. Wir stellen den neuen Mann vor .

  • Auch bei der Deutschen Telekom läuft es in Sachen Corporate Governance derzeit nicht rund: Aufsichtsratschef Ulrich Lehner sucht händeringend einen Nachfolger und findet keinen. Nicht allzu glücklich dürfte die Aktionäre auch die heute auf der virtuellen Hauptversammlung von CEO Timotheus Höttges angekündigte Mini-Dividende von 60 Cent machen. Höttges begründete die magere Kost mit den Kosten der Fusion von T-Mobile US mit dem Wettbewerber Sprint. Er selbst streicht für genau diese Großtat ein Gehalts-Plus von 600.000 Euro ein. Das ist kein April-Scherz.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die Anlageartisten unter Ihnen, soweit Sie auch mit Bitcoin und Ethereum experimentieren, dürfte diese Ankündigung von Paypal und Visa freuen: Die beiden Zahlungsdienstleister nehmen nun auch die beiden Kryptowährungen als Zahlungsmittel an. Den Bitcoin-Kurs trieb das heute gleich mal auf 60.000 Dollar und damit in die Nähe seiner Bestmarke. Sollten Sie nun also Gewinne realisieren wollen, machen Sie sich am besten fix mit den wichtigsten Steuerregelungen vertraut. Worauf Sie achten sollten, erfahren Sie hier.

  • Attraktiv für Anleger kann auch die Investion in SPACs sein, leere Unternehmenshüllen, die an der Börse platziert und erst später mit operativen Unternehmen zum Leben erweckt werden. Doch die Investition erfordert eine gute Portion Spekulationslust.

  • Die taiwanesische TSMC, größter Chiphersteller der Welt, hat eine massive Aufstockung der Produktionskapazitäten angekündigt. Das Unternehmen will innerhalb der nächsten drei Jahre zusätzliche 100 Milliarden Dollar in die Fertigung kleiner und besonders schneller Bauteile investieren und damit die Chip-Knappheit beenden helfen, die derzeit auch etlichen deutschen Branchen zu schaffen macht - insbesondere der Autoindustrie.

Das Beste aus dem "Economist":

  • Für die Feiertage möchte ich Sie hier noch auf zwei sehr lesenswerte Titeltexte aus dem "Economist" hinweisen. Unsere britischen Kollegen setzen sich intensiv mit der Frage auseinander, warum das Impfprogramm der EU gescheitert ist und wie die nationalen Alleingänge  den europäischen Zusammenhalt auf Dauer beschädigen könnten. Und sie werfen einen kritischen Blick auf den Nutzen des 750 Milliarden schweren Wiederaufbaufonds: Werden die Länder das Geld überhaupt ausgeben - und wie? 

Maskenball für Europa: Angela Merkel, Ursula von der Leyen und Emmanuel Macron

Maskenball für Europa: Angela Merkel, Ursula von der Leyen und Emmanuel Macron

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REUTERS

Meine Empfehlung für das lange Wochenende:

  • Unser Kolumnist Thomas Sattelberger nimmt den oben skizzierten Biotech-Boom zum Anlass, einmal genauer auf die Erfolgsbedingungen für große Innovationen in der Bundesrepublik zu schauen. Geld allein reicht nicht, so seine These, es braucht eine innovative Industriepolitik des Staates. Da könnte Deutschland besser sein.

Falls es Ihnen aufgefallen ist, dass hier eine neue Autorin schreibt: Ich arbeite seit etlichen Jahren für das manager magazin und seit heute auch im Newsletterteam. Ich freue mich darauf, Ihnen nun häufiger den Tag aus mm-Sicht präsentieren zu dürfen.

Herzliche Grüße und frohe Ostern, Ihre Eva Buchhorn

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