Christoph Rottwilm

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit Bahn-Versagern und dem Traum von der Krebsimpfung

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Eine Steuerrazzia, krasse Misswirtschaft und übelstes Krisenmanagement, aber auch Milliardeninvestitionen sowie visionäre Firmenpläne - heute gibt es von allem etwas.

Gewinner der Corona-Krise gibt es einige, aber kein anderes Unternehmen steht so strahlend da wie Biontech. Von allen Pharma- und Biotechfirmen weltweit, die sich am Rennen um einen Impfstoff gegen Covid-19 beteiligten, fanden die Mainzer am schnellsten und überzeugendsten eine Lösung. Der Lohn: Gemeinsam mit Partner Pfizer aus den USA beliefert Biontech jetzt reihenweise Länder mit dem Vakzin, der Aktienkurs der Deutschen hat sich in den vergangenen zwölf Monaten etwa verdreifacht.

Noch ist die Pandemie nicht beendet, es steckt also womöglich noch viel Corona-Fantasie in dem Unternehmen. Doch die Verantwortlichen bei Biontech sind mit ihren Gedanken schon ganz woanders. Erstmals seit Jahrzehnten wollen sie aus dem Start-up einen neuen deutschen Pharmakonzern aufbauen, mit Forschung, Produktion, Vertrieb, Marketing und allem Drum und Dran. In einem ausführlichen Interview  haben die Geldgeber Michael Motschmann, Helmut Jeggle sowie Haupteigner Thomas Strüngmann zum ersten Mal ihre Pläne erläutert. "In Europa ist Biontech eines der erfolgreichsten Investments aller Zeiten. Eine völlig neue Art von Techunternehmen, das in der Medizin disruptiv wirken wird", sagt etwa Motschmann im Gespräch mit meinen Kollegen Eva Müller und Martin Noé .

Dank mRNA-Technologie, auf der ja auch der Corona-Impfstoff basiert, sollen ganz neue Medikamente entstehen, eine Impfung gegen Krebs etwa. Es klingt fast wie ein Traum. "Ja, mit dem Traum fing es an", sagt Strüngmann, dem mit seinem Zwillingsbruder gut 50 Prozent der Firma gehören. "Tesla wurde anfänglich auch nur belächelt."

Bio-Trio: Die Biontech-Geldgeber Michael Motschmann, Helmut Jeggle und Haupteigner Thomas Strüngmann während des Fotoshootings für unser Interview

Bio-Trio: Die Biontech-Geldgeber Michael Motschmann, Helmut Jeggle und Haupteigner Thomas Strüngmann während des Fotoshootings für unser Interview

 

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Dirk Bruniecki für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was heute sonst noch wichtig war:

Meine Empfehlung für den Abend:

Misswirtschaft, absurdes Krisenmanagement: Bahn-Vorsteher Richard Lutz wird für seine Arbeit mit einer Vertragsverlängerung belohnt

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Angelika Zinzow

  • Um hier mal den Kreis zum Einstieg in diesen Newsletter zu schließen: Zu behaupten, bei der Deutschen Bahn liefe es derzeit nicht ganz so gut wie bei Biontech, wäre vermutlich die Untertreibung des Jahres. Der Bahn-Konzern stand nie schlechter da als derzeit, mit Milliardenverlusten und explodierenden Schulden. Misswirtschaft, absurdes Krisenmanagement – all das muss sich die Konzernführung mit Richard Lutz an der Spitze vorwerfen lassen. Und die Konsequenzen? Sind jedenfalls nicht die, die man erwarten würde. Lutz und Vorstandskollege Ronald Pofalla können mit neuen 3-Jahres-Verträgen rechnen. Mein Kollege Michael Machatschke beobachtet das Theater im Staatskonzern seit Langem und hat die aktuelle Episode wie immer ebenso kenntnisreich wie pointiert aufgeschrieben: Der Beutezug. 

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm