Eva Buchhorn

Der Freitag im Überblick Alle träumen von Mercedes

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Ranking voller Lieblingsunternehmen, Verwirrung um Elon Musk und autonomen Lkws.

Mercedes-Benz ist Deutschlands beliebtester Arbeitgeber. Mehr als jeder siebte angehende Ingenieur und jede achte Betriebswirtin möchte ihre Karriere am liebsten bei der schwäbischen Premiummarke starten. Die Stuttgarter haben wie im Vorjahr das Rennen um den Titel des "Besten Arbeitgebers" für sich entschieden. Das Ranking hat das Berliner Beratungsunternehmen Trendence exklusiv für manager magazin erstellt.

Die Liebe der Hochschulabsolventen zur Autobranche ist seit Jahren stabil. Auffällig ist aber auch die wachsende Beliebtheit öffentlicher Institutionen als potenzielle Arbeitgeber. Das Auswärtige Amt, die EU-Kommission oder die Europäische Zentralbank haben im Vergleich zu vielen Unternehmen deutlich in der Gunst zulegen können. Sie befinden sich bei den BWL- und VWL-Studierenden unter den Top-20-Arbeitgebern.

Die Entscheidung für einen konkreten Arbeitgeber fällt in erster Linie mit Blick auf persönliche Entwicklungschancen und ein angemessenes Gehalt. Aber auch ein guter Zusammenhalt unter Kollegen ist den Youngstern wichtig. Nur etwa jeder zweite Einsteiger orientiert sich an Status und Prestige. Die Ergebnisse des Rankings finden Sie hier: "Das sind die beliebtesten Arbeitgeber Deutschlands"  

Traumarbeitgeberin: Sabine Kohleisen ist Personalvorständin bei Mercedes.

Traumarbeitgeberin: Sabine Kohleisen ist Personalvorständin bei Mercedes.

Foto:

Michael Dannemann / Daimler

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Twitter-Übernahme auf Eis: Tesla-Chef Elon Musk hat die geplante Übernahme von Twitter vorübergehend gestoppt – angeblich, um Fake-Accounts zu überprüfen. Sein per Tweet verkündeter Rückzug ließ die Aktie auf rund 37 Dollar fallen. Sie notiert damit weit entfernt von den mehr als 54 Dollar, die Musk den Aktionären angeboten hatte. Damit könnte nun auch die Finanzierung des Deals ins Wanken geraten.

  • Kursrutsch am Kryptomarkt: Anleger mit einem Interesse an Kryptowährungen brauchen derzeit starke Nerven. Denn der Börsenkurs der Währungen kennt derzeit nur eine Richtung: nach unten. Der Bitcoin hat sich seit November mehr als halbiert und liegt jetzt bei nur noch rund 27.000 Dollar. Auch die weltgrößte Kryptobörse Coinbase büßte zuletzt in nur fünf Tagen die Hälfte ihres Wertes ein. Die Weltorganisation der Börsenaufsichten signalisierte jetzt die Gründung einer internationalen Behörde für Kryptowährungen, um den Sektor mittelfristig zu stabilisieren.

  • Auto-Frachter auf dem Meeresgrund: Über 3.000 Meter tief auf dem Meeresboden liegt der Frachter "Felicity Ace", der mit tausenden Luxusfahrzeugen beladen in Brand geraten und später gesunken war. Was die Automobilbranche als Versicherungsfall einstuft, lässt Umweltschützern keine Ruhe. Nun sollen die Brandschutzvorschriften auf See verschärft werden. Doch die Chancen, die Autos und Lithium-Batterien aus dieser Tiefe zu bergen, sind gering.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Gier der Chefs: Nicolai Tangen, Chef des norwegischen Staatsfonds, hat zum Widerstand gegen überhöhte Managergehälter aufgerufen. Aktionäre müssten sich gegen Führungskräfte wehren, die mittelmäßige Leistung abliefern und dafür ungerechtfertigt hohe Gehaltspakete kassieren. Seine Marktmacht will der Fonds nun verstärkt auf Hauptversammlungen nutzen. Bei Intel und Apple verweigerte das Fonds-Management bereits die Entlastung der Vorstände. In Norwegens Pensionsfonds fließen die Einnahmen des Landes aus der Förderung von Öl und Gas. Er hat aktuell einen Marktwert von rund 1,2 Billionen Euro und ist damit der größte Staatsfonds der Welt.

  • Die Robo-Trucks kommen: Es gibt zu wenig Fernfahrer in Deutschland, und es werden immer weniger. Das Start-up Fernride verspricht Abhilfe: Die Gründer von der TU München wollen Lkws per Teleoperation vom Bürostuhl aus steuern, so ähnlich wie im Renn-Simulator. Bis Mitte des Jahrzehnts sollen die autonomen Lkws auf Autobahnen rollen. Fernride kooperiert bereits mit etablierten Autozulieferern wie MAN, Knorr Bremse, Leoni und Bosch. Jetzt steigen auch Topmanager aus der Autoindustrie in das Start-up ein. Auf unserer Website finden Sie heute die Details.

Meine Empfehlung für den Abend:

Glühender Schatz: Die Produktion wichtiger Metalle – hier ein Nickel-Schmelzofen in Murmansk – steht seit Kriegsausbruch in der Ukraine unter Druck

Glühender Schatz: Die Produktion wichtiger Metalle – hier ein Nickel-Schmelzofen in Murmansk – steht seit Kriegsausbruch in der Ukraine unter Druck

Foto: Lev Fedoseyev / imago images/ITAR-TASS

Neue Rohstoffquellen: Russland war jahrzehntelang eine Rohstoffkammer der deutschen Industrie. Der Ukrainekrieg hat die Lieferketten beschädigt und viele der fein austarierten Geschäftspartnerschaften deutscher Konzerne mit ihren osteuropäischen Handelspartnern zerstört. Fieberhaft suchen Unternehmen nach Alternativen zur Wiederherstellung ihrer Versorgung mit Gas, Öl und sogenannten Nichteisenmetallen wie Nickel oder Palladium. Doch kann das gelingen? Kreative Ideen gibt es durchaus. Etwa die von BASF-Vormann Martin Brudermüller, der bereits laut darüber nachdenkt, ob man künftig Stahl nicht direkt in Australien bestellen könne. Eisenerz und Solarenergie zur Erzeugung von grünem Wasserstoff seien ja im Übermaß vorhanden.

Von wo in der aktuellen Bedrängnis ein Hoffnungsschimmer kommen könnte, hat unser Kollege Christian Schütte zusammengetragen.  Zusätzlich liefert er ein paar Lehren aus der Geschichte. Denn schon zu Napoleons Zeiten brachten Handelssperren infolge von Kriegen erst Not, dann aber auch neuen Erfindungsreichtum hervor. Möglicherweise wird auch der Krieg in unseren Tagen langfristig zum Fortschrittstreiber.

Herzliche Grüße, Ihre Eva Buchhorn