Kai Lange

Der Donnerstag im Überblick Finale im Bayer-Drama, Fiasko für Delivery Hero

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Finale im Bayer-Drama, einem Fiasko für Delivery Hero, Phantasie bei Douglas und einem möglichen Milliardengeschäft für Recycling-Spezialisten.

Bayer droht die Aufspaltung: Vier Jahre nach der Übernahme von Monsanto steckt der Bayer-Konzern noch immer in der Krise. Die Übernahme des Pflanzenschutz-Konzerns aus den USA hat die technologischen Möglichkeiten von Bayer zwar auf ein neues Level gehoben. Doch zugleich lasten immer noch Klagen von mehr als 120.000 US-Bürgern wie eine Betonplatte auf dem Kurs der Bayer AG. Die Kläger führen ihre Krebserkrankung auf den von Monsanto entwickelten Unkrautvernichter "Roundup" mit dem Wirkstoff Glyphosat zurück. Der erbittert geführte Glyphosat-Streit dürfte in diesem Jahr durch den US Supreme Court entschieden werden. Falls sich die Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten weigern, Bayers Berufung anzunehmen, drohen Schadenersatzzahlungen von insgesamt bis zu 15 Milliarden Euro.

Die bittere Ironie der Geschichte: Mit dem Kauf von Monsanto wollte Bayer-Chef Werner Baumann den stolzen Traditionskonzern aus Leverkusen eigentlich vor einer Übernahme und Zerschlagung bewahren. Doch das Glyphosat-Desaster sorgt dafür, dass dem einst wertvollsten Dax-Konzern nun erst recht die Aufspaltung droht. Der Börsenwert von Bayer hat sich binnen fünf Jahren halbiert, Aktionäre sind frustriert. Vor einer Revolte der Shareholder schützt Bayer derzeit allein der ungewisse Ausgang der Glyphosat-Schlacht vor Gericht.

Für Bayer-Chef Baumann haben sich drei Nachfolger warmgelaufen: Finanzchef Wolfgang Nickl wäre erste Wahl für den Fall, dass Bayer vor dem Supreme Court scheitert. Denn dann dürfte der Druck der Aktionäre auf eine Aufspaltung extrem steigen: Die Aufteilung in ein Pharma- und ein Agrargeschäft könnte den Börsenwert wieder heben. Welche Chancen Bayer noch hat, als Gesamtkonzern zu überleben, hat unser Kollege Dietmar Palan in einem ausführlichen Report beschrieben.

Trübe Aussichten: Mit der Übernahme von Monsanto wollte Bayer-Chef Werner Baumann den Bayer-Konzern schützen. Er hat aber die Rechtsrisiken dramatisch unterschätzt. Nun rechnet Goldman Sachs eine Aufspaltung von Bayer durch

Trübe Aussichten: Mit der Übernahme von Monsanto wollte Bayer-Chef Werner Baumann den Bayer-Konzern schützen. Er hat aber die Rechtsrisiken dramatisch unterschätzt. Nun rechnet Goldman Sachs eine Aufspaltung von Bayer durch

Foto: Nikita Teryoshin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Rückschlag für Delivery Hero: Der Lieferdienst ist im Corona-Jahr 2021 stark gewachsen. Doch Konkurrenten wie Doordash, Lieferando und Uber sorgen dafür, dass Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg nur einen vorsichtigen Ausblick auf das laufende Jahr wagt. Delivery Hero strebt einen Brutto-Warenumsatz von 45 Milliarden Euro an: Aus Sicht der Aktionäre ist das zu wenig für eine Branche, die auf extremes Wachstum und Verdrängung fixiert ist. Östberg bekommt nun die Quittung für seinen Hochrisiko-Kurs, den manager magazin bereits skizziert hatte. Der Dax-Konzern verliert rund ein Drittel seines Börsenwertes an nur einem Tag.

  • Zuschlag für Siemens: Pünktlich zur virtuellen Hauptversammlung hat Siemens-Chef Roland Busch von einem erfolgreichen ersten Quartal berichtet. Der Umsatz ist um 9 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro gestiegen. Der Gewinn liegt mit 2,5 Milliarden Euro ebenfalls über den Erwartungen. Zudem sind die Auftragsbücher gut gefüllt. Allein die Deutsche Bahn hat neue ICE-Züge im Wert von 1,5 Milliarden Euro bestellt. Die Aktionäre sind zufrieden, der Siemens-Kurs steigt um rund 5 Prozent.

  • Zukauf bei Douglas: Tina Müller, Chefin der Drogeriekette Douglas, macht das Unternehmen weiter hübsch für einen möglichen Börsengang. Douglas übernehme die niederländische Online-Versandapotheke disapo.de, erklärte der Konzern am Donnerstag. manager magazin hatte bereits im November über den geplanten Zukauf berichtet. Die Hoffnung bei Douglas: Je stärker das Digitalgeschäft, desto attraktiver ist das Unternehmen für Investoren sein. Douglas gehört mehrheitlich dem Finanzinvestor CVC – und der ist an einem lukrativen Ausstieg interessiert.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Neue Hoffnung für die Impfkampagne: Die Impfstoffe von Biontech und Pfizer sowie das Vakzin des US-Herstellers Moderna haben bislang Millionen Menschen vor einer Ansteckung oder einem schweren Covid-Verlauf bewahrt. Ab dem 21. Februar soll in Deutschland auch der Corona-Impfstoff des US-Herstellers Novavax verimpft werden. Der sogenannte Protein-Impfstoff soll auch diejenigen überzeugen, die gegenüber den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna skeptisch sind. Der Novavax-Wirkstoff Nuvaxovid ist also eine echte Alternative für viele Impfskeptiker und könnte wieder Schwung in die schleppende Impfkampagne bringen. Wie Novavax nach einer Serie von Misserfolgen nun der Durchbruch zu einem globalen Impfstofflieferanten gelungen ist, lesen Sie hier. Die Geschichte zeigt: Durchhalten lohnt sich.

Meine Empfehlung für den Abend:

Resterampe: Direkt neben der neuen Zellfabrik im schwedischen Skelleftea will Northvolt unter dem Namen Revolt die größte Recycling-Fabrik Europas bauen. Batteriezellen-Recycling dürfte zum Milliardengeschäft werden

Resterampe: Direkt neben der neuen Zellfabrik im schwedischen Skelleftea will Northvolt unter dem Namen Revolt die größte Recycling-Fabrik Europas bauen. Batteriezellen-Recycling dürfte zum Milliardengeschäft werden

Foto: ERLAND SEGERSTEDT / AFP
  • Die neuen Gewinner des Tesla-Zeitalters: Der Wandel der Autoindustrie zur Elektromobilität beschleunigt sich. VW, Daimler, BMW und Toyota investieren Milliarden, um zu Tesla aufzuschließen. Inmitten dieses beinharten globalen Wettbewerbs lohnt der Blick auf eine Marktnische, die zum Gewinner des Elektro-Zeitalters werden könnte: das Recycling-Geschäft von Batteriezellen. Laut einer Studie aus dem Hause Porsche werden bereits im Jahr 2030 mehr alte Batteriezellen ausrangiert, als heute weltweit eingebaut werden. Derzeit gibt es noch keine Standardtechnik – aber die Verheißung auf ein ökologisch einwandfreies Milliardengeschäft. Unser Kollege Lukas Heiny hat sich die Recycling-Spezialisten genauer angeschaut, die als Alchemisten des Tesla-Zeitalters auf eine goldene Zukunft hoffen.

Herzlich, Ihr Kai Lange