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Eva Buchhorn

Der Donnerstag im Überblick Zwist beim Chemieriesen und Chinesen für Hamburg

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Dissens in Ludwigshafen, dem Abgang der Douglas-Chefin und einem neuen Posten für Theodor Weimer.

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF gilt nicht als Unternehmen, in dessen Managementgremien die Fetzen fliegen. Der Vorstand des Dax-Werts aus Ludwigshafen spricht gemeinhin mit einer Stimme, der Aufsichtsrat entscheidet in aller Ruhe über Personalfragen. Umso ungewöhnlicher sind die Vorgänge, die das Unternehmen dieser Tage erschüttern. Das geplante Großinvestment in China entzweit die Leitungsebene. BASF-Chef Martin Brudermüller will in Zhanjiang für rund zehn Milliarden Euro einen Verbundstandort errichten, bereits den zweiten in China. Mit diesem "Megaprojekt" will er BASF profitabler und grüner machen. Zweifler in der eigenen Führungsetage fürchten jedoch, der CEO liefere den Traditionskonzern damit endgültig an ein Regime aus, das für seine westlichen Wirtschafts-Partner immer unberechenbarer geworden ist.

Intern ist ein wahrer Kulturkampf ausgebrochen – es geht um Moral, ums Geschäft und, natürlich, um Macht. Namentlich die Petrochemie-Vorständin Saori Dubourg stellt Brudermüllers Strategie in Frage. Sie votierte im Vorstand gegen das Projekt. Auch die Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat haben offenen Widerstand angekündigt. Denn zeitgleich zum Bau der Milliardenfabrik will Brudermüller die europäischen und deutschen Standorte massiv zusammenstreichen, bis zu 500 Millionen Euro sollen jährlich eingespart werden.

Eine Verlängerung seines bis Mai 2023 laufenden Vertrags hat Brudermüller in dieser Woche trotzdem erhalten. Allerdings gerade mal für ein Jahr, was höchst ungewöhnlich ist. Gelöst sind die Probleme bei BASF damit noch nicht, wie wir in unserer aktuellen Titelgeschichte über den Kulturkampf beim Chemieriesen auf manager-magazin.de  beschreiben.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Stühlerücken: Douglas-Chefin Tina Müller wechselt in den Aufsichtsrat

Stühlerücken: Douglas-Chefin Tina Müller wechselt in den Aufsichtsrat

Foto: Franziska Krug / Getty Images
  • Seitenwechsel bei Douglas: Die Personalie ist ein Paukenschlag. Tina Müller, eine der profiliertesten Managerinnen des Landes und bislang Chefin des größten europäischen Kosmetik- und Parfümhändlers Douglas, gibt ihr Amt ab und wechselt in den Aufsichtsrat . Wie unser Kollege Sven Clausen exklusiv erfuhr, zieht die Topmanagerin damit die Konsequenzen aus einem Strategieschwenk des Douglas-Eigentümers CVC. Der Finanzinvestor, der Douglas ursprünglich an die Börse bringen wollte, kämpft wegen der steigenden Zinsen mit einem teureren Schuldendienst und will bei Douglas nun vor allem Kosten sparen. Den neuen Kurs operativ umsetzen soll Müllers Nachfolger Sander van der Laan. Auf manager-magazin.de lesen Sie die Hintergründe des Wechselmanövers. 

  • Kanzleramt will Cosco: Bundeskanzler Olaf Scholz möchte der chinesischen Reederei Cosco offenbar den Einstieg beim Hamburger Hafenbetreiber HHLA ermöglichen. Damit riskiert das Kanzleramt neuen Streit in der Regierungskoalition. Alle sechs an der Investitionsprüfung beteiligten Ministerien haben das Geschäft nämlich nach Recherchen der Kollegen von NDR und WDR bereits abgelehnt – übrigens mit ganz ähnlichen Bedenken, wie sie auch die Zweifler bei BASF äußerten. Cosco möchte für rund 65 Millionen Euro ein Drittel eines der drei Hafen-Terminals erwerben. HHLA-Chefin Angela Titzrath befürwortet den Deal.

  • Uniper-Rettung wird teurer: Der vor der Verstaatlichung stehende Energiekonzern Uniper braucht voraussichtlich weitere Milliardenhilfen. Das im September beschlossene zweite Rettungspaket in Höhe von bis zu 40 Milliarden Euro könnte unter Umständen für ein Überleben des angeschlagenen Gashändlers nicht ausreichen, wie heute bekannt wurde. Der Bund will bis zu 99 Prozent von Uniper übernehmen.

  • Und auch das – Liz Truss gibt auf: Nach nur sechs Wochen im Amt hat die britische Premierministerin heute ihr Amt zur Verfügung gestellt. Die Konservative zieht damit die Konsequenzen aus nicht enden wollender Kritik an ihrer Amtsführung. Ein Nachfolger stand heute noch nicht fest.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Aktien-Posse bei Ströer: Udo Müller ist nicht nur Co-Chef des von ihm gegründeten Werbedienstleisters Ströer, sondern auch ein passionierter Aktien-Zocker. In der Vergangenheit hat er sich mit Wetten auf den Kurs seines Unternehmens ein mehrere Millionen schweres Zubrot verdient. In diesem Jahr allerdings hatte Müller bislang kein Glück. Er musste 51,2 Millionen Euro aufwenden, um Verpflichtungen aus Put-Geschäften zu erfüllen – und kaufte zu Kursen weit über dem Marktpreis. Unser Kollege Jonas Rest hat die Details zu den fehlgeschlagenen Wetten, nachzulesen heute auf manager-magazin.de  

Meine Empfehlung für den Abend

Erbwächter: Theodor Weimer soll Knorr-Bremse befrieden

Erbwächter: Theodor Weimer soll Knorr-Bremse befrieden

Foto: Maurice Kohl
  • Familiensache: Theodor "Theo" Weimer hat die Nerven, Gutes vorbeiziehen zu lassen, wenn Besseres winkt. Der Finanzexperte hat dieses Talent mehrfach unter Beweis gestellt und es so zu einer stattlichen Karriere gebracht. Aktuell führt Weimer als Vorstandschef die Deutsche Börse. Jetzt soll ein prestigeträchtiges Amt hinzukommen. Nach unseren Recherchen soll er die Spitze der neuen Familienstiftung übernehmen, die das Erbe Heinz Hermann Thieles verwaltet. Der verstorbene Eigentümer von Knorr-Bremse hat eins der größten Vermögen der Republik und eine wahre Industrieperle hinterlassen. Durch etliche Führungswechsel ist das Unternehmen allerdings ein wenig heruntergekommen, der Aktienkurs liegt am Boden. Mit 59 Prozent der in der Stiftung gebündelten Aktien im Rücken avanciert Weimer neben Aufsichtsratschef Reinhard Ploss zur eigentlichen Macht bei Knorr-Bremse. Er könnte Anlagefantasien entwickeln, so wie der verstorbene Patriarch selbst, der zeitweilig umfangreich bei der Lufthansa eingestiegen war. Aber auch Weimers Moderationstalent wird gebraucht, um die Familie zu befrieden, so unser Kollege Michael Freitag. Sie finden seine Recherchen heute auf manager-magazin.de  

Herzliche Grüße, Ihre Eva Buchhorn

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