Eva Buchhorn

Der Tag im Überblick Daimler und die Macht der Chinesen

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit den Partnern von Ola Källenius, einer Absage an Rolf Buch und mehr Frauen in Vorständen.

Die Sorge ist so alt wie das Engagement deutscher Konzerne in China: Mit welchen Partnern macht man da eigentlich gemeinsame Sache? Dabei geht es nicht immer um das schwierige Thema Menschenrechte. Ebenso drängend ist die Frage, wie die chinesischen Partner Einblicke in deutsche Technologien und Strategien nutzen werden, die ihnen ein Joint Venture oder eine Beteiligung verschaffen. Eine Nachricht aus der Autowelt gibt der China-Frage neue Nahrung: Wie heute bekannt wurde, halten chinesische Unternehmen mittlerweile knapp 20 Prozent an Deutschlands stolzestem Autohersteller, Daimler.

Die mit der Verselbstständigung der Truck-Sparte verbundene Umbuchung von Aktien brachte ans Licht, dass der chinesische Partner Beijing Automotive Group – kurz BAIC – mit knapp 10 Prozent an den Stuttgartern beteiligt ist. BAIC übertrumpft mit seinem Anteil geringfügig sogar seinen Konkurrenten Li Shufu, den Eigner des konkurrierenden Autobauers Geely.

Klar ist: Ohne China geht es nicht, die Zusammenarbeit mit beiden Partnern ist für Daimler-Chef Ola Källenius und seine Mannschaft eine wichtige Gewinnquelle. Doch was, wenn die Partner aus Fernost ihren Einfluss weiter ausbauen wollen, etwa mit einem Sitz im Aufsichtsrat? Wir stellen den außerhalb Chinas wenig bekannten Autoriesen vor und fassen die Stuttgarter Planspiele für Sie zusammen.

Von Berufs wegen China-Versteher: Daimler-CEO Ola Källenius

Von Berufs wegen China-Versteher: Daimler-CEO Ola Källenius

Foto: MICHAELA REHLE / REUTERS

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Führungsdebakel in Bochum: Bei der Fusion der beiden Wohnungskonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen wirkten sie noch harmonisch, die beiden Unternehmenslenker Rolf Buch und Michael Zahn. Doch inzwischen muss es gekracht haben: Deutsche-Wohnen-CEO Zahn will nun doch nicht in den Vorstand des fusionierten Unternehmens einziehen. Zu den Gründen sagte er heute noch nichts. Beiden Unternehmen zusammen gehören mehr als 500.000 Wohnungen im Wert von mehr als 80 Milliarden Euro, der größte Teil davon in Deutschland.

  • Volkswagen bündelt seine Aktivitäten rund um die Batterie in einem eigenen Unternehmen. Die Wolfsburger haben dazu eine neue europäische Aktiengesellschaft gegründet – eine sogenannte SE. Die bildet die gesamte Wertschöpfungskette der Batteriezellenfertigung ab und soll kapitalmarktfähig sein. Für den Aufbau eigener Fabriken benötigt CEO Herbert Diess 25 bis 30 Milliarden Euro. Nur einen Teil will VW selbst beisteuern.

  • Die Preise im Großhandel sind im November mit Rekordgeschwindigkeit gestiegen – um 16,6 Prozent gegenüber dem Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Das ist der stärkste Anstieg seit Beginn der Berechnungen im Jahr 1962. Auch die Inflationsrate liegt aktuell mit 5,2 Prozent so wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. In dieser Woche beraten die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank über ein Ende der expansiven Geldpolitik. Der Dax legte mit Blick auf eine mögliche Trendwende vorerst noch einmal zu.

  • Noch eine Nachricht vom Schiffsmarkt: Corona hat den Trend zu Superjachten befeuert. Derzeit befinden sich weltweit mehr als 1200 Luxusschiffe im Bau oder in Auftrag – das sind 25 Prozent mehr als 2020.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Unnötige Meetings sind eins der größten Ärgernisse des Arbeitsalltags – und trotzdem verbreiteter denn je. Welche psychologischen Faktoren dafür verantwortlich sind und wie wir dem "Meeting Overload" entgegenwirken können, hat ein amerikanisches Autorenteam für den Harvard Business manager zusammengetragen. Die Verhaltenswissenschaftler wissen, dass psychologische Fallstricke der Grund dafür sind, dass die meisten Büromenschen Stunden um Stunden in überflüssigen Diskussionsrunden verbringen. Da ist etwa die Angst, etwas zu verpassen oder die berüchtigte Meeting-Amnesie, die einen alles eben Gehörte bei erster Gelegenheit wieder vergessen lässt. Wie Sie es besser machen können, lesen Sie heute bei uns .

Versteht Männer, sucht Frauen: Headhunter Christoph Zeiss

Versteht Männer, sucht Frauen: Headhunter Christoph Zeiss

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Die Frauen kommen. Das jedenfalls ist die Wahrnehmung von Christoph Zeiss, der als Personalberater im Auftrag großer Konzerne Vorstände und Aufsichtsräte besetzt. Wenn aus gesetzgeberischen Gründen in bislang rein männliche Gremien Frauen aufrücken müssen, verringern sich die Karrierechancen für Männer  – es sei denn, die Unternehmen schaffen einen zusätzlichen Vorstandsposten. Zeiss plädiert außerdem für höhere Vorstandsgehälter, damit – so sagt er – deutsche Unternehmen auf dem Weltmarkt in zehn Jahren noch dieselbe Rolle spielen. Zwischen Leistung und Verdienst besteht aus seiner Sicht eine direkte Korrelation. Ein Trost für die Männer, die sich ja zum Glück nicht schwer damit tun, regelmäßig eine Gehaltserhöhung zu fordern. Und eine Mahnung für die Frauen: Verhandelt ordentlich.

Herzliche Grüße und einen entspannten Abend, Ihre Eva Buchhorn