Christoph Seyerlein

manage:mobility Audi-Chef Markus Duesmann und sein Beinahe-Bye-Bye

Liebe Leserin, lieber Leser,

Tesla senkt die Preise für seine Autos um bis zu 20 Prozent. Andere werden dem Beispiel folgen müssen. Ein Model 3 liegt mit 47.568 Euro beim Einstiegspreis plötzlich gleichauf mit der mittleren Ausstattungsvariante des VW ID.3 (47.375 Euro) – welches Auto würden Sie nehmen?

Preisdruck und Rabattschlachten kehren in der Autoindustrie schneller zurück, als es den Herstellern lieb sein dürfte. Die Zeit des Verteilens knapper Ware und damit verbundener Traummargen scheint vorbei - zumindest bis Tesla-Chef Elon Musk auf Friedenskurs lenkt.

Unsere Topthemen der Woche:

  • Warum Markus Duesmann Audi-Chef bleibt

  • Wieso Continental noch mehr Diesel-Ärger droht

  • Wie der Bosch-CEO den Zulieferer unabhängiger vom Autogeschäft machen will

  • Welches Kernproblem die Lufthansa nicht loswird

Topthema: Aufstand gegen Audi

Weiter Herr der Ringe: Audi-Chef Markus Duesmann schiebt Abschiedsgedanken beiseite

Weiter Herr der Ringe: Audi-Chef Markus Duesmann schiebt Abschiedsgedanken beiseite

Foto:

Julian Baumann für manager magazin

Die externe Konkurrenz (BMW, Mercedes und Co.) enteilt, die interne Konkurrenz (Oliver Blume) durchsetzungsstark: Für Markus Duesmann (53) lief es eher rumpelig zuletzt. Der Audi-Chef dachte gar über seinen Abschied nach. Doch es kommt anders. Mein Kollege Michael Freitag hat recherchiert, was Duesmann zum Bleiben bewegt .

Köpfe: Anne Hidalgo ++ Stefan Hartung ++ Alex Chesterman ++ Carl Hahn

Vorhang noch nicht gefallen: Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo lässt die Bewohner über die Zukunft von E-Scootern in der Stadt entscheiden

Vorhang noch nicht gefallen: Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo lässt die Bewohner über die Zukunft von E-Scootern in der Stadt entscheiden

Foto: THOMAS COEX / AFP
  • Anne Hidalgo (63), Bürgermeisterin von Paris, erwägt schon länger, E-Scooter aus Frankreichs Hauptstadt zu verbannen. Doch allein will sich die Politikerin dem drohenden Zorn der Tretrollerfans nicht aussetzen. Scooter raus oder nicht? Darüber bestimmt ein Bürgerentscheid  am 2. April.

  • Stefan Hartung (57) will Bosch unabhängiger vom Automobilgeschäft machen. Wie das gelingen soll und warum der Zulieferer bei der Elektromobilität ständig "bei null" anfangen muss, hat er meinen Kollegen Margret Hucko und Michael Freitag im Interview erklärt .

  • Alex Chesterman (53), bislang CEO des Online-Autohändlers Cazoo, räumt nach 97 Prozent Kursverlust und der Implosion des Europageschäfts  seinen Posten. COO Paul Whitehead rückt auf. Die Strategie soll bei Cazoo künftig allerdings der Aufsichtsrat vorgeben. Dessen Chairman : Alex Chesterman. Na dann.

  • Carl Hahn brachte Volkswagen einst nach China und orchestrierte als Konzernchef die Übernahmen von Skoda und Seat. Vergangenen Samstag ist er im Alter von 96 Jahren verstorben. Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie.

Unternehmen: Continental ++ Mercedes ++ Ford ++ GKN Driveline

Wo bleibt das Licht? Continental-Chef Nikolai Setzer ist im Dauerkrisenmodus

Wo bleibt das Licht? Continental-Chef Nikolai Setzer ist im Dauerkrisenmodus

Foto:

Michael Matthey / dpa / picture alliance

  • Krise ohne Ende bei Continental. Dem ohnehin taumelnden Autozulieferer droht jetzt noch mehr Ärger wegen des Dieselskandals. Mein Kollege Claas Tatje hat erfahren: Die Staatsanwaltschaft weitet ihre Ermittlungen aus .

  • Mercedes-Chef Ola Källenius (53) setzt voll auf Luxus und baut dafür unterhalb des Vorstands um . Philipp Schiemer (58), bislang Chef der Performance-Tochter AMG, muss abtreten. AMG-Chef wird Michael Schiebe (39), enger Källenius-Vertrauter und bisher "Chief of Staff". Performt er, könnte er sich für mehr qualifizieren.

  • Ford greift bei Elektroautos für Europa bislang auf die VW-Plattform MEB zurück. Das soll nur eine Übergangslösung bleiben. Europachef Martin Sander (55) skizziert Fords Emanzipationspläne.

  • Schon zu DDR-Zeiten stellte GKN Driveline in Zwickau Gelenkwellen für Autos her. Binnen zwei Jahren wird das Werk mit 800 Jobs nun heruntergefahren. Das Management schiebt das auf die Transformation in der Branche, die IG Metall wittert dagegen Profitgier.

Mehr Mobilität: Lufthansa ++ Siemens Mobility ++ Didi ++ Specialized

Chef der "Zank AG": Lufthansa CEO Carsten Spohr

Chef der "Zank AG": Lufthansa CEO Carsten Spohr

Foto:

Felix Schmitt / stern / ddp images

  • Kaum ist die Lufthansa aus der Corona-Krise herausgeflogen, nimmt sie sich ihr Momentum wieder selbst. Die größte Schwäche der Airline bleibt ihr Mentalitätsproblem. Mein Kollege Michael Machatschke beschreibt den lähmenden Kulturkampf unterm Kranich .

  • Indiens Tourismusbehörde wirbt seit Jahren mit dem Slogan "Incredible India". Nahezu unglaublich mutet auch ein Geschäft an, das Siemens Mobility von der staatlichen indischen Eisenbahn an Land gezogen hat: 1200 Elektro-Loks für drei Milliarden Euro – der größte Lokauftrag der Siemens-Geschichte.

  • Didi kann in China wieder durchstarten. Vor anderthalb Jahren hatten Behörden dem Fahrdienstleister untersagt, neue Nutzer zu registrieren, nachdem Didi einen Börsengang in den USA angeschoben hatte. Jetzt ist das Verbot aufgehoben .

  • "Cycling is more powerful than ever", schreibt Scott Maguire, CEO des Fahrradherstellers Specialized, in einer Pressemitteilung . Doch nur eine Zeile darunter schaltet Maguire in einen anderen Gang: Aus Transformationsgründen müssen acht Prozent der Belegschaft gehen.

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Zahl der Woche: 275,6

Mit Preissenkungen setzt Tesla wie eingangs erwähnt die Konkurrenz unter Druck. Wohl dem, der gleichzeitig bei den Werbeausgaben sparen kann. Doch warum braucht Tesla kein klassisches Marketing? Die Antwort ist so simpel wie frustrierend für andere Marken: Das Interesse an Tesla ist schlicht irre. Bei Twitter erzielten Beiträge von Tesla in einem Zeitraum von 30 Tagen 275,6 Millionen Views . BMW erreichte mit 4,34 Millionen immerhin fast 100 mal mehr Ansichten als VW (rund 50.000) – aber eben auch nur rund zwei Prozent von Tesla.

Deepdrive der Woche: Kommt die Abokalypse?

Mancher ehemalige Autoprofessor preist Autoabos als Heilsbringer im Fahrzeugvertrieb. Zugegeben: Das Interesse nimmt zu. Für die meisten der zahllosen Abo-Start-ups wird es trotzdem eng, schließlich ziehen auch immer mehr Autohersteller Aboangebote hoch. Experten der Boston Consulting Group  erwarten: Nur wer für die Konzerne als zusätzlicher Absatzkanal unersetzlich wird, kann überleben.

Vollbremsung der Woche

Teurer Tanker-Totalschaden: Vor knapp einem Jahr sank die "Felicity Ace" mit etwa 4000 Autos an Bord

Teurer Tanker-Totalschaden: Vor knapp einem Jahr sank die "Felicity Ace" mit etwa 4000 Autos an Bord

Foto: PORTUGUESE NAVY / via REUTERS

500 Millionen Euro Versicherungsschaden entstanden, als im Februar 2022 das Frachtschiff "Felicity Ace" nahe den portugisieschen Azoren in Brand geriet und sank. An Bord waren knapp 4000 Neuwagen aus dem Volkswagen-Konzern, darunter zahlreiche Elektroautos. Die sind schwerer zu löschen als Benziner oder Diesel. Die Reederei Havila Kystruten will sich vor einem solchen Fiasko schützen. Elektro-, Hybrid- und Wasserstoffautos sind auf Havila-Schiffen ab sofort verboten. Funfact: Die Reederei schippert vor den Küsten des Elektromobilitätswunderlands Norwegen.

Ich hoffe, bei Ihnen brennt in dieser Woche nichts an.

Herzlichst, Ihr Christoph Seyerlein

­Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Sie erreichen meine Kolleginnen und Kollegen im Team Mobility und mich unter manage.mobility@manager-magazin.de .

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.