Lukas Heiny

manage:mobility Milliardenpoker um den Rennzirkus

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Wie Audi-Chef Markus Duesmann bei McLaren vorfährt.

  • Wer die neue Powerfrau der Truckwelt ist.

  • Warum Sono Motors ein Führungs- und Geldproblem hat.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Das sind Audis Formel-1-Pläne

Orange Versuchung: Audi buhlt um den McLaren, der Chef reiste sogar zu den Scheichs

Orange Versuchung: Audi buhlt um den McLaren, der Chef reiste sogar zu den Scheichs

Foto: Steven Tee / LAT Images Images

Seit Monaten laufen die Gespräche, und die Formel-1-Träume von Audi-Chef Markus Duesmann (52) wirkten zwischenzeitlich abgefahren wie ein Satz Slicks in der Schlussrunde. Doch der Frust ist verflogen, an diesem Donnerstag schon könnte der Konzern-Aufsichtsrat von Volkswagen das Go erteilen. Duesmann bietet viel Geld für McLaren, das nach Ferrari erfolgreichste Formel-1-Team aller Zeiten. Er will ein Drittel des Rennstalls und die Mehrheit an der hochdefizitären Luxusautoschmiede. Noch sind nicht alle Schikanen umkurvt. Aber am Ende des Milliardenpokers, so schreiben meine Kollegen Michael Freitag und Margret Hucko nach Gesprächen mit vielen Insidern, wird McLaren höchstwahrscheinlich die nächste Marke im VW-Reich werden. Und das ist – Audis McLaren-Plan für die Formel 1 .

Köpfe: Anja van Niersen ++ Elon Musk ++ Britta Seeger ++ Nadja Thiele ++ Alexander und Konstantin Sixt

Oranje Chefin: Die frühere Allego-Chefin Anja van Niersen soll Laster laden

Oranje Chefin: Die frühere Allego-Chefin Anja van Niersen soll Laster laden

Foto: Georg Wendt / picture alliance/dpa

Unternehmen: Sono Motors ++ Porsche ++ Polestar ++ Rivian ++ Renault

Geldsucher: Sono-Motors-Chef Jona Christians hätte gern weitere 275 Millionen Euro

Geldsucher: Sono-Motors-Chef Jona Christians hätte gern weitere 275 Millionen Euro

Foto: ANDREAS GEBERT / REUTERS
  • Das Münchner Solarauto-Start-up Sono Motors, seit November an der Nasdaq notiert, will schon im zweiten Halbjahr 2023 die ersten sonnengetriebenen Autos produzieren. Fabrikkapazitäten bei Valmet Automotive in Finnland konnten sich die Chefs Laurin Hahn (27) und Jona Christians (28) diese Woche sichern. Nur fehlt ihnen bis zum Start noch viel Geld. Und ihr Aufsichtsratschef, der frühere VW- und Daimler-Manager Wilko Stark (49), hat die Firma nach gerade zwei Monaten fluchtartig verlassen: Lieber eine leere Firmenhülle auf den Caymans als Sono Motors. 

  • Nach einem Rekordjahr zahlt Porsche-Chef Oliver Blume (53) den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine satte Prämie: Bis zu 7900 Euro Bonus gibt es – mehr als im vergangenen Jahr. Und viel mehr als bei der Konzernmutter Volkswagen.

  • Der chinesisch-schwedische Elektroautobauer Polestar, der bekanntlich noch vor dem Sommer einen 20-Milliarden-Dollar-Spac-Börsengang hinlegen will, hat einen der größten Elektroauto-Deals aller Zeiten gelandet. Die US-Vermietung Hertz will bis zu 65.000 Polestar kaufen (nachdem sie im vergangenen Jahr ja 100.000 Teslas geordert hatte). Vielleicht sollten auch die Sono-Chefs mal bei Hertz-Boss Stephen Scherr anrufen.

  • Apropos: US-Autobauer Rivian, aktuell immer noch mit 36 Milliarden Dollar bewertet, hat so viele Autos ausgeliefert wie nie zuvor in einem Quartal: genau 1227 . Am gerade erst um mehr als ein Drittel reduzierten Produktionsziel von 25.000 in diesem Jahr hält man aber fest.

  • Renault-Chef Luca De Meo (54) verfolgt Pläne, das Elektroautogeschäft vom Rest-Konzern abzuspalten. 2023 könnte die New-Mobility-Einheit an die Börse gehen , zitieren die Bloomberg-Kollegen aus einer Analysten-Runde.

Neue Mobilität: Go Sharing ++ Gogoro ++ Mikromobilität

  • Dem niederländischen E-Scooter-Unternehmen Go Sharing, das in Deutschland bislang nur in Saarbrücken unterwegs ist, sind in Brüssel fast alle Leihroller abhanden gekommen. Vor allem Jugendliche hatten im Internet Anleitungen geteilt, wie die Fahrzeuge zu knacken seien. Ob das Phänomen woanders auch schon bemerkt wurde, wollte uns das Unternehmen auf Anfrage nicht mitteilen. Man sei nun dabei, das Problem zu lösen, erklärte ein Manager in belgischen Medien  – nur dauere das mehrere Wochen.

  • Gogoro, berühmt geworden mit Wechselbatterien für E-Roller in Taiwan, ist seit Montag an der Nasdaq gelistet. Der Spac-Börsengang brachte 335 Millionen Dollar. 

  • Kleiner Linktipp, weil wir den selbst gerade entdeckt haben: Der Micromobility-Influencer (und VW-Manager) Augustin Friedel pflegt eine ausführliche Europakarte, auf der die Sharing-Anbieter jeder Stadt mit diversen Einzeldaten  gelistet sind.

Zahl der Woche: 62,5

Um so viel Prozent ist der russische Automarkt im März im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen.  Bei VW, Toyota oder Porsche war das Minus noch deutlich höher; bei chinesischen Herstellern wie Geely deutlich geringer.

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Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Deep Drive: Studie der Woche

In dieser Woche wurde der dritte Teil des IPCC-Reports zum Klimawandel veröffentlicht. Darin geht es um eine Abwägung der verschiedenen politischen Maßnahmen, um das 1,5-Grad-Ziel doch noch einzuhalten, sehr ausführlich auch um den Wandel des Verkehrs- und Transportsektors. Zentraler Satz in diesem Kontext  auf pdf-Seite 162: "Von den 60 identifizierten Maßnahmen, die den individuellen Verbrauch verändern könnten, haben die individuellen Mobilitätsentscheidungen das größte Potenzial zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks. Durch die Bevorzugung einer autofreien Mobilität zu Fuß und mit dem Fahrrad und die Einführung der Elektromobilität könnten pro Kopf und Jahr zwei Tonnen CO2-Äquivalent eingespart werden."

Geisterfahrer der Woche

Visionär und Winzer: Nio-Chef William Li mischt seit Jahren Chinas Autowelt auf

Visionär und Winzer: Nio-Chef William Li mischt seit Jahren Chinas Autowelt auf

Foto: dpa Picture-Alliance / Ng Han Guan/ picture alliance/AP Photo

Nio-Chef William Li (47), der mit seiner Elektroautomarke von China aus auch nach Deutschland expandiert, hat sich gerade diverse Marken im Wein-Geschäft schützen lassen . Eine heißt wörtlich übersetzt "Sohn des Lichts". Sie sollen Teil der Sparte Nio Life werden, mit der sich Li bereits unter renommierten Winzern tummelt. So hat er, Nio hat es stolz verkündet, mit dem Hoflieferanten des französischen Präsidenten eine strategische Partnerschaft geschlossen. Dabei passen Auto und Alkohol eher nicht gut zusammen – es sei denn, die Nios fahren eines Tages autonom nach Hause. Zum Wohl!

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Lukas Heiny