Corinna Scheying

Newsletter "Der Tag" Der Tag im Zeichen des Tigerjungen

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Hedgefonds-Zocker Bill Hwang und dem Kollaps von Archegos Capital, dem Comeback der Containerschiffe und Mietwagen für Mondpreise.

Schockwellen an den Finanzmärkten. Der bislang eher unbekannte US-Hedgefonds Archegos Capital ist in Schieflage geraten und musste am Freitag Aktien im Wert von mehr als 20 Milliarden US-Dollar notverkaufen. Manche sprechen gar vom "größten Margin Call aller Zeiten". Jedenfalls trifft der Kollaps gleich mehrere Großbanken – neben der japanischen Nomura ganz besonders die Credit Suisse, die gerade erst von den Greensill-Turbulenzen geplagt worden war. Nun drohen Milliardenausfälle.

Dabei ist der Mann hinter dem Hedgefonds kein unbeschriebenes Blatt. Archegos-Gründer Bill Hwang eilt ein zweifelhafter Ruf voraus. Als "Tigerjunge" war er einst Schüler des Hedgefonds-Pioniers Julian Robertson. Seinen später gegründeten eigenen Hedgefonds musste er 2012 schließen und eine Multimillionen-Strafe der US-Börsenaufsicht wegen Insiderhandels akzeptieren. Obwohl er bei vielen Investmentbanken auf der schwarzen Liste steht, konnte der Zocker zum zweiten Mal ein Milliardenportfolio aufbauen – und damit ein Großrisiko für den Finanzmarkt schaffen, das jetzt den Banken um die Ohren fliegt.

Persona non grata: Nicht zum ersten Mal fällt Bill Hwang am Finanzmarkt negativ auf

Persona non grata: Nicht zum ersten Mal fällt Bill Hwang am Finanzmarkt negativ auf

Foto: Emile Wamsteker / Bloomberg / Getty Images

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Für den Welthandel startet die Woche erfreulich: Die "Ever Given" ist befreit. "She's free", jubelte ein Beteiligter in Ägypten. Nach fast einer Woche, die der Containerriese im Suezkanal feststeckte, schwimmt er wieder frei. Jetzt gilt es, den Stau von mittlerweile rund 400 Schiffen, die den Kanal passieren wollen, langsam aufzulösen – das könnte allerdings Tage dauern.

  • Die Befreiung des Frachters passt sinnbildlich zu dem großen Comeback, das die Containerschifffahrt derzeit erlebt. Die Branche, die zuletzt für Unvernunft und Geldvernichtung stand, verdient derzeit nämlich glänzend. Die Reeder wirken selbst fast ungläubig, wie gut es für sie läuft. Ein Corona-Effekt? Hinter der wundersamen Wende könnte mehr stecken – die Neugeburt einer Weltbranche erklärt mein Kollege Michael Machatschke. 

  • Vorstandsumbau bei der Deutschen Bank. Der Vorsitzende Christian Sewing gibt bekanntlich seine Verantwortung für das Investmentbanking ab. Ein schöner Anlass für eine Komplettrenovierung. Sewing nimmt sich ein weiteres Ressort dazu, eine zweite Frau rückt ins Topgremium und ein Kollege geht. Lesen Sie selbst.

  • Und auch bei den Kollegen im Nachbarturm der Commerzbank regt sich was. Nach einer Massenflucht aus dem Aufsichtsrat soll der frühere DZ-Mann Helmut Gottschalk künftig als Oberaufseher fungieren.

  • Während die Produktion in der Autoindustrie wegen der Chipkrise schleppend läuft, ist die lange Leidenszeit von Amerikas Industriekonzernen vorbei. An der Börse schlagen sich Ikonen wie Caterpillar oder Stanley Black & Decker besser als der Rest. Über die entscheidenden Boomfaktoren erfahren Sie mehr in diesem Originaltext aus dem "Economist". 

  • Bitcoin nähert sich wieder seinem Rekordhoch von 58.000 US-Dollar. Für Schub bei diversen Kryptowährungen hat eine Mitteilung der Kreditkartenfirma Visa gesorgt, bald die Verwendung von Kryptogeld in ihrem Zahlungsnetzwerk ermöglichen zu wollen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Auf Hawaii herrscht Automangel. Ein Szenario, das vor wenigen Monaten kaum vorstellbar war, hat nun ausgerechnet die sonnigen Urlaubsziele der USA ereilt. Bis zu 500 Dollar müssen Touristen hier derzeit pro Tag für einen Kleinwagen bezahlen – wenn sie denn überhaupt noch einen Mietwagen bekommen. Der Grund: In der Corona-Krise hatten die Vermieter ihre Flotten extrem reduziert.

  • Der Babyartikelhändler Baby Walz hat eine wechselvolle Geschichte erlebt. Nun steht das nächste Kapitel an: Finanzinvestor Apollo bereitet sich darauf vor, das Unternehmen zu verkaufen. 

Meine Empfehlung für den Abend:

Zehn Millionen Euro im Corona-Jahr: Post-Chef Frank Appel verdiente wie kein Zweiter im Dax

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Foto:

Sven Simon / imago images

  • Die Corona-Krise hat die Gewinne vieler Unternehmen einbrechen lassen, und damit auch die Vergütungen von Deutschlands Topmanagern. Die durchschnittlichen Bezüge der Dax-Chefs sanken im Jahr 2020 um 28 Prozent auf 5,3 Millionen Euro, ergab eine Studie der hkp-Group. Es gab allerdings auch Gewinner, wie etwa die Deutsche Post und ihren Chef Frank Appel. Die bestbezahlten Dax-Chefs – und auch die Geringverdiener unter den Topverdienern – zeigen wir Ihnen hier.

Herzlich, Ihre Corinna Scheying