Lukas Heiny

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit dem Angstgegner der Autobosse

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dabei: Apples Autoprojekt Titan, der Titan der Kotelettbranche, ein Kaufhausking mit Geldsorgen sowie ein Samwer, der auf Tesla macht.

Das Apple Car ist längst ein Mythos. Immer wieder gab es Gerüchte über geheimnisvolle Projekte, stets schien ein Auto des Tech-Konzerns nur ein paar Jahre von der Markteinführung entfernt. Das Netz quillt zwar über vor scheinbaren Skizzen – in Wahrheit umgibt das Projekt eher eine mystische Stille. Wer immer mit den wirklichen Plänen Kontakt hat, soll schweigen. Nachdem zeitweise etwa die VW-Tochter Italdesign unter strengsten Sicherheitsauflagen Testvehikel für den US-Konzern gebaut hatte, wurden die Prototypen in Kleinstteile geschreddert, um nur ja keine Spuren zu hinterlassen.

Apple-Boss Tim Cook ist für die deutschen Autohersteller so etwas wie der unsichtbare Angstgegner.  Der US-Konzern schafft es, mehr als 80 Prozent der globalen Gewinne mit Smartphones einzustreichen, 80 Prozent der weltweiten Tablet-Gewinne und mit seinen Macbooks zwei Drittel der Laptop-Gewinne. Was, wenn Apple auch die Milliarden aus dem Autogeschäft nach Cupertino leitet?

Meinen Kollegen Michael Freitag und Jonas Rest ist es gelungen, einen Inside-Report über Apples Autoprojekt "TItan" zu recherchieren. Sie haben mit Dutzenden aktuellen und früheren Titan-Mitarbeitern gesprochen, mit Zulieferern und Projektpartnern. Danach ist klar: Das teuerste Apple-Projekt aller Zeiten nimmt Fahrt auf, die deutschen Automanager sorgen sich zu Recht. Ihren Report, zugleich Titelgeschichte unserer aktuellen Ausgabe, lesen Sie hier: Automacht Apple.  Und wollen Sie sich die Geschichte am Wochenende lieber vorlesen lassen, dann klicken Sie hier. 

Car Guy: Apple-Chef Tim Cook verlangt nur "das Beste vom Besten", sagen Insider.

Car Guy: Apple-Chef Tim Cook verlangt nur "das Beste vom Besten", sagen Insider.

Foto:

Andrew Burton / The Washington Post / Getty Images

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages:

  • Dass auch Volkswagen-Chef Herbert Diess zu denen gehört, die Apple langfristig zu den Big Four der Autobranche zählen (neben Tesla, Baidu und Volkswagen selbst), erklärt teilweise seine Tech-Strategie , die angesichts der Kursexplosion in dieser Woche auch bei den Investoren verfängt. Nun ist klar, dass auch VW Tempo macht. Der ID.4 – auch bekannt als Tesla-Fighter – wird ab kommenden Freitag ausgeliefert.

  • Die Samwers, die mit Rocket Internet reich und berühmt geworden sind, haben inzwischen das Geschäft mit sauberen Energien für sich entdeckt. Alexander Samwer, der jüngste der drei Brüder, will die Solarfirma Enpal an die Börse bringen, möglichst noch in diesem Jahr, haben meine Kollegen Angela Maier und Jonas Rest herausgefunden. Die Zeit scheint günstig – und Samwers Vorstandschef Mario Kohle ist kein Vergleich zu groß: Enpal sei "ein deutsches Tesla".  Motto: Rocket to the sun.

  • Der König der Schlachter ruft Prinz Max als Thronfolger aus. In einem Schreiben an seine Untertanen, äh, Angestellten sieht Clemens Tönnies jedenfalls in seinem Sohn die Zukunft des Unternehmens. Anlass der Verlautbarung sind Verkaufsgerüchte. Tönnies schreibt nun von Liebe und Zukunft und Macht ("Wir sind es, die Markt machen") – ohne einen Firmenverkauf freilich knallhart zu dementieren.

  • In der Aufarbeitung der Wirecard-Affäre hat bereits am Donnerstagabend Thomas Eichelmann vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags ausgesagt. Der frühere Aufsichtsratschef erzählte, wie ihn Ex-CEO Markus Braun und andere Akteure mit Drohungen ausbremsen wollten. Und dass er das Partnergeschäft in Asien – auch bekannt als das Milliardenloch – nicht durchschaut habe.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Luxus auf Pump: Unternehmer René Benko verdient sein Geld vor allem mit Immobilien, auch von der KaDeWe-Gruppe gehören ihm 100 Prozent der Häuser, aber nur knapp die Hälfte des Warenhausgeschäfts.

Luxus auf Pump: Unternehmer René Benko verdient sein Geld vor allem mit Immobilien, auch von der KaDeWe-Gruppe gehören ihm 100 Prozent der Häuser, aber nur knapp die Hälfte des Warenhausgeschäfts.

Foto:

Peter Rigaud/laif

  • Die Covid-Krise und die wiederholten Shutdowns haben der ohnehin angeschlagenen Kaufhausgruppe Galeria Karstadt Kaufhof so zugesetzt, dass sie selbst nach einem Schutzschirmverfahren bis zu 460 Millionen Euro Staatshilfe bekam. Recherchen meiner Kollegin Margret Hucko haben ergeben, dass der österreichische Besitzer und Milliardär René Benko darüberhinaus noch mehr staatliche Unterstützung bekam. Auch seinen drei Nobelhäusern – Oberpollinger in München, KaDeWe in Berlin und Alsterhaus in Hamburg – sprang der Staat bei. Luxus auf Pump .

  • Die chinesischen Kapitalmärkte sind sowohl professioneller als auch stärker mit der globalen Finanzwelt verwoben als je zuvor. Ihre Öffnung könnte ausländische Firmen anziehen, doch können sie dabei gewinnen? Wie jeden Freitag suchen wir Ihnen Originaltexte aus dem britischen "Economist" aus. Dieses Mal: Wie Chinas Börsen ihr Kasinoimage abschütteln. 

In eigener Sache:

Meine Empfehlungen fürs Wochenende:

Foto: manager magazin
  • Eines der Themen dieser Woche war der Aufstieg von Stripe, das mit 95 Milliarden Dollar Bewertung nun das wertvollste Start-up der westlichen Hemisphäre ist. (Unsere ausführliche Geschichte über Stripe können Sie hier lesen  oder sich hier vorlesen lassen ). Er beweist einmal mehr, dass im Thema Fintech auch in der Post-Wirecard-Ära richtig Musik drin ist. Schließlich ist auch Klarna aus Schweden, seit diesem Monat 31 Milliarden Dollar wert (und damit deutlich mehr als die 22 Milliarden Euro schwere Deutsche Bank). Wer steckt hinter den neuen Geld-Giganten? Warum sind sie so wertvoll, wie werden sie unsere Wirtschaft möglicherweise verändern - und haben die etablierten Anbieter überhaupt noch eine Chance? Darüber diskutieren diese Woche in unserem Podcast "Das Thema" meine Kollegin Christina Kyriasoglou sowie Martin Noé und Sven Clausen.

  • Sollten Sie am Wochenende Ihre neue Woche planen (und auch sonst), empfehle ich Ihnen zwei Artikel: Zum einen den des amerikanischen Unternehmensberaters Dick Grote aus dem Harvard Business manager. Er beschäftigt sich mit dem Thema Mitarbeiter- und Selbstführung. Konkret mit der Frage: Ziele setzen - aber wie? Wissenschaftler haben nämlich schon vor einiger Zeit herausgefunden, dass gängige Methoden verbesserungswürdig sind. Drei beliebte Zielvereinbarungs-Techniken, auf die Sie verzichten sollten. 

  • Und diesen gegen den fortgesetzten Homeoffice-Koller: Sechs praxiserprobte Tipps, die sofort die Laune verbessern und helfen können, sich nicht mehr so isoliert zu fühlen. Sie brauchen: ein Foto, ein Post-it und eine Handpuppe. Viel Spaß!

Ihnen ein erholsames und anregendes Wochenende. Bleiben Sie gesund, herzlich, Ihr Lukas Heiny

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