Lukas Heiny

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit der K-, W- und P-Frage

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Mit dabei: Die Wirtschafts-Connections der Grünen, der China-Boost der Autobauer und Polit-Aktivisten auf dem Chefsessel.

Beim Stichwort K-Frage blicken alle ja derzeit gebannt auf die beiden Black Beauties Söder und Laschet. Dass auch die nach Umfragen aktuell zweitstärkste Partei ihre K-Frage bislang nicht öffentlich beantwortet hat, geht dabei unter. Aber anders als im Machtkampf der CDU- und CSU-Bosse läuft bei den Grünen alles wohlgeordnet und harmonisch. Am Montag soll verkündet werden, mit wem sie ins Kanzleramt streben: Annalena Baerbock oder Robert Habeck.

Fest steht in jedem Fall schon jetzt: Die nächste Bundesregierung dürfte maßgeblich grün geprägt sein. Und der Wirtschaft steht dann ein radikaler Umbau bevor. "Die Klimakrise ist die Existenzfrage unserer Zeit", heißt es im grünen Wahlprogramm. Unternehmen, Industrie, Volkswirtschaft – alles soll "auf den 1,5-Grad-Pfad" getrimmt werden. Organisatorisch ist die Transformation gut vorbereitet, zwischen Grünen und Wirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren ein Netzwerk gespannt, es gibt Gesprächszirkel, Gremien, Beraterkreise. Und die finanz- und unternehmenspolitisch versierten Fachpolitiker belegen in den Ländern aussichtsreiche Listenplätze. Mein Kollege Christian Schütte beantwortet anlässlich der K-Frage die W-Frage: Die Wirtschafts-Connections der Grünen. 

Foto: manager magazin

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages:

  • Wenn es derzeit – inmitten der Corona-Krise – bei den Unternehmen gut läuft, liegt das an den drei C: China, China und nochmals China. Die Volkswirtschaft des Landes wuchs im ersten Quartal so stark wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen vor drei Jahrzehnten: plus 18,3 Prozent. Schon jetzt hat die Wirtschaft das Vor-Krisen-Niveau übertroffen. Und davon profitieren eben auch die europäischen und amerikanischen Konzerne mit nennenswertem China-Geschäft.

  • Allen voran die deutschen Autobauer: Daimler meldete an diesem Freitag starke Quartalszahlen mit vervielfachtem Gewinn und 60-Prozent-Zuwächsen in China. Und auch Volkswagen konnte mitteilen: 61 Prozent Zuwachs in China.

  • Zweiter Grund, warum es läuft: der Börsenboom. Der zumindest beschert den amerikanischen Großbanken fabelhafte Ergebnisse. Nach Goldman Sachs und JP Morgan am Vortag meldete sich heute Morgan Stanley: So hohe Gewinne gab es noch nie. Vor allem das Investmentbanking (auch dank des Hypes der privaten Zocker und der Spac-Börsengänge) hat für umgerechnet 3,3 Milliarden Euro Überschuss im ersten Quartal gesorgt. Allerdings offenbarte sich auch ein Makel: Die Pleite des Zocker-Hedgefonds Archegos Capital hat die Bank rund 900 Millionen Dollar gekostet.

  • Passend dazu beendet der Deutsche Aktienindex die Woche mit einem neuen Rekord, wie Sie in unserem täglichen Börsenbericht lesen können. Fragt sich nur, wie lange das so weitergeht.

  • Fortschritte bei der Abwicklung des Wirecard-Konzerns. Insolvenzverwalter Michael Jaffé (den meine Kollegin Angela Maier hier in einem ausführlichen Porträt  vorstellt) hat die Asien-Töchter verkauft. Natürlich bleibt auch nach der Resteverwertung ein Loch in den Gläubiger-Kassen, aber immerhin summieren sich die Erlöse nun Insidern zufolge auf rund 600 Millionen Euro.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Was für Ihre Karriere wichtig sein könnte:

J-Frage: Wer bekommt den Job?

J-Frage: Wer bekommt den Job?

Foto: imago images/Westend61
  • Die Corona-Krise ändert die bisherigen Gepflogenheiten am Jobmarkt. Die klassischen Wege, wie Personaler die besten Talente in ihre Unternehmen holen, sind versperrt. Die Zahl der Praktika und Traineestellen – längst nicht wieder auf Vor-Krisen-Niveau. Messen oder Schnuppertage – ausgefallen. Wie also herausragende Nachwuchskräfte anlocken? Und wie den passenden Job finden? Und wie können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von dieser Gemengelage profitieren und das meiste für sich herausholen? In unserer Podcast-Folge "Das Thema" gehen meine Kollegen Eva Buchhorn und Sven Clausen genau diesen Fragen nach: Die neue Jagd auf die besten Köpfe.

  • Nach mehr als einem Jahr im Ausnahmezustand macht sich allgemein eine gewisse Müdigkeit breit. Im Extremfall droht ein Zustand, der gemeinhin als "Burn-out" bezeichnet wird, gekennzeichnet durch Erschöpfung, Ineffektivität, Zynismus. Die beiden Professoren Christina Maslach (Berkeley Universiy) und Michael Leiter (Deakin University) gehören zu den wichtigsten Burn-out-Forschern der Welt. Im Gespräch erklären sie, wann Erschöpfung krankhaft ist, warum Burn-out nichts mit fehlender Abgebrühtheit zu tun hat – und wie im Job damit umgegangen werden sollte. 

Meine Empfehlung für den Abend und für das Wochenende:

P-Frage: Wie stark sollten sich CEOs in der Politik einbringen? Coca-Cola-Boss James Quincey übt sich in diskreten Manövern.

P-Frage: Wie stark sollten sich CEOs in der Politik einbringen? Coca-Cola-Boss James Quincey übt sich in diskreten Manövern.

Foto: Pascal Le Segretain / Getty Images for Coca-Cola
  • Wie jede Woche präsentieren wir Ihnen ausgesuchte Originaltexte aus dem jeweils aktuellen "Economist". In dieser Woche geht es um den neuen Polit-Aktivismus der US-Bosse.  In den USA trauen die Menschen mehr den Firmenchefs als ihren gewählten Politikern. Gleichzeitig steigen damit die Erwartungen, dass sich die Chefinnen und Chefs auch gesellschaftspolitisch einbringen und äußern. Themen gibt es genug: MeToo, Rassismus, Klimaschutz, Demokratie, Diversity... Und die CEOs liefern, zögernd zwar aber deutlich hörbarer und lauter als es etwa die Herren an der Spitze der Dax-Konzerne tun. Es ist ein Bruch mit der Tradition des amerikanischen Kapitalismus. Und es stellt sich die Frage: Was bedeutet die Einmischung für die Unternehmen? Ein wirklich lesenswertes Stück. 

Herzlich, Ihr Lukas Heiny