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Christoph Rottwilm

Der Mittwoch im Überblick Utopien, Exzesse und Run DMC

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Google und Facebook gegen Internet-Utopisten, USA gegen China und Adidas gegen Kanye West.

Fair, demokratisch, dezentral – das waren die Ideale, die das Internet in seinen Anfangszeiten auszeichneten. Inzwischen wird das Geschehen im World Wide Web weitgehend von einigen wenigen Großkonzernen beherrscht, allen voran Google, Facebook sowie Amazon. Diese Unternehmen wissen, womit wir uns virtuell beschäftigen, welche Interessen und Meinungen wir haben, was wir erwerben. Sie verfügen über riesige Datenbestände – und verwandeln diese auf womöglich nicht immer astreine Weise in Milliardengewinne.

Eine neue Generation von Web-Utopisten propagiert die Überwindung dieses Zustandes. Im Web3, so deren Versprechen, haben Großkonzerne weniger Macht und die Menschen erhalten die Kontrolle über ihre Daten und ihre Identität zurück. Zu den Vorkämpfern dieser Idee gehört der US-Wagniskapital-Finanzierer Andreessen Horowitz, oder neuerdings: a16z, der so viel Kapital und Enthusiasmus in unzählige Start-ups der neuen Web-Welt gesteckt hat, wie kein anderer. Und die Technologie, auf der die Hoffnungen der Interneterneuerer ruhen, heißt Blockchain.

Die Sache hat allerdings einen Haken, wie Kollegin Helene Laube in einem umfangreichen Report berichtet: Auch die Verheißungen des Web3 führen womöglich in die Irre. Sichtbarstes Ergebnis der schönen neuen Internetwelt sind bislang die Exzesse der Kryptoszene, wo es mit Kursen und Preisen wild auf und ab geht, zulasten unzähliger Privatanleger, die viel Geld verlieren. Betrügereien, Geldwäsche, Diebstahl geistigen Eigentums, Datenmissbrauch, Hacks – all das werde durch Web3-Technologie und die Visionen versponnener Idealisten begünstigt, sagen die Kritiker.

Utopist und Investor: Ali Yahya von Andreessen Horowitz steckt viel Geld in Web3-Projekte

Utopist und Investor: Ali Yahya von Andreessen Horowitz steckt viel Geld in Web3-Projekte

Foto: Solana

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Vorstand und Aufsichtsrat von Volkswagen haben zu Wochenanfang nicht nur den Börsengang der Sportwagentochter Porsche auf den Weg gebracht. Beschlossen wurden zugleich Änderungen im Aufsichtsrat von Porsche. Sobald das Unternehmen sein Debüt am Aktienmarkt gegeben hat, stoßen drei prominente Managerinnen in das Gremium. Dabei handelt es sich um: Hauke Stars aus dem Volkswagen-Vorstand, Micaela le Divelec Lemmi, bis vor einiger Zeit CEO beim italienischen Luxus-Label Salvatore Ferragamo, sowie Melissa Di Donato Roos, Chefin des deutschen Softwareunternehmens Suse.

  • Erst vor Kurzem hatte Milliardär und Lufthansa-Großaktionär Klaus-Michael Kühne wissen lassen, dass er den restlichen Staatsanteil von knapp 10 Prozent an der Airline nicht übernehmen wolle. Jetzt hat der Logistikunternehmer offenbar doch Lust auf weitere Lufthansa-Aktien: Nach einem Gespräch mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley habe er beschlossen, bei Gelegenheit weitere Papiere zu erwerben, erklärte Kühne.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Den Wirtschaftskrieg zwischen den USA und China sollten deutsche Unternehmen nicht nur aus der Ferne verfolgen – er kann sie demnächst direkt betreffen. Wie unser Gastautor Christoph H. Seibt, Partner für Gesellschaftsrecht der internationalen Kanzlei Freshfields, ausführt, bereitet US-Präsident Joe Biden gerade ein Gesetz vor, das die Aktivitäten von US-Unternehmen sowie Drittstaaten-Unternehmen mit wesentlichem US-Geschäft in China betrifft. Dieses Gesetz, so Seibt, ist für deutsche Unternehmen mit Geschäft in den USA von höchster Relevanz. Seibts ausführliches Stück dazu mit allen nötigen Details finden Sie auf manager-magazin.de .

  • Unser Kolumnist Henrik Müller macht sich Gedanken darüber, welche Eigenschaften Gesellschaften brauchen, um erfolgreich durch Krisen zu kommen. Das wenig überraschende Ergebnis: Widerstandskraft ist von entscheidender Bedeutung. Ausgerechnet Deutschland steht daher im Moment nicht besonders gut da, so Müller: Er meint, dass uns die Widerstandskraft abhandengekommen ist .

Meine Empfehlung für den Abend:

Im Streit mit Adidas: Kanye West – kurz Ye – bei einem Boxkampf in den USA

Im Streit mit Adidas: Kanye West – kurz Ye – bei einem Boxkampf in den USA

Foto:

Brandon Magnus / Getty Images

  • Wer an die Musikvideos der Hip-Hop-Kombo Run DMC aus den 1980er-Jahren zurückdenkt, erinnert sich vermutlich auch an die Schuhe, die die Rapper in der Regel getragen haben: Es waren Sneaker von Adidas. Damals entstand eine Verbindung, die bis heute Bestand hat. Sportartikelhersteller und andere Markenartikler suchen die Nähe zur Hip-Hop-Szene, um auf dem Wege ein junges Publikum zu begeistern. Neben Adidas gehen auch Nike und Puma sowie Red Bull, Coca-Cola, Rolex und viele andere diesen Weg. Doch wer hat dabei den größten Erfolg? Darüber gibt eine Studie der Beratungsagentur The Ambition Auskunft, über die Kollege Lukas Heiny exklusiv berichten kann. So viel sei verraten: Adidas ist im Hip-Hop-Ranking auch heute noch mit an der Spitze – auch wenn sich der Konzern momentan mit dem US-Rapper Kanye West wenig vorteilhaft per Social Media zofft.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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