Eva Buchhorn

Der Tag im Überblick Tech, Spacs und Start-ups

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Anlagetipps vom Börsen-Profi, Pleiteangst in China und Betrugsermittlungen in der Spac-Szene.

Heute starten wir mit einer erfreulichen Nachricht: Die Angst vor der Omikron-Variante nimmt ab – zumindest an der Börse. Berichte aus Südafrika weisen darauf hin, dass eine Infektion mit Omikron bei den meisten Infizierten offenbar zu vergleichsweise milden Krankheitsverläufen führt. Zuletzt hatte die Sorge vor einer äußerst bedrohlichen Variante die Märkte in die Tiefe gestürzt. Nun gewinnt wieder die Hoffnung die Oberhand – der deutsche Leitindex Dax und der europäische Leitindex Eurostoxx verbuchten jeweils den größten Kursgewinn seit mehr als drei Monaten.

Vor allem Technologiewerte wie SAP und Infineon in Deutschland oder Apple und Tesla in den USA setzen zu einem Comeback an. Viele Anleger, die die Tech-Rallye der vergangenen Monate verpasst haben, wittern jetzt eine Einstiegschance. Doch welche Börsenlieblinge aus der Tech-Branche sind noch einen Einstieg wert? Diese Frage kann kaum jemand besser beantworten als Walter Price. Der Fondsmanager von Allianz Global Investors ist inzwischen 73 Jahre alt und eine echte Konstante in der Fondswelt: Er investiert schon seit 1974 in Technologiefirmen, zunächst in Intel und Hewlett Packard. Welche Techwerte er für weiterhin aussichtsreich hält, erklärt Price in einem exklusiven Interview. 

Konstante in der hektischen Welt der Profi-Anleger: Walter Price, Fondsmanager bei Allianz Global Investors

Konstante in der hektischen Welt der Profi-Anleger: Walter Price, Fondsmanager bei Allianz Global Investors

Foto: Martin Klimek für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Apropos Konstante: Von großer Beharrlichkeit ist auch das Wirken Ralf Klebers für Amazon. Seit 1999 dabei, zeichnete er ab 2002 als Geschäftsführer maßgeblich für die Expansion der Handelsplattform in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich. Zum Jahreswechsel übergibt Kleber an Rocco Bräuniger, auch ein Langzeit-Amazon-Manager und bislang für das europäische Konsumgütergeschäft verantwortlich. Bräuninger fällt ein Jahresumsatz von knapp 30 Milliarden Euro vor die Füße - darauf lässt sich doch aufbauen.

  • Das Drama um den chinesischen Immobilienriesen Evergrande tritt womöglich in seine finale Phase ein. Mehrere Geldgeber warten auch nach Ablauf einer Nachfrist weiter auf ihr Geld. Sollte die Pleite kommen, ist die Angst vor Schockwellen für das globale Finanzsystem groß. Die Ereignisse bei Evergrande wirken sich auch dämpfend auf die Konjunktur in China aus.

  • Spac-Börsengänge sind ja das neue heiße Ding. Doch bei den Kapitalmarktstarts operativer Unternehmen in einer bereits existenten Börsenhülle geht offenbar nicht immer alles mit rechten Dingen zu, jedenfalls nach Auffassung der US-Börsenaufsicht. Sie untersucht bereits die vierte Spac-Notierung in der Elektroauto-Szene. Nach Nikola, Canoo und Lordstown hat es jetzt Lucid Motors getroffen – ein Betrugsvorwurf steht im Raum.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Auch beim Medienkonzern ProSiebenSat.1 zeichnet sich ein Wechsel an der Spitze ab – diesmal im Aufsichtsrat. Der amtierende Oberkontrolleur Werner Brandt kandidiert nach zwei Amtsperioden nicht mehr. Ihm folgen soll Andreas Wiele. Man scheint also in Unterföhring die bislang nicht allzu ausgeprägte Mediennähe des Aufsichtsrats verstärken zu wollen. Wiele hat da einiges zu bieten: Er war fast 20 Jahre Vorstand bei Axel Springer. Der Wechsel soll bei der Hauptversammlung im Mai 2022 vollzogen werden.

  • Start-ups in Europa sind bei Investoren so gefragt wie noch nie. 100 Milliarden Dollar Wagniskapital dürften in diesem Jahr in Unternehmen auf dem alten Kontinent fließen. Das ist fast dreimal so viel wie 2020. Damit liegt Europa beim Level der Frühphasen-Investments erstmals gleichauf mit den USA.

  • Windenergie gilt als einer der entscheidenden Faktoren im Kampf gegen den Klimawandel. Doch der grüne Windstrom hat ein Recyclingproblem. Aktuell stehen rund 30.000 Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von 55 Gigawatt auf deutschem Boden. Nach Auslaufen der Förderphase werden sie in der Regel abgebaut. Die Entsorgung des Schrotts ist weitgehend ungeklärt.

  • Die Ampel-Koalitionäre aus SPD, FDP und Grünen haben heute den Koalitionsvertrag unterzeichnet. Morgen wird Olaf Scholz zum Kanzler gewählt.

Was Sie heute noch für Ihr Berufsleben lernen können:

  • Change Power – so nennt man das, was man früher vielleicht als Bereitschaft zum Wandel bezeichnet hätte. Jedenfalls eine gute Sache, diese Change Power. Mit ihrer Hilfe können sich Unternehmen fix an neue Umstände anpassen. Noch besser ist es, wenn man als Führungskraft weiß, wie viel Change Power das eigene Unternehmen aufbringt. Hilfreiche Unternehmensberater aus Amerika haben da ein passendes Instrument entwickelt, Made by Bain & Company. Wie man es anwendet, lernen Sie heute im Harvard Business Manager: "Wieviel Change Power hat Ihr Unternehmen?" 

Change Power mal konkret: Diese Bäumchen kommen in ungewohnter Optik daher

Change Power mal konkret: Diese Bäumchen kommen in ungewohnter Optik daher

Foto:

Kelsey McClellan

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Wie es erfolgreiche Menschen schaffen, Arbeit und Privatleben zu vereinen, ist Gegenstand der Serie "Termine, Termine, Termine" unserer Kolleginnen und Kollegen vom Spiegel. In der neuesten Folge hat Christoph Werner Einblick in seinen Kalender gegeben. Der dm-Chef verrät, was er nach Feierabend macht, warum in seinen Meetings keiner aufs Handy schauen darf und wie er es anstellt, dass sein Geschäftsführungs-Team in ganztägigen Sitzungen nicht schlapp macht: "Wir nennen es die österreichischen 90 Minuten." 

  • Und hier noch eine Anmerkung in eigener Sache: Wir haben auf unserer Website www.manager-magazin.de eine neue Funktion hinzugefügt. Ab sofort können Sie Artikel zu Ihrer persönlichen Merkliste hinzufügen und jederzeit geräteübergreifend wiederfinden, falls Sie sie später lesen möchten. Die neue Funktion wird hier erklärt und trifft, so hoffen wir, Ihr Interesse.

Herzliche Grüße und einen entspannten Abend, Ihre Eva Buchhorn