Christoph Rottwilm

Der Donnerstag im Überblick US-Konzern reduziert Belegschaft um 1,2 Prozent

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Stellenabbau bei Amazon, Covid-Tests bei der Einreise aus China und einer Inderin bei Covestro.

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn ein Großkonzern einen niedrigen einstelligen Prozentanteil seiner Mitarbeiter vor die Tür setzt, ist das nicht schön, schließlich hängt an jedem Jobverlust das Schicksal eines Menschen, oft samt Familie. Ein großes Thema ist ein Stellenabbau in dieser Größenordnung für Wirtschaftsmedien in der Regel aber nicht.

Das ist im Falle Amazons anders. Heute wurde bekannt: Der weltgrößte Onlinehändler streicht mehr als 18.000 Stellen. Das sind noch einmal deutlich mehr als die 10.000 Jobs, die nach bisherigen Angaben wegfallen sollten. Insgesamt beschäftigt Amazon rund um den Globus inzwischen allerdings etwa 1,5 Millionen Menschen. Der Jobabbau betrifft also auch in seiner vergrößerten Dimension lediglich etwa 1,2 Prozent der Belegschaft.

Ein großes Thema ist er dennoch.

Der Grund: Amazon gehört zu den bedeutendsten Vertretern der US-Tech-Industrie, die in den vergangenen Jahren mit disruptiven Ideen und viel Geld von Investoren einen großen Teil der Weltwirtschaft umgekrempelt hat. Lange Zeit kannte das Wachstum von Konzernen wie Amazon, Google, Facebook oder auch Tesla kaum Hindernisse. Entsprechend rasant schossen die Aktienkurse in die Höhe – ebenso wie die Mitarbeiterzahlen. Amazon etwa hat gerade während der Corona-Pandemie, als das Online-Shopping einen Sonderboom erlebte, noch einmal kräftig eingestellt.

Doch nun ist die Party vorerst vorüber. In den Konzernzentralen ebenso wie am Kapitalmarkt geht die Rezessionsangst um, und Kostenkontrolle hat plötzlich oberste Priorität. Tesla-Chef Elon Musk gab bereits im Sommer vergangenen Jahres den Abbau von 10 Prozent der Stellen beim Elektroautobauer bekannt. Bei Twitter strich Musk nach der Übernahme sogar beinahe jeden zweiten Job. Auch bei der Facebook-Mutter Meta setzt CEO Mark Zuckerberg 13 Prozent der Mitarbeiter auf die Straße.

Die Zahlen zeigen: Amazon-Chef Andy Jassy ist längst nicht der einzige, der auf die Bremse tritt. Und auch nicht derjenige, der am stärksten drauftritt.

Tritt auf die Bremse: Amazon-Chef Andy Jassy muss 18.000 Mitarbeitern kündigen

Tritt auf die Bremse: Amazon-Chef Andy Jassy muss 18.000 Mitarbeitern kündigen

Foto: David Ryder / Bloomberg via Getty Images

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Seit Tagen wird darüber diskutiert, jetzt ist eine Entscheidung gefallen: Auch Deutschland verlangt von Reisenden, die aus China kommen, künftig einen negativen Covid-19-Schnelltest. Zuvor hatte die Europäische Union eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen.

  • Schwache Zahlen vom Außenhandel: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gingen im November 2022 gegenüber dem Vormonat sowohl die Exporte als auch – in deutlich stärkerem Maße – die Importe der hiesigen Wirtschaft zurück. Gegenüber dem Vorjahr liegt der grenzüberschreitende Handel allerdings weiterhin deutlich im Plus.

  • Der iPhone-Hersteller Apple zieht offenbar Konsequenzen aus den jüngsten Unruhen bei seinem Produktionspartner Foxconn in China. Einem Medienbericht zufolge will Apple seine Premium-Modelle künftig vom Foxconn-Konkurrenten Luxshare, ebenfalls in China, herstellen lassen. Luxshare hatte während der Unruhen bei Foxconn bereits kleinere Stückzahlen der iPhone-Produktion übernommen.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Seit dem 1. Januar dieses Jahres können Managerinnen und Managern Boni gestrichen werden, wenn sie ihre Klimaziele nicht einhalten. Darüber hat sich meine Kollegin Maren Jensen mit dem Arbeitsrechtsexperten Christoph Abeln unterhalten. Seine Warnung: Die neue Regelung birgt Erpressungspotenzial für Aufsichtsräte gegenüber Vorständen. Denn Klimaziele sind in der Regel nur schwer mess- und kontrollierbar, sagt Abeln im Interview . Seiner Ansicht nach drohen daher ungerechtfertigte Gehaltskürzungen.

  • Aus unserer Reihe der 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft stellen wir Ihnen heute Sucheta "Sue" Govil vor. Die 59-Jährige ist seit 2019 im Vorstand des Chemiekonzerns Covestro und hatte zuvor schon Stationen in amerikanischen, britischen und niederländischen Unternehmen. Geprägt wurde Govil zudem von ihrem Heimatland: "Indien hat mich geformt", sagte sie unserer Kollegin Eva Buchhorn, die das Porträt von Frau Govil verfasst hat . Darin beschreibt sie auch den Knochenjob als Chief Commercial Officer bei Covestro – und den Glauben Govils an die exponentielle Kraft von Frauen.

"Indien hat mich geformt": Sucheta Govil ist seit 2019 im Vorstand von Covestro

"Indien hat mich geformt": Sucheta Govil ist seit 2019 im Vorstand von Covestro

Foto:

Marcus Simaitis für manager magazin

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Viele Manager und Managerinnen sind überzeugt davon, dass nachhaltiges Wirtschaften stets Einbußen bei Profit und Konkurrenzfähigkeit zur Folge hat. Doch das ist ein Irrglaube, schreiben zwei Autoren des Harvard Business managers. Über einen längeren Zeitraum haben sie die Nachhaltigkeitsinitiativen von 30 Großunternehmen untersucht. Ergebnis: Nachhaltigkeit schadet keineswegs dem Geschäftserfolg. Im Gegenteil: Sie stößt oft Innovationen an und steigert so Umsatz und Gewinn. Den Weg zu einem erfolgreichen nachhaltigen Geschäftsmodell beschreiben die HBm-Autoren als fünfstufigen Prozess, wobei jede der Stufen ihre eigenen Herausforderungen birgt. Was Manager und Managerinnen dabei beachten müssen, erfahren Sie im neuen Teil der "Winter School" des Harvard Business managers .

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

PS: Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter chefredaktion@manager-magazin.de .

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